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Sauber in den Abgrund? Tumblr stürzt nach Porno-Verbot ab

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Tumbler kommt nach seinem Imagewechsel ins Taumeln.

(Foto: REUTERS)

Nachdem Tumblr pornografische Inhalte verbietet, geht es mit den Nutzerzahlen steil bergab. Der Einbruch ist so groß, dass die Blogging-Plattform möglicherweise sogar in ihrer Existenz bedroht ist.

Im vergangenen Dezember entschloss sich Tumblr zu einem drastischen Schritt und verbot pornografische Inhalte und Darstellung von Nacktheit. Kurz zuvor hatte Apple die App der Blogging-Plattform aus seinem Store verbannt, weil bei einer Überprüfung Darstellungen von Kindesmissbrauch entdeckt wurden. In der Stellungnahme vom 16. November war von einem kompletten Pornografie- und Nackheitsverbot noch keine Rede. Es hieß lediglich, man verfolge bei Missbrauch und sexueller Ausbeutung von Kindern eine Null-Toleranz-Politik. Das war aber offenbar nicht genug. Denn am 3. Dezember zog Tumblr die Reißleine und verkündete, ab sofort keine Erwachseneninhalte mehr zu erlauben, inklusive expliziter sexueller Inhalte und Nacktheit. Neun Tage später war Tumblr wieder im App Store.

Ob der Dienst sich auf Druck von Apple zu diesem Schritt gezwungen sah oder dies nur der Tropfen war, der das Fass zum Überlaufen brachte, ist nicht klar. Kenner der Szene waren aber sehr skeptisch, ob Tumblr mit seinem neuen Sauber-Image erfolgreich sein kann. Denn ein Erfolgsgeheimnis der Plattform war eben, dass es im Gegensatz zu anderen Anbietern keine größeren Probleme mit nackten Tatsachen hatte und die Grenzen zur Pornografie dort eher fließend waren. Unter anderem war Tumblr deshalb auch bei Künstlern und der LGBT-Gemeinde beliebt.

Aber jetzt steht in den Tumblr-Richtlinien, "Fotos, Videos oder GIFs, die echte menschliche Genitalien oder Frauen, die ihre Brustwarzen präsentieren, zeigen" seien verboten. Das Gleiche gilt für die Darstellung sexueller Akte. Ausnahmen sind Brustwarzen von stillenden Müttern oder von Frauen während oder nach einer Geburt. Erlaubt sind nackte Tatsachen außerdem, wenn sie mit Gesundheit oder Kunst zu tun haben.

Solche Formulierungen passen nicht zu Tumblr und die Folgen bekommt die Plattform jetzt heftig zu spüren. Laut "The Next Web" verlor der Dienst innerhalb eines Monats 116 Millionen Seitenabrufe. Das entspricht einem Rückgang um satte 17 Prozent. Der Web-Analysefirma SimilarWeb ging Tumblr zeitgleich mit dem Porno-Bann in den Sturzflug über. Für den Dienst ist das wahrscheinlich noch nicht existenzbedrohend. Aber wenn es mit den Zahlen weiter steil nach unten geht, wird bei Tumblr die Luft wahrscheinlich schon bald knapp werden.

Quelle: n-tv.de, kwe

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