Technik

Faires Phone für bessere Welt Ist das Shift 6m ein Handy zum Verlieben?

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Das Shift 6m ist ein mächtiges Gerät.

(Foto: jwa)

Das Shift 6m ist ein Smartphone mit revolutionärem Anspruch. Anstatt auf bahnbrechende Technik setzt der deutsche Hersteller auf Ethik und Moral. n-tv.de hat das deutsche Fair-Phone ausprobiert.

Wer ein neues Smartphone kauft, tut der Umwelt damit nicht gerade etwas Gutes und die Arbeiter, die das Gerät in China zusammenbauen, werden oft auch nicht wirklich fair bezahlt. Eine Ausnahme von dieser Regel soll das Shiftphone sein - ein nachhaltiges Smartphone für Anständige, das unter guten Arbeitsbedingungen gefertigt wird und sich leicht reparieren lässt. Aber kann das im hessischen Falkenberg erdachte Handy auch technisch überzeugen? n-tv.de hat das Shift 6m ausprobiert.

Modular braucht Platz

Technische Daten

  • System: ShiftOS, Android 8.0
  • Display: 5,7 Zoll, AMOLED, Full HD
  • Prozessor: Mediatek Helio X27
  • Arbeitsspeicher: 4 GB
  • Interner Speicher: 64 GB + microSD
  • Dual-SIM
  • LTE, WLAN ac, NFC, Bluetooth 4.1
  • USB-C
  • Kamera: 21 MP
  • Frontkamera: 13 MP
  • Akku: 4200 mAh (wechselbar)
  • Maße: 79,8 x 151,5 x 10 mm
  • Gewicht: 199 g

Wie ein Flaggschiff sieht das Smartphone nicht aus, das im recyclebaren Pappkarton mit dem runden Shift-Logo liegt. Es ist groß, schwer und mit seinem 5,7-Zoll-Display nicht gerade handlich. Optisch ist es meilenweit entfernt von den schlanken, glänzenden Gehäusen der aktuellen Smartphone-Oberklasse, dass das 6m ein Highend-Gerät sein soll, sieht man ihm nicht an.

Dafür gibt's natürlich eine Erklärung: Die modulare Bauweise fordert eben ihren Platz. Shiftphone-Nutzer können ihr Smartphone mithilfe des beigelegten Schraubenziehers selbstständig zerlegen und alle Einzelteile austauschen. Den Akku kann man auch ohne Werkzeug herausnehmen und wechseln - eine neue Batterie kostet nur 19 Euro.

Das vorbildliche Modular-Konzept hilft dabei, über den wenig modernen Look hinwegzusehen - Begehrlichkeiten weckt es aber nicht. Immerhin: Das Shift 6m wirkt robust und beinah unzerstörbar, das Gehäuse ist aus griffigem, gummiertem Kunststoff, das Display von Anfang an mit einer Panzerglasfolie gegen Kratzer geschützt. Ein Gummi-Bumper zum zusätzlichen Schutz wird mitgeliefert.

Es fühlt sich also gut an, ist aber leider auch ziemlich groß geraten und rund 8 Zentimeter breit. Ein kleineres 5-Zoll-Modell kann bereits vorbestellt werden - für viele Nutzer ist das sicher die bessere Wahl, denn Menschen mit kleineren Händen dürften das Shift 6m schlicht zu klobig finden.

Die Technik entscheidet

Aber es kommt ja bekanntlich nicht nur auf die Größe an, sondern auch auf die Technik: Shift verspricht Highend-Technologie - das bedeutet in einem Android-Smartphone meistens die aktuelle Generation von Qualcomms Snapdragon-Chips. Im Shift 6m steckt aber nur ein günstigerer Mediatek-Prozessor. Eine teurere Variante mit Snapdragon 845 soll als Shift 6mq erst im Frühjahr 2019 erscheinen, dann mit aktuellerer Android-Version und der Unterstützung von Custom-ROMs.

