Technik

In ein neues Zeitalter gesurft Vor 30 Jahren startete das World Wide Web

WWW.jpg

Mehr als 4 Milliarden Menschen surfen inzwischen durchs World Wide Web.

(Foto: picture alliance / Zoonar)

Vor 30 Jahren lädt der Forscher Tim Berners-Lee per digitaler Nachricht in sein "World Wide Web" ein. Ohne es zu ahnen, löst er damit eine technische Revolution aus, denn aus der zunächst für Wissenschaftler gedachten Nachrichtenbörse wird ein Massenphänomen, das die Welt verändert.

Am 6. August 1991 stellte der Wissenschaftler Tim Berners-Lee sein Konzept für ein "World Wide Web" mit durch Hyperlinks verbundenen Webseiten erstmals einer größeren Fachöffentlichkeit vor. Er veröffentlichte im Debattenforum Usenet einen entsprechenden Vorschlag. 30 Jahre später surfen nach seinem System weltweit mehr als 4 Milliarden Menschen im Internet.

Alt.hypertext nannte sich die Diskussionsgruppe, in der Berners-Lee eine Beschreibung seines Projekts veröffentlichte. Mit den Worten "Probiert es aus" lud er die Mitglieder des Forums in sein World Wide Web ein. Es war kein revolutionäres Ereignis vor großem Publikum, und anfangs tauschten lediglich Computer-Experten aus Forschungseinrichtungen Neuigkeiten über die digitale Nachrichtenbörse aus. Und doch war Berners-Lees Einladung in das WWW an jenem Tag vor 30 Jahren ein wichtiger Schritt bei der Entwicklung des Internets zu einem Kommunikationsmedium, das heute das Leben von Milliarden Menschen prägt.

Mit seiner digitalen Nachricht warb Berners-Lee erstmals öffentlich um Mitstreiter für seine Idee, an der er seit zwei Jahren gearbeitet hatte. Am europäischen Kernforschungszentrum CERN bei Genf suchte der britische Physiker nach Möglichkeiten, das in den 1970er-Jahren von Militärs entwickelte Internet für einen größeren Kreis für die Kommunikation nutzbar zu machen. Erst sein World Wide Web verschmolz die im Internet vernetzten Rechner zu einer Einheit, in der man bequem von Homepage zu Homepage surfen kann - auf der Suche nach Videos oder Freunden in sozialen Netzwerken.

Aufstieg der Browser

Das Problem, das Berners-Lee löste, war der automatische Zugriff auf die im Internet digital gespeicherten Informationen. Wer wusste, welches Dokument er lesen wollte und wo es genau zu finden war, konnte schon vorher einen Rechner im Internet anwählen und Dateien herunterladen - sofern er über die richtigen Programme verfügte. Das aber war höchstens etwas für Computer-Profis.

berners-lee.jpg

Tim Berners-Lee hat die Welt verändert.

(Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Erst Berners-Lees World Wide Web brachte entscheidende Vereinfachungen: Internetfähige Rechner kommunizierten dort in einer gemeinsamen "Sprache", die ihnen automatische Kommunikation und Datenaustausch ermöglichte. Diese Sprache - das Hypertext Transfer Protocol (http) - ist bis heute in Gebrauch. Webbrowser - bis dato unbekannte Werkzeuge - übersetzten Suchbefehle in http-Anfragen, die von Servern im Netz verstanden werden. Der Browser übernahm es auch, die von dort zurückgeschickten Text-, Grafik- und Bilddokumente auf dem heimischen Bildschirm darzustellen. Dieses keine Fachkenntnisse verlangende System revolutionierte das Internet und machte es zu dem Massenmedium, das es heute ist.

Die Geburt des "Surfens"

Die zweite Innovation war der Einbau von sogenannten Hypertext-Links in die Dokumente, die auf Internet-Servern lagen - digitale Querverweise auf weitere Dokumente. Auf diese Weise konnten Nutzer leicht von einem Dokument zu einem anderen weitergeleitet werden. Es genügte, wenn sie per Mausklick den Link auf der ersten Seite anklickten, die der Browser anzeigte, und sie kamen zu einer anderen, die sie vielleicht noch gar nicht kannten. Das "Surfen" war geboren.

"Das Internet gab es schon, aber die Verknüpfung von Dokumenten ist es, die das WWW ausmacht", erklärt Professor Phuoc Tran-Gia, Sprecher des Zentrums für Internet-Forschung an der Universität Würzburg. Noch heute funktioniere das Web nach den Mechanismen, die Berners-Lee entwickelte.

"Einfach, aber machtvoll"

Fast bescheiden klingen demgegenüber die Ambitionen, die Berners-Lee vor 30 Jahren formulierte: "Ein einfaches, aber machtvolles Informationssystem" stelle er sich vor, schrieb der Brite in seiner Einladung vom 6. August 1991. Einige Monate später, im Dezember 1991, ging in den USA der erste Webserver außerhalb Europas ans Netz. Der Siegeszug des WWW begann.

Drei Dekaden nach der Vorstellung des Konzeptes für das World Wide Web wird das Internet allein in Deutschland von rund 61 Millionen Menschen ab 16 Jahren genutzt. Das geht aus einer Statistik hervor, die der Digitalverband Bitkom am Donnerstag veröffentlicht hat. Demnach nutzen in Deutschland 89 Prozent dieser Altersgruppe das Internet.

8 Millionen Deutsche noch offline

Nach Bitkom-Angaben sind inzwischen über 4 Milliarden Menschen global miteinander vernetzt. Die Zahl der Websites sei in den vergangenen 30 Jahren regelrecht explodiert. "Heute gibt es mehr als 1,8 Milliarden Websites - im langfristigen Schnitt werden jedes Jahr etwa 60 Millionen Seiten zusätzlich online gestellt."

Mehr zum Thema

Der überwiegende Teil der Menschheit profitiere von dem weltweiten Pool an Daten, Informationen und Wissen, der sich über Webseiten erschließe, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. "Dennoch ist unsere Gesellschaft weiterhin geteilt in Onliner und Offliner, auch in Deutschland. 8 Millionen Menschen in Deutschland haben bislang keinen Zugang zum Internet gefunden."

Teilhabe an der Digitalisierung müsse für alle Menschen in Deutschland eine Selbstverständlichkeit sein, betonte Rohleder. Der Zugang zum Internet sei dabei nur der erste Schritt. "Die Menschen müssen sich auch sicher und souverän in der digitalen Welt bewegen können. Dazu muss die digitale Teilhabe in der Breite der Gesellschaft engagierter gefördert werden."

Quelle: ntv.de, kwe/AFP/dpa

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.