Technik
Hat  "Duplex" tatsächlich ohne vorherige Absprache mit dem Restaurant Tisch und Essen für die Google-Mitarbeiter Yaniv Leviathan und Matan Kalman bestellt?
Hat "Duplex" tatsächlich ohne vorherige Absprache mit dem Restaurant Tisch und Essen für die Google-Mitarbeiter Yaniv Leviathan und Matan Kalman bestellt?(Foto: Google)
Freitag, 18. Mai 2018

Sprach-KI "Duplex" am Telefon: Hat Google geschummelt?

Bei seiner Entwicklerkonferenz I/O imponiert und schockiert Google mit seiner Sprach-KI "Duplex", die offenbar ganz natürliche Telefongespräche führen kann. Doch Recherchen legen die Vermutung nahe, dass dabei nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist.

Das Highlight von Googles Entwicklerkonferenz I/O war für viele die Demonstration von "Duplex". Dabei führte die Sprach-KI scheinbar so natürlich Telefonate, dass sie von einem Menschen praktisch nicht mehr zu unterscheiden war. Die Demo war so gut, dass danach heftig diskutiert wurde, welchen Sinn es hat, dass eine KI Menschen imitiert, ob so eine Entwicklung ethisch verantwortbar ist und wie Google künftig sicherstellt, dass Menschen wissen, wenn sie mit einer KI kommunizieren. Die Diskussionen sind wichtig, aber "Duplex" ist vielleicht noch gar nicht so gut, wie es sich anhörte. Es könnte nämlich sein, dass Google bei seiner Demo geschummelt hat.

Das Magazin "Axios" stellte beispielsweise fest, dass sich die Angerufenen nicht so meldeten, wie das eigentlich üblich ist. Statt zunächst den eigenen oder den Namen des Betriebs zu nennen, hieß es beim Friseursalon "Hallo, wie kann ich Ihnen helfen?" und beim Restaurant "Hi, kann ich Ihnen helfen?". Wohlgemerkt: Laut Google wurden die Betriebe nicht auf den KI-Anruf vorbereitet und waren angeblich völlig ahnungslos.

"Axios" rief mehr als zwei Dutzend Friseursalons und Restaurants an und jedes Mal wurde sofort der Name des Betriebs genannt. Außerdem gibt es bei den Telefonaten offenbar keine Hintergrundgeräusche zu hören, die in solchen Betrieben eigentlich zu erwarten wären, beispielsweise das Klappern von Geschirr oder ein Haartrockner. Und schließlich stellte "Axios" fest, dass die Angerufenen nicht nach einer Telefonnummer oder einer anderen Kontaktmöglichkeit fragten. Sehr seltsam. Das Magazin fragte Google nach den Namen der Betriebe, erhielt aber bisher keine Antwort.

Oder vielleicht doch?

Oder ging doch alles mit rechten Dingen zu? John Gruber von "Daring Fireball" ist ebenfalls misstrauisch geworden und hat auf Twitter seine Follower gefragt, ob sie das Restaurant auf dem Foto erkennen können, das zwei Google-Mitarbeiter mit dem von "Duplex" bestellten Essen zeigen soll. Tatsächlich konnte er so das chinesische Restaurant identifizieren.

Mit diesen Informationen rief "Mashable" dort an und erkundigte sich, ob dort tatsächlich nicht vorab bekannt war, dass eine KI anrufen wird. Zunächst hieß es "Nein, nein, natürlich nicht." Nachdem der Journalist nochmal bat, dies zu bestätigen, wurde der Angestellte offenbar nervös, sagte er müsse jetzt gehen und legte auf. Auch "Mashable" fragte bei Google nach, erhielt bisher aber ebenfalls keine Antwort.

Trotz des verdächtigen Verhaltens könnte "Duplex" aber tatsächlich ohne Vorwarnung angerufen haben. Für Gruber stellt sich dann aber die Frage, wie viele Restaurants Google angerufen hat, bis es das gewünschte Ergebnis erzielte. Und: Wenn der Angerufene tatsächlich nichts wusste, habe Google mit der Aufzeichnung des Gesprächs möglicherweise gegen kalifornisches Recht verstoßen, schreibt Gruber. Der "Fall Duplex" scheint noch nicht geschlossen zu sein.

Quelle: n-tv.de