Mächtiger Saug- und WischroboterSo gut ist der Dyson Spot+Scrub AI
Von Klaus Wedekind.webp)
Der Dyson Spot+Scrub AI ist ein Saug- und Wischroboter, der mit KI-Unterstützung nicht nur gründlich, sondern auch gezielt Böden reinigen soll. Im Praxistest beeindruckt er mit einer kräftigen Saugleistung, einer gründlichen Fleckenentfernung und großer Selbstständigkeit, lässt aber auch einige Chancen liegen.
Während Konkurrenten wie Roborock, Dreame oder Eufy schon länger Saug- und Wischroboter im Angebot haben, hatte Dyson in jüngster Zeit erstaunlicherweise den Anschluss an die Entwicklung verloren und nur reine Sauger im Rennen. Der Spot+Scrub AI soll jetzt verlorenen Boden gutmachen, ntv.de hat ihn ausprobiert.
Für manche Möbel zu hoch
Während Dyson-Geräte oft durch ein schlankes Design glänzen, ist der Saug- und Wischroboter mit 37,0 x 37,3 x 11,0 Zentimeter und 6,6 Kilo eine vergleichsweise mächtige und schwere Erscheinung. Auch seine Lade- und Wartungsstation ist mit 45,4 x 50,8 cm eher groß ausgefallen.
Das bedeutet einerseits, dass es nicht allzu leicht ist, ein Plätzchen für den Roboter zu finden. Problematischer für einige Haushalte ist aber speziell, dass er unter zahlreichen Möbeln nicht reinigen kann, weil er zu hoch ist. Bevor man sich überlegt, ihn anzuschaffen, sollte man also erst mal mit dem Maßband durch die Wohnung gehen.
Sichtbare Ergebnisse, schnell betriebsbereit
Bei der Basisstation teilen sich die Geschmäcker. Zwar zeigt sie bei ihrem transparenten Staubbehälter mit blauem Deckel und roten Akzenten im Gegensatz zum eher langweilig aussehenden Roboter das typische Dyson-Design. Sie präsentiert aber auch wie in einer Vitrine den zuletzt aufgesaugten Dreck.
Der Schmutzwasserbehälter dagegen ist wie der Rest der Station schwarz. Um ihn vom Frischwassertank zu unterscheiden, hat er einen Ring in Dyson-Lila auf dem Deckel, während den anderen Behälter ein mit der gleichen Farbe gefüllter Kreis ziert.
Die erste Inbetriebnahme ist, wie bei Dyson üblich, einfach und im Nu erledigt. Eine Schnellanleitung hilft, die wenigen Komponenten zusammenzufügen und den Roboter vorzubereiten, dann übernimmt die übersichtliche Dyson-App die Führung. In ihr oder auf der Website des Herstellers findet man auch eine ausführliche und sehr verständliche Anleitung.
Ein gedrucktes Handbuch findet man in der Verpackung ebenso wenig, wie eine Flasche mit Reinigungsmittel für die Wischfunktion, was angesichts eines aktuellen Preises von 1000 Euro ärgerlich ist. Hat man keines im Haushalt, darf man erst mal einkaufen, bevor man den Roboter auf Wisch-Mission schicken kann.
Kartierung etwas zu flott
Erstaunlich ist, wie schnell der Dyson Spot+Scrub AI Räume kartiert, wobei er sich mit einer HD-Kamera und einem Laser-Entfernungssensor (dToF-LiDAR) orientiert. Selbst für große und komplizierte Zimmer benötigte er im Test weniger als 15 Minuten. Er ging dabei aber auch in einem Fall zu hastig zu Werke, wodurch ein etwa Fußball-großer Bereich nicht erfasst und bei zwei Durchgängen auch nicht gereinigt wurde. Erst nach einer erneuten Vermessung war alles sauber. Ein Softwareupdate sollte dieses Problem beseitigen können.
