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Spuren vermeiden und verwischen So surft man möglichst anonym im Internet

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Im Internet kann man sehr einsam, aber kaum anonym unterwegs sein.

(Foto: imago/Ralph Peters)

Wer im Internet unterwegs ist, wird nahezu ununterbrochen beobachtet und verfolgt. Wirklich anonym zu surfen ist praktisch unmöglich, für den Alltag aber auch nicht unbedingt nötig. ntv.de erklärt, wie man möglichst wenig Spuren hinterlässt und vorhandene verwischt.

Daten, die Nutzer beim Surfen im Internet freiwillig oder unfreiwillig preisgeben, sind für Werbetreibende Gold wert. Mit ihnen können sie beispielsweise passgenaue Anzeigen im richtigen Moment einblenden oder sogar umfangreiche Nutzerprofile anlegen.

Tor-Browser konsequent, aber mühsam

Einige Unternehmen wie beispielsweise Google schürfen das "digitale Gold", indem sie ganz offen Dienste gegen Daten anbieten. Andere sammeln Informationen heimlich über Cookies, Tracker und andere Werkzeuge, die auf zahlreichen Webseiten oft zu Dutzenden lauern. Zusätzlich tauschen viele Schnüffler ihre Daten-Beute untereinander aus.

Vollständige Anonymität ist im Netz nur schwer zu erreichen und für Otto Normalnutzer kaum praktikabel. Dafür müsste man unter anderem ausschließlich den Tor-Browser verwenden, was mit einem gewissen Komfortverlust bezahlt wird. Unter anderem ist man deutlich langsamer unterwegs und etliche Webseiten funktionieren nicht korrekt.

Solange man keine staatliche Verfolgung befürchten muss, ist dies aber nicht unbedingt nötig. Es ist gar nicht so schwer, mit ein paar Werkzeugen und Einstellungen der alltäglichen Schnüffelei einen Riegel vorzuschieben und seine Daten-Spuren zu verwischen.

Bei Google & Co. abmelden

Wenn man bei Google, Facebook oder Amazon angemeldet ist, braucht man gar nicht weiter über mehr Anonymität nachzudenken. Deshalb sollte man sich vor dem Surfen aus allen Konten abmelden. Kann man nicht darauf verzichten, sollte man wenigstens getrennte Fenster verwenden.

Ein Browser-Wechsel muss nicht unbedingt sein. Die Open-Source-Software Mozilla Firefox bietet zwar mehr Privatsphäre-Möglichkeiten. Marktführer Google Chrome gilt aber als besonders sicher, und die Sicherheit vor Hackern sollte man über den Datenschutz nicht vergessen. Meldet man sich bei Google ab, kann man Chrome ruhig weiternutzen.

Wie die Verfolger arbeiten

Die wichtigste Information, die gesammelt wird, ist die IP-Adresse (Internet Protocol-Adresse), die benötigt wird, um Datenpakete zuzustellen. Man erhält sie vom Internet-Provider. Über sie können Geräte, aber letztendlich auch Nutzer identifiziert werden können. Webseiten-Betreiber speichern die IP-Adresse, aber sie wird auch an Dritte weitergegeben, die auf der besuchten Seite Werbung platzieren.

Nutzer werden außerdem über Cookies verfolgt, die vorübergehend oder dauerhaft Informationen einer besuchten Webseite auf einem Gerät speichern. Drittanbieter-Cookies lassen Werbetreibende Nutzer wiedererkennen, Tracking-Cookies verfolgen sie sogar über viele Webseiten, oft über einen längeren Zeitpunkt hinweg.

Ein weiteres Mittel sind Tracking-Pixel. Dabei handelt es sich um winzige Grafiken, die nicht größer als ein Display-Pixel und daher praktisch unsichtbar sind. Trotzdem sind sie in der Lage, umfangreiche Informationen an Server zu übermitteln. Dazu gehören Webseiten-Aktivitäten und Daten, beispielsweise, welche Produkten gekauft werden.

