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"Shadow of the Tomb Raider" Lara Croft ist so düster wie noch nie

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"Shadow of the Tomb Raider" lässt tief in die Abgründe von Lara Crofts Seele blicken.

(Foto: Square Enix)

Von der Archäologin zur Dschungel-Kriegerin: Spannend und mit viel Gefühl endet die neue Abenteuerreihe um die berühmte Schatzsucherin. In "Shadow of the Tomb Raider" muss Lara Croft eine Maya-Apokalypse verhindern und sich dabei selbst finden.

Vor 22 Jahren schwang sich Lara Croft mit eckigem Atombusen das erste Mal über die heimischen Computerbildschirme. Der gelungene Mix aus Action, Abenteuer und einer weiblichen Heldin wurde schnell zum Hit. Die "Tomb Raider"-Serie zählt bis heute zu den meistverkauften Spieleserien der Welt. Doch seit ihrem Debüt-Auftritt hat sich bei Lara Croft einiges getan - nicht nur bei ihrer Oberweite. Nun veröffentlicht Square Enix den letzten Teil der jüngsten "Tomb Raider"-Trilogie, die 2013 mit einer spektakulären Neuauflage startete.

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"Shadow of the Tomb Raider" bleibt seinen Vorgängern treu und präsentiert eine abwechslungsreiche Spielwelt mit vielen Handlungsmöglichkeiten und reichlich Action. So hetzt Croft schon in den ersten Minuten durch einen einstürzenden Tempel, beobachtet, wie ein Tsunami eine ganze Stadt in Schutt und Asche legt und stürzt kurz darauf dramatisch mit einem Flugzeug ab, in den Dschungel.

Eine düstere Prophezeiung

Zeit zum Durchatmen bleibt dem Spieler kaum. Das ist auch besser so, denn sonst könnte ihm vielleicht die etwas zu dünn geratene Story auffallen. Darin geht um einen mysteriösen Dolch, der einen alten Fluch heraufbeschwört, einen indigenen Volksstamm und die obligatorische Verheißung des Weltuntergangs. Die antike Stichwaffe fällt durch Laras Verschulden gleich zu Beginn in die falschen Hände und droht die Welt - wie auch immer - zu zerstören. Natürlich stecken dahinter Laras alte Feinde der Geheimorganisation Trinity, die schon ihren Vater auf dem Gewissen haben.

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So begibt sich die Heldin mit ihrem treuen Gefährten Jonah auf die Spuren der Maya nach Mexiko und Peru. Auf der Suche nach geheimen Grabkammern und mächtigen Artefakten schwingt sich Lara über tiefe Schluchten und taucht durch unterirdische Seen. Dabei sind ihre schwerbewaffneten Gegner stets vor ihr da. Wie sie das schaffen und warum genau sie sich unerbittlich durch jahrtausendealte Gräber und Tempel bomben, bleibt weitgehend im Dunkeln.

Dafür enthüllt die Geschichte spannende Aspekte über Laras Vergangenheit. So lernt der Spieler die Schatzjägerin als junges Mädchen kennen und versteht, woher ihre Besessenheit kommt. Abseits der actionreichen Szenen zeigt sich, dass die sonst so starke und zielstrebige Heldin von Schuld, Trauer und dem Hass auf Trinity zerfressen ist. Solch eine Charaktertiefe ist aber offenbar nur Lara vorbehalten. Ihre Gegenspieler bleiben im Verlauf der Geschichte nach wie vor eher eindimensional.

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Atemberaubend schön: "Shadow of the Tomb Raider" beeindruckt mit einer lebendigen, detailreichen und grafisch herausragenden Spielwelt.

(Foto: Square Enix)

Drückt man jedoch bei dem löchrigen, wenig überraschenden Plot und den stereotypen Bösewichten ein Auge zu, ist "Shadow of the Tomb Raider" grandios umgesetzt. Denn beim Gameplay macht der finale Teil alles richtig und lädt den Spieler ein, sich ganz seiner Sammel- und Entdeckungswut hinzugeben. Lara an Fassaden und Felswänden entlangklettern oder über Abgründe schwingen zu lassen macht dabei genau so viel Spaß, wie nach Schätzen in alten Gräbern zu suchen oder auf die Jagd zu gehen. Vor allem die umwerfende Grafik animiert, sich immer weiter in unbekannte Gefilde zu wagen.

Willkommen im Dschungel

Während in "Rise of the Tomb Raider" die verschneite sibirische Landschaft eher karg wirkte, beeindruckt im neuen Teil der lateinamerikanische Dschungel bis ins kleinste Detail. Riesige Bäume ragen weit in den Himmel, die Seen glitzern im Sonnenschein und überall raschelt, zirpt und zwitschert es. Die Welt ist atemberaubend lebendig, aber auch bedrohlich. Zwischen dem dichten Gestrüpp verstecken sich angriffslustige Raubtiere, aber auch im Wasser lauern tödliche Gefahren.

"Tomb Raider"-Fans der ersten Stunde können sich diesmal auf ausgedehnte Tauchgänge freuen, die in den beiden Vorgängern vernachlässigt wurden. Diese versprechen Nervenkitzel in klaustrophobisch engen Unterwasser-Passagen. Aber auch einige Horror-Elemente bringen den Spieler ins Schwitzen und sind definitiv nichts für schwache Nerven. Das gilt auch für die Kämpfe - egal, ob gegen Mensch oder Tier. Lara und ihre Widersacher gehen wenig zimperlich vor und nicht selten spritzt Blut. Die Möglichkeiten im Gefecht sind ebenso vielseitig wie spaßig: Ob man Gegner leise ausschaltet oder lieber mit Getöse niederballert, bleibt dem Spieler selbst überlassen.

Trotz einiger Schwächen kann Lara Croft auch in ihrem bislang letzten Abenteuer durchaus überzeugen. Mit dem düsteren Weltuntergangssetting in einer herausragenden Optik schafft das Spiel eine atmosphärisch dichte Welt, in der es einen Riesenspaß macht, Gegenden zu entdecken oder Gegner aus dem Hinterhalt zu erledigen. Fans der Schatzjägerin werden sich mit Freude in das neue Abenteuer ihrer langjährigen Heldin stürzen und mit ihr nicht nur viele Gräber, sondern auch die Abgründe ihrer Seele erkunden.

Seit dem 14. September ist "Shadow of the Tomb Raider" für Playstation 4, Xbox One und PC erhältlich.

Quelle: n-tv.de

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