Laut Dyson nimmt die Kamera ausschließlich Bilder zum Zweck der KI-Objekterkennung auf. Menschen oder Gesichter werden nicht aufgezeichnet. Grundrisse und andere Informationen würden zwar an Cloud-Server übermittelt, aber verschlüsselt gespeichert.
Manchmal orientierungslos
Ein Update sollte auch die Suche nach der Basisstation verbessern können, wenn man den Roboter über eine hohe Schwelle oder eine Treppe in einen anderen Raum getragen hatte - nur ein bis zwei Zentimeter niedrige Hindernisse überwältigt er selbstständig. Vor allem, wenn Stühle und andere Gegenstände wieder zurückgestellt wurden, die man für die Reinigung entfernt hatte, dauerte es teilweise mehrere Minuten, bis der Roboter "wusste", wo er war.
Meistens zuverlässig funktioniert dagegen seine Hinderniserkennung. Im Test verhedderte er sich fast nie in einem Kabel oder wich rechtzeitig vor auf den Boden hängende Blätter einer Drachenpalme zurück. Lediglich einmal zog er einen Schuhsack, der sich unter einem Stuhl versteckt hatte, an dessen dunkelgrauer Kordel durchs Schlafzimmer.
Gute Hindernis- und Bodenerkennung
Ebenso gut passte er sich bei der Reinigung an Gegenstände an, die sich an anderer Stelle als bei der Kartierung befanden oder vorher überhaupt nicht im Raum waren. Im Test umkurvte er beispielsweise eine auf dem Boden platzierte hohe und schlanke Vase, ohne sie auch nur zart zu berühren. Umso erstaunlicher sind seine gelegentlichen Probleme, zurück ins Körbchen zu finden, sogar wenn sich die Basisstation in unmittelbarer Nähe und Sichtweite befand.
Worüber er fährt, erkennt der Spot+Scrub AI zuverlässig und die App schlägt entsprechend nur auf Glattböden vor, zu saugen und zu wischen. Die Intensität wurde im Test größtenteils der Automatik überlassen, wie es im Alltag auch am praktischsten ist.
Starker Sauger mit haariger Schwäche
Beim Saugen mit bis zu 18.000 Pascal Unterdruck überzeugte der Roboter auf Glattböden. Weder grober Schmutz wie ausgestreute Steinchen oder Linsen noch feiner Sand blieben liegen. Die seitlich sitzenden Bürsten fegen Schmutz meist auch an Scheuerleisten zur rotierenden Bürstwalze. Prima ist, dass der Roboter bei Steinchen et cetera die Rotation reduziert, damit der Dreck von den Bürsten nicht weggeschleudert wird.
Ein Pluspunkt ist auch, dass der Roboter den Verschmutzungsgrad ermittelt und die Saugleistung entsprechend anpasst. Es schien im Test manchmal auch so zu sein, dass er sich besonders dreckige Stellen aufspart und sie sich am Ende der Tour gesondert vornimmt.
Auf kurzflorigem Teppich zeigte der Dyson Spot+Scrub AI ebenfalls eine gute Leistung. Nur um feinen Sand aus den Fasern zu saugen, musste die Kraft manuell auf "Boost" gestellt werden. Sogar die ausgelegten Haare beseitigte er bereits im Automatikmodus. Allerdings landeten davon nur die kurzen im Staubbehälter.
Die langen Haare wickelten sich seitlich um die Achse der Walze. Zwar ist so ein Problem leicht zu beheben, da sich alle Verschleißteile einfach lösen und auseinandernehmen lassen. Mit dem V16 Piston Animal hat Dyson aber mit konischen Walzen gezeigt, wie man Verwicklungen vermeiden kann.
