Technik

Neuer Marvel-Ableger im Test "Midnight Suns" ist das Superhelden-Spiel für Taktikfüchse

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"Marvel's Midnight Suns" ist ein echtes Superhelden-Who-is-Who.

(Foto: Firaxis)

Sowohl Filme als auch Videospiele mit Superhelden folgen oft dem gleichen Prinzip. "Marvel's Midnight Suns" geht da neue Wege und lässt Dutzende Heroen in rundenbasierten Taktikschlachten antreten. Das Konzept geht auf, hat in anderen Bereich aber seine Schwächen.

Superhelden-Filme aus dem Hause Marvel bestehen stets aus viel Action und epischen Kampfszenen. Betrachtet man die letzten Videospieltitel - "Spider-Man", "The Avengers" oder "Guardians of the Galaxy" -, stehen die virtuellen Ableger den Kinofilmen darin wenig nach. Mit "Marvel's Midnight Suns" setzt Entwickler Firaxis Games dagegen auf die taktische Variante und kombiniert rundenbasierte Kämpfe mit Karten- und Rollenspielelementen, in einem genretypischen Weltuntergangsszenario, das einen tiefen Blick in das Superheldenuniversum erlaubt. Der erfrischende Ansatz geht auf und sorgt für Spielspaß. Bei der Interpretation der Helden-Kommune setzen die Entwickler allerdings auf zu viel Harmonie.

Die Geschichte konzentriert sich auf eine apokalyptische Prophezeiung rund um die dämonische Hexe Lilith, die von der bösen Geheimorganisation Hydra erweckt wird. Der Spieler schlüpft in die Rolle von "Hunter", dem Sohn oder der Tochter von Lilith - je nachdem wie man seinen Charakter gestaltet. Zusammen mit einer ganzen Reihe Superhelden muss man die Hexe fortan aufhalten. Da ist so ziemlich alles dabei, was im Marvel-Universum Rang und Namen hat: Iron Man, Doctor Strange, Blade, Spider-Man bis hin zu Wolverine, aber auch unbekanntere Helden wie die Midnight Suns, bestehend aus Nico Minoru oder Illyana Rasputina, bekommen Gelegenheit zu glänzen.

Das Spiel konzentriert sich auf zwei zentrale Elemente: Ein Rollenspielanteil, der sich in der Entwicklung des selbsterstellten Helden "Hunter" und seinem Verhältnis zu den anderen Heroen widerspiegelt. Das wird vorwiegend mit Gesprächen in Form von optionalen Textboxen vorangetrieben.

Die Macht der Karten

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Etwas Kartenglück wird auch benötigt, um die Gefechte für sich zu entscheiden.

(Foto: Firaxis)

Die Taktikgefechte sind der zweite große Block - und eine wirklich gelungene Umsetzung des Superheldengenres. Erfrischend anders als in Firaxis' genreprägenden "X-Com"-Spielen kommt das Kampfsystem daher. Jedes Mitglied des Drei-Helden-Teams, das man für eine Mission auswählt, hat sein eigenes anpassbares Deck aus acht Karten. So lässt sich eine Kombination aus Attacken, Heilungszaubern und Boosts zusammenstellen.

Im taktischen Gefecht mit den Schergen von Hydra und Superbösewichtern können dann pro Runde drei Karten gespielt und jeweils eine Bewegungsaktion der Helden ausgeführt werden. Für verbrauchte Karten werden aus dem Deck neue gezogen, sodass man in der Regel immer aus fünf Karten wählen kann. Die Bewegungsaktionen können dazu genutzt werden, die Helden in eine bessere Position zu bringen oder Objekte auf dem Spielfeld einzusetzen. So kann man beispielsweise Zeitungsstapel auf Gegner schleudern oder Ölfässer explodieren lassen.

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Alle Attacken sind Superhelden-like animiert und können sich sehen lassen.

(Foto: Firaxis)

In den Missionen geht es darum, Feinde schnell auszuschalten oder sie zumindest zu schwächen. Mit leichteren Angriffen wird "Heldenmut" generiert, der dazu dient, später deutlich stärkere oder flächendeckende Aktionen auszuführen. Die Entwickler haben hervorragende Arbeit geleistet, damit sich die rundenbasierten Kämpfe auch energiegeladen anfühlen. Superhelden-like werden die Angriffe effektvoll in Szene gesetzt, die mächtigen Team-Attacken sorgen für eine gute Show.

Kniffliger Einstieg

Der Einstieg ins Spiel ist allerdings nicht gerade benutzerfreundlich. In den ersten Stunden ist es sehr anstrengend, sich im komplexen Kampfsystem zurechtzufinden. Dazu gibt es im Spiel viel zu viele Ingame-Währungen für Upgrades, um die Beziehungen zu verbessern oder für kosmetischen Schnickschnack. Erst nach dem ersten Akt hat man einen Durchblick, kann sein eigenes Kartendeck individuell gestalten und findet sich im Superhelden-Hauptquartier - der Abtei - zurecht.

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Ein Plausch mit Doctor Strange - das steht regelmäßig an.

(Foto: Firaxis)

Nebenquests bietet "Marvel's Midnight Suns" ebenfalls: Gegenstände sammeln, die Beziehungen zu den anderen Superhelden verbessern, Labyrinthe durchlaufen oder eher einfallslose Rätsel lösen - das wirkt oft unspektakulär. Einige dröge Storyparts sind auch nicht zu umgehen. So wird man schon mal zum Filmabend mit den Superheldenkollegen gezwungen, obwohl man eigentlich damit beschäftigt sein sollte, die Welt zu retten. Da in den Gesprächen jede Hintergrundgeschichte ausgiebig durchgekaut wird, wirkt das sehr langatmig. Ja, das ist der ganze tiefe Blick ins Marvel-Universum, aber auch ein enorm zeitintensiver. Der Spieler wird hier mit Informationen überladen.

Festival der "flotten" Sprüche

Dazu zeigen sich die einzelnen Superhelden in Gesprächen allzu gerne von ihrer witzigen Seite und sparen nicht mit "flotten" Sprüchen. In vielen Situationen versuchen sich die Charaktere sogar mit One-Linern zu überbieten. Das hat alles - trotz der guten deutschen Synchronisation - ein enormes Fremdschämpotenzial, das deutlich über den Grad der Marvel-Filme hinausgeht. Bei mehr als 60 Stunden Spieldauer in der Kampagne kann das schon mal auf die Nerven gehen.

Einfach die Dialoge durchzuskippen, ist auch nicht drin. Schließlich haben sie Einfluss auf die Taktikkämpfe. Die Freundschaften von "Hunter" zu den anderen Superhelden können in den Gesprächen positiv oder negativ gestaltet werden. Je nachdem wie man sich mit seinen Kollegen stellt, werden mächtige passive Fähigkeiten für den Charakter im Kampf freigeschaltet - da lohnt es sich, Captain America & Co. Honig ums Maul zu schmieren.

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Überzeugend ist "Marvel's Midnight Suns" aber vor allem durch die innovativen taktischen Kämpfe, auch wenn es etwas Zeit braucht, um voll durchzusteigen. Sobald es Klick gemacht hat, funktioniert die Mechanik des Kartenspiels wunderbar mit den rundenbasierten Kämpfen. Die apokalyptische Geschichte ist nicht neu, aber es ist ein schönes Superhelden-Who-is-Who, das Marvel-Fans sicherlich gefallen dürfte.

"Marvel's Midnight Suns" ist für PC, Xbox und Playstation erhältlich.

Quelle: ntv.de

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