Fingerprinting nutzt aus, dass Websites für die optimale Darstellung Informationen zum eingesetzten Browser benötigen. Dazu gehören neben der genutzten Software die Zeitzone, die eingestellte Sprache und installierte Erweiterungen. Obendrein erfassen Pixel Informationen zur Hardware wie Displayauflösung, Grafikkarte oder Treiber. Zusammen ergeben diese Daten einen "Fingerabdruck", der einem spezifischen Nutzer zugeordnet werden kann. Er wird also auch ohne IP-Adresse erkannt.

Was der Browser alles verrät, kann man auf Cover Your Tracks der Electronic Frontier Foundation testen.

Umleitung über VPN-Dienst oder Proxyserver

Um die IP-Adresse zu verschleiern, setzt man am einfachsten einen VPN-Dienst ein. Wenn man ihn nutzt, wird der Internetverkehr verschlüsselt über die Server des Anbieters umgeleitet und erhält dabei eine andere Adresse. Außerdem erschwert man damit das Fingerprinting und andere Tracking-Methoden.

Es gibt kostenlose VPN-Angebote, die aber gewöhnlich ein limitiertes Datenvolumen haben und/oder die Geschwindigkeit stark drosseln. Gute kostenpflichtige Dienste bremsen die Internetverbindung kaum aus und bieten weitere Funktionen.

Letztendlich muss man dem VPN-Anbieter vertrauen, denn er könnte theoretisch das gesamte Nutzerverhalten verfolgen und so Geld machen. Bei der Auswahl eines Dienstes kann ein Vergleich der Stiftung Warentest helfen. Testsieger wurde der populäre Dienst von NordVPN, gefolgt von Surfshark und Windscribe.

Die IP-Adresse wird auch ausgetauscht, wenn der Datenverkehr über einen Proxyserver geleitet wird. Dazu muss man keinen Dienst suchen oder abonnieren, die Suchmaschine Startpage hat den Service bereits integriert. Um ihn zu nutzen, muss man lediglich auf das Maskensymbol links neben einem Suchergebnis tippen. Nutzt man den Tor-Browser, sehen Schnüffler ebenfalls eine für sie nutzlose IP-Adresse.

Suchmaschine wechseln, Einstellungen ändern

Selbst wenn man nicht bei Google angemeldet ist, gibt man dem Unternehmen wertvolle Daten, wenn man seine Suchmaschine verwendet. Um weniger Spuren zu hinterlassen, nutzt man am besten eine Alternative wie Startpage, DuckDuckGo, Qwant oder Brave.

In den Datenschutz-Einstellungen des Browsers sollte man Drittanbieter-Cookies verbieten. Für vertrauenswürdige Seiten, die sie benötigen, kann man Ausnahmen definieren. Ratsam ist auch Cookies und Website-Daten regelmäßig selbst zu löschen oder nach jeder beendeten Sitzung beziehungsweise einem bestimmten Zeitraum automatisch entfernen zu lassen.

Nicht umhin kommt man, das Pop-up-Fenster ernstzunehmen, das beim ersten Aufruf einer Website nervt. Hier sollte man nur die unbedingt notwendigen Einstellungen akzeptieren. Das ist nicht leicht, man muss schon genau hinsehen. Oft sieht es aus, als sei schon alles abgestellt und man müsse die Einstellungen nur noch übernehmen. Davor gilt es aber noch nach dem "berechtigten Interesse" zu suchen, wo oft die eigentlich kritischen Einstellungen sind. Hier lehnt man grundsätzlich alles ab.

Schützende Erweiterungen installieren

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In den Einstellungen kann man auch festlegen, dass der Browser Websites eine "Do Not Track"-Anforderung übermittelt. Das heißt, der Anbieter weiß, dass der Nutzer nicht verfolgt werden möchte. Tut er dies trotzdem, hat das für ihn aber keine Konsequenzen.

Wirksamer sind Browser-Erweiterungen, die sich auf den Schutz der Privatsphäre spezialisiert haben. Angeboten werden sie beispielsweise von Startpage, DuckDuckGo oder Ghostery. Mozilla Firefox bietet bereits in den Grundeinstellungen einen Schutz vor Fingerprinting.

Quelle: ntv.de

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