Beim Wischen oft besser als andere
Die Wischfunktion des Dyson Spot+Scrub AI erwies sich im Test als überdurchschnittlich effektiv. Auch hier leistet die Automatik gewöhnlich saubere Arbeit. Der Roboter identifizierte auf Holz- und PVC-Böden im Test zuverlässig Problemzonen mit hartnäckigem Schmutz und wischte bei Bedarf mehrmals darüber. Laut Dyson erkennt die KI verschiedene Arten von Flecken anhand einer Datenbank mit nahezu zehn Millionen Bildern und fährt bis zu 15 Mal über die gleiche Stelle.
Unter anderem schaffte er es sogar, eine über Nacht eingetrocknete Senf-Ketchup-Mischung nahezu vollständig zu entfernen. Wie unfair die Aufgabe war, zeigte sich bei der manuellen Nachbearbeitung, die viel Krafteinsatz beim Schrubben erforderte. Ausgezeichnet klappte auch die Kombination von Saugen und Wischen, beispielsweise um den Boden im Flur von der grauen, mit Streugut durchsetzten Pampe zu reinigen, die Schuhe nach einem Marsch durch die Berliner Eiswüste zurückließen.
Randzonen sind ebenfalls kein größeres Problem, da die Nasswalze dort seitlich vier Zentimeter ausfahren kann. In Ecken ist allerdings auch diese Technik überfordert.
Bei Bedarf kann man den Spot+Scrub AI Bereiche gezielt reinigen lassen, die Anzahl der Wischvorgänge festlegen oder bestimmen, ob erst gewischt und dann gesaugt oder beides gleichzeitig erfolgen soll. Ebenso lassen sich Zeitpläne erstellen. Die App macht das weitgehend unkompliziert, das Handbuch muss man dafür nicht studieren.
Prima Selbstreinigung
Richtig gut gelungen ist Dyson die Selbstreinigung des Roboters in der Basisstation. Staub und Schmutzwasser werden dort zuverlässig abgesaugt, Frischwasser nachgetankt. Die Nassbürste wird hygienisch mit 60 Grad heißem Wasser gewaschen und dann bei 45 Grad getrocknet. Im Test sah sie nach jedem Reinigungsvorgang wieder fast wie neu aus. Das liegt auch daran, dass in Aktion grober Dreck permanent abgestreift wird.
Die Filter der Basisstation sollen Staub bis zu einer Größe von 0,1 Mikrometer abfangen. Auch das Entleeren des Staubbehälters ist eine weitgehend saubere Sache: Man nimmt ihn aus der Station, hält ihn in einen Mülleimer und öffnet über den roten Hebel im Griff die untere Klappe.
Recht laut, gute Ausdauer
Leise ist der Spot+Scrub AI grundsätzlich nicht, wenn er gefordert wird, kann er sogar ziemlich laut werden. Möchte man seine Ruhe haben, kann man bei leichten Verschmutzungen zwar einen Leise-Modus nutzen. Nachttauglich ist der Roboter aber auf keinen Fall - jedenfalls, wenn man schlafen möchte.
Die Reichweite des Spot+Scrub AI mit einer Akku-Ladung ist nicht überragend, aber gut. Laut Dyson beträgt die Laufzeit bis zu 140 Minuten. Dem Praxistest nach schafft er auf Hartböden bei geringer Verschmutzung im Saug-Wisch-Modus rund 80 Quadratmeter, ohne zwischendurch die Station anfahren zu müssen. Auf Teppichböden kann man 60 Quadratmeter erwarten.
Fazit
Der Dyson Spot+Scrub AI ist insgesamt ein guter Roboter. Er überzeugt vor allem mit seiner intelligenten Schmutzerkennung und einer gründlichen Selbstwartung. Beim Staubsaugen und Wischen lässt er kaum etwas liegen oder kleben, unerwartete Hindernisse umgeht er gewöhnlich gekonnt. Allerdings lässt der Dyson Spot+Scrub AI günstigere Konkurrenten nicht unbedingt alt aussehen, und er benötigt dringend ein Update für eine bessere Orientierung.
