Technik

Luxus-Phone mit Pannen-Screen Pixel 2 XL hat ein Problem-Display

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Nicht so toll, wie es aussieht: das Display des Pixel 2 XL.

(Foto: jwa)

Googles Pixel 2 XL ist eines der besten Android-Smartphones. Doch offenbar hat es nicht das beste Display: Zur Kritik an Sättigung und Farbdarstellung kommen jetzt Berichte über Einbrenn-Effekte. Wie gravierend sind die Probleme wirklich?

Googles Pixel-Smartphones gehören zu den besten derzeit erhältlichen Geräten mit Android an Bord. Zu den Vorteilen der Pixel-Reihe zählen unter anderem die stets aktuelle Software und eine garantierte Versorgung mit relevanten Sicherheits-Updates für drei Jahre. Doch auch technisch spielen die Geräte ganz oben mit. Das lässt sich Google entsprechend einiges kosten. Mit über 900 Euro ist gerade das Pixel 2 XL kein Schnäppchen. Umso ärgerlicher, wenn dann die Technik Macken hat.

Leistung top, Screen ein Flop?

Die Performance des Pixel 2 XL ist über Zweifel erhaben, auch die Kamera liefert tolle Bilder, beim Test von DxOMark bekam sie die Höchstwertung von 98 Punkten. Aber ausgerechnet beim sichtbarsten Element des Smartphones gibt es offenbar Probleme: Tester, Journalisten und die ersten Nutzer berichten von minderwertigen Displays, die bei schrägen Betrachtungswinkeln einen Blaustich aufweisen und bei denen schon nach wenigen Tagen intensiver Nutzung sogenannte Einbrenn-Effekte auftreten.

OLED-Displays wie das im Pixel 2 XL verbaute 6-Zoll-Panel von LG sind grundsätzlich anfälliger für solche Farbstiche und Geisterbilder als LCDs, doch die Schwächen der Technologie gelten eigentlich als weitgehend überwunden. Gerade Samsung produziert OLEDs, die regelmäßig zu den besten Smartphone-Displays gekürt werden. Beim kleineren Pixel 2, das ein Display von Samsung hat, tauchen die Probleme offenbar auch nicht auf - womöglich sind sie also auf einen Fabrikationsfehler von LG zurückzuführen.

Google hat sich inzwischen in einem Statement gegenüber "The Verge" und "Androidcentral" zu den Einbrenn-Effekten geäußert und zu Protokoll gegeben, dass man "aktiv" nachforsche, was an den Berichten dran sei.

Von Anfang an Mängel

Kritik gab's aber auch schon vor Bekanntwerden der Einbrenn-Probleme: Technik-Autor Artem Russakovski ließ sich in seiner Einschätzung des Displays auf Twitter zu einem "shockingly awful" hinreißen. Das vernichtende Urteil begründet er mit dem Blaustich und den blassen Farben, vor allem im direkten Vergleich zum kleineren Pixel 2. Beides ist auch beim Redaktionsgerät von n-tv.de sichtbar, war im Test aber nicht störend aufgefallen. Zur blassen Farbdarstellung gibt Google zudem an, beim Pixel 2 XL bewusst eine neutralere Einstellung gewählt zu haben.

Andere Seiten wie "Arstechnica" bemängeln, dass der Bildschirm einfarbige Flächen nicht als solche darstelle, sondern mit einer gewissen Körnung, einem willkürlichen Helligkeitsverlauf oder einer ungleichmäßigen Tönung. "CNet" betont, dass dieser Effekt zwar kaum sichtbar, beim Pixel 2 XL aber stärker ausgeprägt sei als beim LG V30 mit seinem quasi baugleichen Display. Auffällig ist auch ein Nachzieh-Effekt beim Scrollen durch Text, bei dem vor allem größere Schrift einen leichten Schatten bekommt, wenn man zügig scrollt.

Einbrennen ist ernstes Problem

Wie "schlimm" diese Probleme sind, darauf gibt es keine objektive Antwort. Durchschnittsnutzer bemerken sie womöglich nicht einmal oder stören sich nicht weiter daran. Experten diskutieren auf Seiten wie "The Verge", "Androidcentral", im "XDA Developers"-Forum oder bei "Reddit", aber auch hier ist man sich nicht einig. Für Vlad Savov von "The Verge" zum Beispiel ist das Display ein "unentschuldbares Disaster", sein Kollege Dieter Bohn fällt ein milderes Urteil, ihn stören die Schwächen des Displays nicht.

Doch je mehr Beschwerden eintrudeln, desto mehr kehren sich auch die wohlwollenden Meinungen zum Pixel-2-XL-Display ins Gegenteil. Denn während sich zum Beispiel die Sättigung per Software-Update nachregeln lässt - Google erwägt, weitere Optionen zur Dynamikanpassung per Update nachzuliefern - gibt es für den Blaustich oder die Einbrenn-Effekte keine Software-Lösung. Das sind Hardware-Probleme, die sich nur durch einen Austausch der Displays beheben lassen - und die gegen den Kauf des 940 Euro teuren Super-Phones sprechen.

Quelle: n-tv.de, jwa

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