Technik

Die Mods machen es besonders Moto Z2 Play ist vielseitig begabt

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Vielseitig dank Moto Mods: Das Moto Z2 Play.

(Foto: jwa)

Das Moto Z2 Play ist ein schlankes und gut verarbeitetes Smartphone, doch erst durch die Mods wird es außergewöhnlich. Die Ansteck-Module erweitern die Fähigkeiten des Handys und machen es zu einem echten Multitalent.

Die Z-Reihe von Motorola löst zum Teil ein, was Googles Project Ara und auch LGs G5 nicht halten konnten: ein Smartphone zum Selbstzusammenstellen, mit Komponenten, die sich nach dem Plug-and-Play-Prinzip im Handumdrehen austauschen lassen. Eine großartige Idee, doch Project Ara ist in der Versenkung verschwunden, LG hat seinen Modular-Ansatz nach dem gefloppten G5 gleich wieder verworfen. Nur Motorola macht unbeirrt da weiter, wo es im vergangenen Jahr angefangen hat. Das Moto Z2 Play ist wie sein Vorgänger ein Smartphone zum freien Bestücken mit Zubehör für Hobby-Fotografen, Akku-Bedürftige und Musikfreunde. 

Versprechen gehalten

Technische Daten

  • System: Android 7.1.1
  • Display: 5,5 Zoll, AMOLED, Full HD (1920x1080p, 401 ppi)
  • Prozessor. Snapdragon 626, 2,2 GHz
  • Arbeitsspeicher: 4 GB
  • Interner Speicher: 64 GB + microSD-Karten
  • Kamera: 12 MP, f/1.7
  • Frontkamera: 5 MP, f/2.2
  • Akku: 3000 mAh, Schnellladefunktion
  • WLAN n, LTE Cat. 6
  • USB-C, Bluetooth 4.2, NFC
  • Fingerabdruck-Sensor
  • Maße: 156 x 76 x 6 mm
  • Gewicht: 145 g

 

Die erste Frage zum Z2 Play lautet unweigerlich: Braucht man das noch? Schließlich ist Motorola im Moment der einzige Hersteller, der das nischige Modularkonzept verfolgt. Dass kein anderer auf den Zug aufspringt, hat doch sicher seine Gründe? Nun, ob Mut oder Leichtsinn, Motorola geht seinen Weg, und das Konzept hat nach wie vor seinen unbestreitbaren Charme. Das Ding mit den Moto Mods, den Ansteckmodulen, war von vorneherein als Mehrgenerationen-Lösung angelegt, und die Lenovo-Tochter löst mit der zweiten Generation dieses Versprechen ein, alle Mods sind mit allen Z-Modellen kompatibel.

Erster, naheliegender Nachteil: Das Design des Z2 Play wurde im Vergleich zum Vorgänger kaum geändert - die Mods müssen schließlich auf beide Geräte passen. Somit ist die Grundfläche gleich geblieben, nur das Gehäuse vom neuen Play ist etwas schmaler, die Rückseite ist aus mattem Metall und der umlaufende Antennenstreifen elegant und trickreich ins Gehäuse eingearbeitet. Insgesamt ist das Z2 Play damit ein schickes Gerät, das robust und hochwertig wirkt. Einziges Minus: Die Kamera ragt ziemlich weit aus dem Gehäuse.  

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Mit dem JBL Soundboost klingt das Moto Z2 Play viel besser.

(Foto: jwa)

Die technischen Daten sind schnell abgehakt, denn alles im Z2 Play ist so, wie es sein soll für ein Smartphone, das Oberklasse-Ambitionen hat, aber für 500 Euro in den Verkauf geht. Das Super-AMOLED-Display hat Full HD (401 ppi), was ausreicht, solange man es nicht in eine VR-Brille steckt. Der Snapdragon-626-Prozessor ist ausreichend stark, um Alltagsaufgaben oder auch gelegentliche Spiele zu meistern. Das sollte er aber auch, denn wenn im vierten Quartal das Gamepad-Mod erhältlich ist, kann man das Z2 Play blitzschnell zur mobilen Konsole umfunktionieren. Dass das gut klappt, n-tv.de konnte dies im Kurztest vorab schon ausprobieren.

