Technik

Angst vor heimlichen Aufnahmen Jeder Vierte klebt die Kamera ab

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Viele Nutzer fühlen sich durch die Kameras ihrer Geräte beobachtet.

(Foto: imago/Ikon Images)

Eine Umfrage zeigt: Viele Nutzer haben Angst, die Kameras ihrer vernetzten Geräte könnten Hackern dazu dienen, sie heimlich zu filmen. Jeder Vierte klebt die Linsen daher ab - was keine schlechte Lösung ist, wenn man sie nicht braucht.

Versteckte Beobachter in den eigenen vier Wänden zu haben - eine Horrorvorstellung für die meisten Menschen. Viele Nutzer gehen daher auf Nummer sicher, wie eine aktuelle Umfrage des Branchenverbands Bitkom zeigt. Jeder Vierte (27 Prozent) gab an, die Kameras an Laptops, Tablets oder Smartphones gezielt abzukleben, um sich vor Angriffen von Hackern und Internetkriminellen zu schützen.

Bedrohung ist real

Die Angst ist nicht ganz unbegründet: "Wenn Hightech-Geräte mit Schadprogrammen infiziert sind, können Cyberkriminelle die integrierten Kameras zur ungewollten Überwachung einsetzen", sagt Bitkom-Sicherheitsexperte Nabil Alsabah. Weil die Gefahr, ausspioniert zu werden, durchaus real ist, riet auch Ex-FBI-Chef James Comey bei einer Rede am Kenyon College 2016 dazu, Webkameras abzukleben. Er habe gesehen, dass eine schlauere Person als er dies getan habe, sagte er.

"Nutzt man die Webcam selten, ist es kein Komfortverlust, diese abzukleben", sagte Antivirus-Spezialist Maik Morgenstern von AV-Test im Interview mit "Techbook". Generell seien aber nur wenige Schädlinge bekannt, die über Webcams spionieren. Außerdem müsse man dann konsequenterweise das Mikrofon des Laptops ebenso abkleben, damit auch das heimliche Zuhören verhindert wird.

LEDs kann man nicht vertrauen

Abkleben ist aber wohl immer noch besser, als den LEDs zu vertrauen, die anzeigen sollen, wenn die Kamera in Betrieb ist. "Oft ist die Webcam separat von der LED steuerbar. Schadsoftware wird dann versuchen, Aufnahmen zu tätigen, ohne dass die LED leuchtet", so Morgenstern.

"Nutzer sollten die Software ihrer Geräte immer auf dem aktuellsten Stand halten, um möglichen Sicherheitslücken vorzubeugen", rät Bitkom-Experte Alsabah. Bei verdächtigen Aktivitäten sollte ein Gerät mit Viren-Scannern auf Schadprogramme überprüft werden. "Die letzte Option ist immer, ein infiziertes Gerät zu formatieren, was alle Daten auf den internen Speichern löscht und Schadprogramme entfernt."

Junge sind misstrauischer

Misstrauisch gegenüber ihren Webcams sind der Umfrage zufolge vor allem jüngere Nutzer. Mit 38 Prozent verdeckt mehr als jeder Dritte der 14- bis 29-Jährigen die Linse des Laptops, Tablet-Computers oder Smartphones. Mit steigendem Alter nehmen diese Bedenken immer mehr ab. Verdecken bei den 50- bis 64-Jährigen noch 23 Prozent der Gerätenutzer ihre Linsen, so sind es bei den über 65-Jährigen nur noch 13 Prozent.

Quelle: n-tv.de, kwe

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