Technik
Das Möve Franklin ist ein schwungvolles Bike mit Cyfly-Antrieb.
Das Möve Franklin ist ein schwungvolles Bike mit Cyfly-Antrieb.(Foto: jwa)
Freitag, 22. September 2017

Wie E-Bike, nur besser? : Möve Franklin fährt leicht und schnell

Von Johannes Wallat

E-Bikes sind angesagt, doch sie brauchen volle Akkus. Weniger anstrengend radeln kann man auch anders: Mit dem Möve Franklin kommt man leicht und schnell voran - ganz ohne E-Hilfen, nur mit Muskelkraft. n-tv.de hat's ausprobiert.

Wer beim Radfahren Kraft sparen und länger durchhalten möchte, greift gerne zum E-Bike oder Pedelec. Zweiräder mit elektronischer Trittkraftverstärkung werden immer beliebter. Viele etablierte Hersteller haben längst auch Elektroräder im Angebot, Jungunternehmer und Start-ups versuchen mit eigenen Lösungen, im boomenden Markt Fuß zu fassen. Aber alle E-Räder haben etwas gemeinsam: Sie brauchen geladene Akkus, um ihre Fahrer zu entlasten. Und für manch stolzen Radfahrer fühlt sich die Elektrohilfe doch ein wenig nach Schummeln an. Hier kommt Möve ins Spiel: Die wiederbelebte Traditionsmarke hat ein Fahrrad im Angebot, das ganz ohne E-Hilfe das Radfahren erleichtert.

Cyfly verstärkt die Muskelkraft

So sieht der Cyfly-Antrieb aus.
So sieht der Cyfly-Antrieb aus.(Foto: jwa)

Der eigens entwickelte Antrieb, der exklusiv im Möve-Rad Franklin verbaut ist, hört auf den Namen "Cyfly". Für den Betrachter sieht das Mehrgelenkgetriebe erst einmal etwas merkwürdig aus. Das Kettenblatt ist asymmetrisch-oval, die Tretkurbeln sind nicht mehr direkt mit der Achse verbunden, sondern stützen sich hinter ihr ab. Dadurch wird der Bereich der Kraftübertragung deutlich vergrößert. Eine Steigerung des Drehmoments um 33 Prozent versprechen die Cyfly-Entwickler.

Konkret bedeutet das für den Franklin-Fahrer: Man kann leichter anfahren, kommt zügig auf Touren und kann entspannter die Geschwindigkeit halten. Seine Vorteile spielt der Cyfly-Antrieb besonders da aus, wo es auf Kraft ankommt, also zum Beispiel beim Anfahren nach einem Ampel-Stopp, bei Steigungen oder bei Gegenwind. Aber nicht nur die Kraftübertragung ist anders, auch die Trittbahn ist verkürzt und verläuft anders, nämlich nicht kreisrund wie bei herkömmlichen Fahrradantrieben.

Wer auf dem Franklin sitzt und in die Pedale tritt, muss sich deshalb erst einmal umgewöhnen. Statt im Kreis bewegen sich die Tretkurbeln und damit auch die Beine das Fahrers gefühlt eher in einem Aufwärts-Abwärts-Wechsel, ein bisschen wie beim Fitness-Stepper oder beim Treppensteigen. An diese andere Art der Bewegung gewöhnt man sich erst nach einigen Kilometern und nach zwei bis drei Tagen im Sattel - Profis brauchen für die Umstellung etwas länger.

Umgewöhnung nötig

Sieht leichter aus, als es ist: Das Möve Franklin.
Sieht leichter aus, als es ist: Das Möve Franklin.(Foto: jwa)

Im Praxistest zeigt der Cyfly-Antrieb seine Wirkung. Obwohl das Testrad, ein Franklin in der Pro-Ausführung mit Licht, Schutzblechen und Gepäckträger sowie einem stabilen Abus-Faltschloss mit knapp 18 Kilogramm kein Leichtgewicht ist, lässt es sich relativ leicht fahren. Der Umstieg vom Rennrad auf das robuste Möve-Bike mit seinen dicken Reifen fällt zwar erst einmal schwer, doch nach einer Umgewöhnungsphase stellt sich Fahrspaß ein. Einmal in Fahrt, möchte man nur ungern wieder abbremsen und zieht relativ mühelos an anderen Radfahrern vorbei, auch an solchen mit sportlicheren Drahteseln.