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Das Shift 6m von vorne: Schlichter geht's nicht.

(Foto: jwa)

Der Mediatek Helio X27 im Shift 6m ist zwar kein schlechter Chip. Aber an die aktuelle Chip-Oberklasse kommt seine Leistung nicht heran, im Benchmarktest Antutu landet er weit abgeschlagen auf einem zweistelligen Rang. Die Software ShiftOS basiert auf Android 8.0. Die meisten aktuellen Topmodelle haben Android 8.0 oder 8.1 an Bord. Ob, wie schnell und wie lange das Shift 6m mit Software- und Sicherheitsupdates versorgt wird, muss sich erst noch zeigen - zum Zeitpunkt des n-tv.de-Tests sind die von Google monatlich verteilten Sicherheitsupdates noch auf dem Stand vom 5. Juni 2018, also nicht aktuell.

Android auf Wunsch ohne Google

Die Benutzeroberfläche selbst ist grafisch reduziert und ansprechend gestaltet. Die üblichen Google-Apps sind an Bord, ergänzt um einen eigenen Musikplayer, eine eigene Kamera-App, weitere Standard-Apps und ein UKW-Radio. Überflüssigen App-Ballast gibt's nicht, und wer will, kann zu einer Light-Version ohne Google-Apps wechseln. Das Shift 6m hat zwar einen Fingerabdruck-Scanner, der aber keine Extra-Funktionen hat. Spezielle Bediengesten, die das Leben leichter machen, gibt es nur eine: Mit einem Wisch über die Statusleiste kann man die Bildschirmhelligkeit anpassen.

Viel zu entdecken und einzustellen gibt’s beim Shift 6m also nicht. Auch die Kamera ist aufs Wesentliche reduziert, das gilt sowohl für die App als auch für die Bildqualität. Die 21-Megapixel-Knipse macht bei Tageslicht passable Bilder, der HDR-Modus hellt dunkle Bereiche spürbar auf. Doch große Kamerakunst bietet das Handy nicht, das Shift 6m knipst mit seinem eher geringen Dynamikumfang nur auf Mittelklasse-Niveau. Immerhin: Fotos gelingen dank der hohen Auflösung mit akzeptabler Schärfe und das Bildrauschen ist gering.

Starker Akku

Spitze ist dagegen der Akku, der mit 4200 Milliamperestunden richtig lange durchhält. Weil das Shiftphone kein besonders anspruchsvolles Gerät ist und der Bildschirm ein stromsparendes AMOLED-Display ist, sind anderthalb bis zwei Nutzungstage locker drin. Auf der Rückseite des Shift 6m findet sich zudem sinngemäß folgende Warnung: "Smartphones können Zeitfresser sein. (…) Nutze deine Zeit weise - Menschen sind wichtiger als Maschinen." Wer das beherzigt, kommt wahrscheinlich noch länger ohne nachzuladen aus.

Alles in allem ist das Shift 6m ein ordentliches Smartphone, das mit 555 Euro nicht allzu viel kostet und seinen Käufern das gute Gefühl gibt, mit ihrer Bestellung etwas Gutes zu tun. Das Problem ist aber: Technisch kann es nicht mit anderen aktuellen Geräten zum gleichen Preis mithalten. Deshalb dürfte die Hürde für viele potenzielle Käufer hoch sein, das Smartphone auch tatsächlich zu bestellen.

Für den Preis eines neuen Shift 6m gibt es zum Beispiel ein gebrauchtes Google Pixel 2 oder ein gebrauchtes iPhone 7 - die haben deutlich bessere Kameras, sind handlicher und erhalten sicher noch zwei Jahre frische Software. Wer sich trotzdem für ein Shiftphone entscheidet, tut das aus anderen Gründen: Die leichte Reparierbarkeit und der ethisch korrekte Ansatz der Hessen sind unterstützenswert und das Geld für ein Shiftphone sicher gut investiert.

Quelle: n-tv.de

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