Technik

SciFi der nächsten Generation Returnal - leider geil, leider nur für die PS5

Verschollen auf einem fremden Planeten und gefangen in einer Dauerschleife darf in Returnal gerätselt und geballert werden. Der geniale SciFi-Mix schweißt die Leistung und technischen Vorteile der PS5 zu einem neuen Spielerlebnis zusammen. Es gibt eigentlich nur einen Nachteil.

Returnal fackelt nicht lange. Gleich in der ersten Szene kracht's gewaltig und in einer Absturzsequenz der Astra-Scout-Astronautin Selene auf dem Planeten Atropos liefert der PS5-Exklusivtitel ein Feuerwerk der neuen Konsolenmöglichkeiten ab. Der haptische PS5-Controller vibriert so punktuell und detailliert, man spürt im Regen auf Atropos quasi jeden einzelnen Tropfen. Dazu dröhnt das 3D-Audio bei effektvoller Grafik. Das Science-Fiction-Werk von den Entwicklern Housemarque überzeugt nicht nur mit den NextGen-Features, sondern auch mit anspruchsvollem Gameplay und einer atmosphärischen Story.

Und die beginnt, wie schon erwähnt, mit dem Absturz von Selene auf Atropos, wo sie einem mysteriösen Notsignal nachgehen wollte. Gleich nach der Bruchlandung entdeckt sie eine Leiche - und zwar ihre eigene. Selene ist in einer Zeitschleife auf dem Planeten gefangen. Auf sich allein gestellt, sucht sie nach einem Ausweg und kämpft dabei um ihr Überleben - und scheitert dabei wieder und wieder. Mit jedem Tod ist sie gezwungen, ihre Reise unmittelbar nach dem Absturz neu zu starten. Der Planet Atropos besteht aus sechs Biomen - also Lebensgemeinschaften aus Flora, Fauna und Zivilisation, die Selene nicht gerade freundlich gegenübertreten. Mit verschiedenen Feuerwaffen ausgestattet kämpft sie sich durch Dschungel, Wüsten oder Höhlensysteme und sammelt dabei Bruchstücke ihrer Erinnerung aus vorangegangen Anläufen, denen der Spieler Schritt für Schritt auf die Spur kommt.

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Kreaturen wie aus einem Lovecraft-Roman.

(Foto: Sony)

Die visuelle Gestaltung der Biome wirkt wie ein Traumbild aus den bekanntesten Science-Fiction-Filmen wie die "Alien"-Reihe, "Stargate" oder James Camerons Tiefseeabenteuer "The Abyss". Für die aggressive Fauna im Spiel haben sich die Entwickler auch tatsächlich von der Tiefsee und ihren Bewohnern inspirieren lassen. Tentakelbesetzte Kreaturen, Roboter und viele weitere alptraumhafte Kreaturen schießen nur so mit lumineszierenden Energiekugeln um sich.

Returnal sieht nicht nur gut aus, sondern lässt sich auch flüssig und toll ausbalanciert spielen. Während Selene in ihrer Endlosschleife immer wieder von vorne beginnt, schaffen es die Entwickler, dass keine Langeweile aufkommt. Denn der Levelaufbau verändert sich nach jedem Tod. Einige Areale wirken zwar offen, sind aber wie einzelne Kammern aneinandergereiht. Die kommen dem Spieler zwar bekannt vor, aber Gegner- und Bonistrukturen sowie die Aufeinanderfolge der Kammern variieren. So wird jeder Anlauf ganz individuell und der Spieler weiß nie so recht, was ihn erwartet.

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Der Spieler blickt Selene stets über die Schulter - aus der Ich-Perspektive wäre es auch schwer, die Übersicht zu behalten.

(Foto: Sony)

Selene setzt vor allem auf Speed. Ihre Sprintfähigkeit erlaubt ihr, sich durch Areale zu bewegen, ohne dabei mit Gegnern kämpfen zu müssen. Manche Levelabschnittte müssen allerdings erst gesäubert werden, bevor die Verbindungstore ihre Pforten öffnen. Dazu kann die Scout-Astronautin mit einer Dash-Funktion einen kurzen Moment waagerecht durch die Luft schießen, in dem sie unverwundbar ist. Perfekt zum Ausweichen von Angriffen oder Überbrücken von Klippen und Abgründen.

Das Kampfsystem ist für einen Shooter in der Third-Person-Perspektive äußerst gelungen und profitiert von den NextGen-Fähigkeiten des Controllers. Klar, mit Suchprojektilen oder großen Trefferradius wird ordentlich Hilfestellung geboten, doch die Gegnerhorden lassen sich anders kaum bewältigen. Und: Es ist ja schließlich Science Fiction. Da darf schon mal die ein oder andere futuristische Waffenfunktion dabei sein.

Willkommen in der Bullet Hell

Je nach Kill-Serie leveln die Waffen, bei denen von Pistolen über diverse Alien-Gewehre alles dabei ist, zusätzliche Fähigkeiten beziehungsweise einen alternativen Feuermodus mit deutlich mehr Power frei. Steuern lässt sich das über die adaptiven Trigger des Controllers: Für normales Feuern drückt der Spieler L2 nur leicht bis ein kleiner Widerstand spürbar ist, Drücken bis zum Anschlag lädt die Waffe für die Spezialschüsse auf.