Wie sehr man die Trittkraftverstärkung spürt, hat auch damit zu tun, in welchem Gang man fährt. Bei einer ersten Testrunde empfahl der Möve-Mitarbeiter, zu Anfang niedrige Gänge zu wählen, auf der Website findet sich die Empfehlung, mit höheren Gängen zu starten, um den Effekt deutlicher zu spüren. Die Test-Erfahrung zeigt, dass es sinnvoll ist, zum Anfahren niedrige Gänge zu wählen und dann mit der Shimano-Schaltung am rechten Lenkergriff schnell hochzuschalten.

Hochwertige Komponenten

Der Lenker des Möve Franklin ist ziemlich breit.
Der Lenker des Möve Franklin ist ziemlich breit.(Foto: jwa)

Der Cyfly-Antrieb ist aber nur ein Aspekt des Franklin-Bikes. Das gesamte Rad ist eine Neuentwicklung des Möve-Teams, die die alte Tradition des ostdeutschen Betriebs hinter sich lässt. Der Rahmen ist aus 7020er Aluminium gefertigt und ziemlich stabil. Alle Komponenten sind hochwertig und sorgfältig zusammengestellt, jedes Einzelteil wird im Prospekt und auf der Website explizit aufgeführt. Sattel und Griffe sind mit Nappaleder bezogen, Bremsen, Schaltung und Naben stammen von Shimano, die Felgen von Mavic.

Man merkt, dass Profis das Rad erdacht und gebaut haben. Das muss aber auch so sein, denn das Franklin ist alles andere als günstig. Wer happige 4000 Euro für die Pure-Variante oder rund 4300 Euro für die Pro-Ausführung bezahlt, darf zurecht Top-Ausstattung erwarten, drunter geht's nicht. Als Sahnehäubchen gibt es nette Details. Zum Beispiel verlaufen die Kabel für Bremse, Schaltung und Licht komplett unsichtbar im Rahmen und die Schrauben für Sattel, Lenker und Laufräder sind mit einem Hexlox-Magneten gesichert, der sich nur mit dem passenden Schlüssel entfernen lässt. Der Rahmen ist mit einem speziellen Farbverlauf von schwarz nach grau lackiert, was an das Gefieder einer Möwe erinnern soll.  

Lohnt sich der Kauf? 

Aber ist das Franklin auch sein Geld wert? Im Test ergibt sich keine klare Antwort, denn ein passendes Fahrrad zu finden, hängt von mehr ab als der Technik und den verwendeten Komponenten. Im Test fiel zum Beispiel das hohe Gewicht des Rades auf. Zusammen mit den relativ dicken Reifen wirkt es etwas schwerfällig, der Rahmen mit seinen dicken Rohren etwas klobig. Wer ein sportliches Rennrad gewohnt ist, wird mit dem Umstieg seine Schwierigkeiten haben. Pluspunkt ist aber: Unebenheiten oder Kopfsteinpflaster steckt das Franklin gut weg.

Auch der sehr breite Downhill-Lenker (78 Zentimeter) wollte nicht so recht gefallen. Im Stadtverkehr ist es aus vielen Gründen besser, einen schmalen Lenker zu haben - sei es, um wendiger zu sein oder um weniger Platz einzunehmen. Das sind aber individuelle Gründe, an der guten Umsetzung des Antriebs und der hohen Qualität des Rades selbst ändert das nichts. Klar ist aber auch: An die Leichtigkeit eines E-Bikes kommt das Cyfly-Rad nicht heran, die Trittkraftverstärkung ist längst nicht so deutlich spürbar. Deshalb: Ob man sich ins Franklin verliebt, ob man nur den Cyfly-Antrieb gut findet oder von beidem nichts hält, muss jeder selbst herausfinden.

Quelle: n-tv.de