Pures Android mit Extras

Das System ist fast pures Android, das hat einen klaren Vorteil: schnelle Updates und aktuelle Sicherheitspatches. Dafür ist Motorola bekannt, und das soll sich auch mit dem Z2 Play nicht ändern. Ein paar Software-Extras gibt's aber wie immer dazu, unter anderem clevere Schnellstart-Möglichkeiten für Kamera oder Taschenlampe, eine gute Kamera-App und eine Eintastensteuerung über den Fingerabdruck-Sensor, die die Navigationstasten im Bildschirm obsolet macht. Die Einstellungen finden sich in der "Moto"-App. Wie alle Hersteller legt auch Motorola großen Wert auf die Kamera, die sich mit Dual-Pixel-Autofokus, lichtstarker Blende f/1.7 und 12-Megapixel-Sensor als gutes Gesamtpaket andient und gute Fotos macht, die auch bei wenig Licht nicht zu stark rauschen.

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Nur in dunklen Räumen wirklich gut: Das Beamer-Mod fürs Moto Z2 Play.

(Foto: jwa)

Wirklich interessant wird das Smartphone aber erst mit den Mods, von denen Motorola in Deutschland eines direkt dem Verkaufspaket beilegt: Der JBL Soundboost 2 gehört fest zum Zubehör. Der Ansteck-Lautsprecher geht zusammen mit dem Z2 in die zweite Generation und tut, was er verspricht: Er "boostet" den Sound, gibt ihm also einen ordentlichen Schub. Das muss aber auch so sein, denn der Mono-Lautsprecher des Z2 Play kann kaum etwas.

Die Verbindung ist beim Soundboost 2 spielend einfach, genau wie sie sein soll: Das Mod haftet magnetisch am Smartphone an, das Gerät erkennt das Zubehör automatisch und springt sofort um - klasse! Das Plug-and-Play-Versprechen vom nahtlosen Wechsel löst Motorola voll ein. Natürlich gibt es theoretisch unendlich viele Mods, bisher ist das Repertoire aber noch überschaubar. Immerhin, nützlich sind alle, vom Soundboost über den dicken Zusatzakku, den Hasselblad-Kamera-Aufsatz, den Insta-Share-Projector, der das Display an die Wand projiziert, die Rückschale mit Drahtloslade-Funktion oder eine der "Style Shell"-Rückabdeckungen, die dem Gerät ein anderes Aussehen verleiht.

Investition in die Zukunft

Wer sich also aufs Moto-Ökosystem einlässt, hat viel Freiraum zum Herumspielen und Ausprobieren. Klasse sind die Moto Mods, weil sie sich in Sekundenschnelle und im laufenden Betrieb anbringen lassen, fest sitzen und sofort bereit sind. Eine bessere Umsetzung dieses Konzepts gibt es nicht. Natürlich haben die Mods aber auch ihre Grenzen. Der Soundboost klingt besser als ein Handylautsprecher, aber schlechter als jeder mittelmäßige Bluetooth-Speaker. Der Beamer wirft in dunklen Räumen ein kleines, akzeptables Bild an die Wand, ist aber nur eine Notlösung für unterwegs. Und der Hasselblad-Aufsatz macht zwar ansprechende Bilder, wird dem großen Namen aber nicht gerecht.  

Trotzdem: Wer keine überzogenen Erwartungen an die Mods hat, kann mit dem Z2 Play gut glücklich werden. Auch ohne die Ansteck-Erweiterungen ist es ein grundsolides Smartphone, das für seinen Preis angemessen ausgestattet ist und sich nicht hinter dem Wettbewerb zu verstecken braucht. Echte Alleinstellungsmerkmale hat das Z2 Play ohne Mods zwar kaum, aber immerhin sind schnelle Android-Updates garantiert, und das ist auch schon etwas wert. Und: Je mehr Mods in der Zukunft noch gebaut werden, desto vielseitiger wird auch das Handy. Es ist also auch eine Investition in eine - wenn auch ungewisse - Zukunft.

Quelle: n-tv.de

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