Technik

Kurzweiliger Arcade-Prügler Streets of Rage 4 verteilt fette Retro-Schellen

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Prügeln bis der Arzt kommt. In "Streets of Rage 4" gibt's auf die Mütze.

Die in Arcade-Hallen groß gewordene "Streets of Rage"-Reihe findet ihren Weg auf zeitgemäße Spieleplattformen. Der neuste Teil des Prügelklassikers zieht dank gelungener Umsetzung neben Retro-Zockern auch jüngere Generationen in seinen Bann.

Weite, frei zu erkundende Landschaften, eine tiefgreifende Story und vielschichtige Charaktere - "Streets of Rage 4" von Entwickler Dotemu hat das alles nicht zu bieten. Und dennoch überzeugt der Retro-Brawler, weil er sich auf das Wesentliche konzentriert und mit seinem Gameplay, Look und Sound zu einer kleinen Zeitreise in die Spielhallen der 90er Jahre entführt.

Der vierte Teil der Prügelserie, die ihren Anfang auf den Sega-Konsolen fand und somit in Deutschland nicht unbedingt einer breiten Masse bekannt ist, setzt storytechnisch beim Vorgänger an. Serienbösewicht Mr. X schickt dieses Mal seinen Nachwuchs ins Rennen - die Y-Zwillinge. Mit hypnotischer Techno-Musik terrorisieren sie die Stadt. Die ehemaligen Polizisten Axel Stone und Blaze Fielding schließen sich mit der gemeinsamen Freundin Cherry Hunter und dem Halb-Androiden Floyd Iraia zusammen, um dem Y-Syndikat Einhalt zu gebieten.

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Ordentlich Dampf dahinter: Spezialattacken räumen in chaotischen Massenbrawl auf.

Die vier zu Beginn wählbaren Charaktere spielen sich minimal unterschiedlich. Axel ist der Allrounder, Blaze besonders athletisch, Cherry äußerst agil und Floyd ist der etwas schwerfällige dafür umso stärkere Kraftprotz. Je nach Level und Gegnertypen kann das Wechseln der Charaktere allerdings von Vorteil sein. Mit Adam Hunter, dem Vater von Cherry, lässt sich zudem noch ein fünfter Spielertyp freischalten, der mit einer sehr effektiven Slide-Funktion noch beweglicher ist als das Starter-Quartett.

Wildes Knöpfedrücken bringt selten Erfolg

Das Gameplay entspricht ganz den klassischen Arcade-Automaten. In einem von links nach rechts scrollenden Level boxt, tritt und kopfnusst sich der Spieler bis zum Endboss durch. Mit verschiedenen Schlagkombinationen, zwei Spezialangriffen und der Sprungtaste sind drei von vier Knöpfen auf dem Controller bereits belegt, der verbliebene Button dient zum Aufheben von Gegenständen.

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Bei den Spezialattacken gibt es zwei Arten: ein unparierbarer Angriff, der Sterne zum Ausführen benötigt. Dieser effektvolle Rundumschlag ist meist nur zwei bis drei Mal pro Level anwendbar. Der zweite besonders starke Angriff kann jederzeit eingesetzt werden, zieht aber Energie vom eigenen Lebensbalken ab. Das Kampfsystem wirkt schlicht, bloßes Button-Mashing bringt allerdings nur selten Erfolg, da es keine Möglichkeit zum Blocken gibt. Man kann zwar ausweichen, doch der Einschlag gegnerischer Attacken ist meist kaum zu vermeiden.

So muss sich der Spieler mit Gegenständen wie Messer, Elektro-Taser oder sogar dem Wischmob bewaffnen, um sich der anstürmenden Gegnermassen zu erwehren. Und je nach Leveltyp variieren auch Schurken und finstere Gestalten: Im Ghetto sind es Straßenschläger, in China-Town Kickboxer und im Museum steht man Neo-Punks mit Giftgas gegenüber. Die Endbosse sind dabei deutlich stärker und haben spezielle Angriffsmuster, die es zu durchschauen gilt. Zwischengespeichert wird nur nach abgeschlossenen Leveln. Das birgt auch ein kleines Frustpotenzial. Wer beim Endboss die Hucke voll kriegt und alle Leben verliert, muss das Level wieder von vorne starten.

Nostalgiereise in die 90er

So richtig spaßig wird's aber erst im Multiplayer. Offline können bis zu vier Spieler gleichzeitig im Verbund prügeln, was das Zeug hält. Online geht's dann im Duo-Modus zur Sache.

Das ganze Spiel ist in einem comic-artigen Look gehalten, der mit einem sensationellen Soundtrack echtes Retro-Feeling aufkommen lässt. Dazu lassen sich noch pixelige Charaktere aus den Vorgängerteilen freispielen und auch die Musik der ersten drei Teile ist wählbar.

Ganz ohne die Nostalgiebrille wirkt der vierte Teil der Prügelserie vielleicht etwas aus der Zeit gefallen. Aber die Macher setzen bewusst auf retro. Wer sich auf die kniffligen Level einlässt, wird drei bis vier Stunden sehr gut unterhalten. Das werden selbst Zocker feststellen, die in jungen Jahren nicht ihr ganzes Taschengeld in Arcade-Hallen augegeben haben. "Streets of Rage 4" ist der Beweis, dass es keine innovative Idee braucht, um ein gutes Spiel herauszubringen - eine retromäßige Erziehungsschelle für die großen Gamesentwickler, die bei Forsetzungen ja oft danebenliegen.

Quelle: ntv.de