Es gibt keine Munitionsvorräte, die Waffen laden mit der Zeit wieder auf. Daher bestehen die Gefechte aus einem Mix aus gutem Aiming, Munitionsdosierung und geschicktem Nachladen. Damit die Waffe nicht überhitzt, muss der Spieler im richtigen Moment nachladen, sonst blockiert die Waffe, was vom PS5-Controller mit geschickten Vibrationen unterstützt wird.

Insgesamt kann es im stetigen Kugelhagel, der im Videospielbereich gerne auch als Bullet Hell bezeichnet wird, schnell unübersichtlich werden. Doch je mehr Spielzeit man investiert, desto besser pendeln sich Orientierung und Gunplay ein. Und sollten die Gegner mal zu nah kommen, verfügt Selene noch über eine atropische Klinge, die äußerst effektiv ist.

Skilllastiger Augenschmaus

Auf dem Weg zu den sehr kniffligen Endbossen sammelt Selene ordentlich Ressourcen, um Waffen und Ausrüstung zu verbessern. Die wichtigste Upgrade-Ressource Obolit ist allerdings nach dem Tod verloren. Nur wenige Ressourcen bleiben dauerhaft, mit ihnen muss man auch wichtige Upgrades am Anzug von Selene durchführen, um bestimmte Fähigkeiten zu erhalten, widerstandsfähiger oder durchschlagskräftiger zu werden. Dazu kann sich Selene noch kleine außerirdische Parasiten an den Anzug heften, die sowohl einen Vor- als auch Nachteil bringen. Der Spieler muss hier Nutzen und Kosten miteinander abwägen - immer abhängig vom Biom und seinem eigenen Spielstil.

Grafisch ist Returnal das versprochene dicke Upgrade zur PS4. Trotz den eher düsteren und dystopischen Landschaften ist der Detailreichtum und die 4K-Grafik bei 60 Frames pro Sekunde (fps) überzeugend und liefert selbst in hektischen mit Gegnern überladenen Sequenzen ein herausragend scharfes Bild. Die Entwickler haben geschickt an vielen Ecken Raytracing-Effekte eingebaut, die vor allem in ruhigen Passagen des Spiels für noch mehr Atmosphäre sorgen.

Insgesamt ist Returnal ist noch ein bisschen gnadenloser als viele Soulslike-Spiele, wie beispielsweise Dark Souls oder Sekiro, in denen der Tod den Spieler an einen bestimmten Speicherpunkt zurückwirft. Es gibt eigentlich nur den immer gleichen Startpunkt. Aber je weiter der Spieler in der Story vorankommt, desto kürzer werden die Wege in den bereits absolvierten Biomen. Einen einmaligen Zwischenspeicherpunkt gibt es zwar, den muss der Spieler aber mit Ressourcen freilegen.

Zwischen Frust und Sucht

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Gerade weil das Spiel stellenweise sehr herausfordernd sein kann, ist das Frustpotenzial groß. Wer den Frust über den Tod in Serie nicht an sich ran lässt, wird das eher als Ansporn empfinden und das geforderte Skilllevel auch nicht als Kritikpunkt sehen.

Negativ am Spiel ist eigentlich nur die tatsächliche Verfügbarkeit. Was wäre Returnal nur für ein geniales Spiel, wenn denn auch tatsächlich jeder in der Lage wäre, es zu spielen?! Leider werden Zocker wohl auch über die nächsten Monate nur in Schüben und dann auch nur mit Glück an eine der begehrten PS5-Konsolen kommen. Eine PS4-Version des Spiels wäre auch nur halb so gut. Die weniger feine Haptik des Controllers, das Grafik-Downgrade, lange Ladezeiten - denn auf der PS5 gibt es keine - und eine Konsole, deren Lüfter bei den Ansprüchen des Spiels lauter kreischt, als die tollen Audioeffekte dröhnen, würden das SciFi-Erlebnis deutlich schmälern.

Dem Halbleitermangel der gesamten Techindustrie geschuldet, könnte sich der Konsolenmangel noch weit über Weihnachten hinziehen, wie Experte Fabian Rohr im ntv-Podcast "Wieder was gelernt" erklärt. Allerdings glaubt der Betreiber des PS5-Bots auf Twitter auch, dass im Mai ein größeres Kontingent an Konsolen in den Verkauf geht. Das würde perfekt zum Start von Returnal passen.

Returnal ist die beste Werbung für die Playstation 5. Alle neuen Features setzt das Spiel so um, wie von Sony bei Konsolenrelease versprochen. Neben dem NextGen-Feeling ist der Roguelike-Shooter in sich ein toll ausbalanciert Spiel mit packender Story, anspruchsvollen Gameplay und toller Optik. Die 80 Euro sind zwar knackig, aber das Spiel liefert Dutzende Stunden Spielspaß - oder Spielfrust, sollte es mal nicht so klappen wie gewünscht. Im April bereits das Spiel des Jahres zu küren wäre natürlich verfrüht, aber zu den Kandidaten wird Returnal ganz sicher gehören.

Quelle: ntv.de

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