Technik

Drei Top-Systeme im Vergleich Welche Kamera ist die richtige?

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John Travolta probiert in Cannes die neue Nikon D850 mit riesigem 70-200-Millimeter-Objektiv aus - ein Topmodell für Profis, das vielen Otto-Normal-Fotografen zu groß, zu schwer und zu teuer sein dürfte. Aber die Bildqualität ist Champions League.

(Foto: imago/PA Images)

Die Urlaubszeit naht und da machen sich viele auf die Suche nach einer guten Kamera, um die Facebook-Freunde neidisch zu machen. Was darf es sein? Micro Four Thirds, APS-C oder Vollformat? Wir stellen die drei Top-Systeme vor.

Es ist unglaublich, wie gut manche der kleinen Kameras in den Smartphones mittlerweile sind. Bei gutem Licht sieht das Matterhorn wunderschön aus, die Katze genauso niedlich wie im echten Leben und selbst Tante Helga irgendwie nett. Die kleinen Smartphones sind so praktisch, dass viele darauf verzichten, sich noch eine "richtige" Kamera zu kaufen. Wozu auch? Vielleicht wegen dieser anderen Momente der Enttäuschungen. Abends zum Beispiel, wenn die Bilder nur noch verwackelt und krisselig sind. Wenn die Smartphonelampe die Porträtierten grell anleuchtet. Die Katze schon wieder weg ist, bevor man abdrücken konnte. Oder das Lächeln des Sohnemanns schon wieder vorbei ist. Man schaut sich die Bilder an und denkt sich: Hätte ich doch eine bessere Kamera gehabt …

Betritt der Kunde dann einen Kameraladen, findet er sich in einem Dschungel wieder. Auf der einen Seite hängen die dicken schwarzen Apparate aus dem Hause Nikon und Canon, wie sie die Profis am Fußballfeld oder bei Pressekonferenzen mit der Kanzlerin herumschleppen. Auf der anderen Seite tummeln sich die kleinen Knipsen, wie sie Tante Helga beim Urlaub im Hunsrück um den Hals hängen hat. Dazwischen wächst ein Dickicht verschiedenster Systeme. Kaum ein Herz könnte mehr begehren, aber was ist die richtige Wahl? Bringen wir ein wenig Ordnung ins Chaos.

Drei Systeme im oberen Marktsegment

Fachchinesisch erklärt

Cropfaktor: Wer sich Objektive für das APS-C- oder das MFT-Format ansieht, stellt fest, dass die Brennweiten meist kleiner sind als beim Vollformat oder analogen Kleinbild. (Die Brennweite ist die Zahl, die angibt, wie weit ein Objektiv hinein- oder herausgezoomt ist.) Das hängt mit dem kleineren Sensor zusammen. Der führt dazu, dass die Brennweite an den kleineren Sensoren geringer sein muss, um einen ähnlichen Bildausschnitt wie am Kleinbild zu zeigen. Was an Kleinbild oder Vollformat 50 Millimeter Brennweite sind, sind an APS-C 33 Millimeter und an MFT 25. Der Cropfaktor ist die Zahl, mit der man die APS-C- oder MFT-Brennweite multiplizieren muss, um auf das Kleinbild-Äquivalent zu kommen. Bei APS-C liegt der meist bei 1,5 (nur bei Canon sind es 1,6) und bei MFT genau bei 2. Der Cropfaktor gilt sowohl für Brennweiten als auch für Blendenöffnungen. Ein Beispiel: An einer Vollformat-Kamera stellen wir an einem 50-Millimeter-Objektiv Blende 2,8 ein. Um einen nahezu gleichen Bildausschnitt mit nahezu gleicher Schärfentiefe an einer APS-C-Kamera hinzubekommen, müssen wir dort die Brennweite auf 33 Millimeter einstellen und die Blende auf 1,9 setzen (In der Praxis gibt es allerdings meist nur 1,8). Multipliziert man diese Werte mit 1,5, kommen wir wieder bei den Ausgangswerten heraus. Bei Teleobjektiven wird das zum Vorteil, da sich die Brennweite an APS-C um den Faktor 1,5 verlängert. Ein 200-Millimeter-Objektiv zeigt an APS-C einen Bildausschnitt wie 300 Millimeter an Vollformat, am MFT-Format gar wie 400 Millimeter an Vollformat.

 

Schärfentiefe: Sie bezeichnet den Bereich im Foto, der scharf ist. Man stelle sich vor, der Fotograf blickt zum Horizont. Je nach Kameraeinstellung und Entfernung zum Sujet kann er beeinflussen, welcher Teil dieser Strecke scharf sein soll. Bei Porträts möchte man oft möglichst nur die Person scharf haben und die Teile davor und dahinter verschwommen. Dieser Effekt lenkt den Blick des Betrachters auf die Person oder das Objekt, stellt ihn frei von allem drumherum. Die Schärfentiefe wird aber nicht nur durch die Öffnung der Blende beeinflusst, sondern auch durch die Nähe zum fotografierten Objekt. Je näher ich herangehe, desto geringer wird die Schärfentiefe.

 

Gewichtsvorteil dank Mirrorless: Klassischerweise waren hochwertige Fotoapparate Spiegelreflex-Kameras. Das gilt auch weiterhin, doch die mechanischen Boliden haben harte Konkurrenz von spiegellosen Systemen bekommen. Fuji (APS-C), Sony (APS-C und Vollformat) und Leica (Vollformat) bieten Gehäuse an, die zum Teil mehrere Hundert Gramm leichter sind als die Exemplare mit Spiegel. Sie verfügen meist über einen elektronischen Sucher, der zudem noch zusätzliche Informationen einblenden kann, die beim Fotografieren hilfreich sein können. Damit gibt es Vollformat-Bodys, die kleiner als APS-C-Kameras mit Spiegel sind! Dafür ist der Stromverbrauch höher als bei den mechanischen Exemplaren. Die Objektive wiegen wohlgemerkt ähnlich viel, egal ob Spiegelreflex oder Mirrorless. Insofern relativiert sich der Gewichtsvorteil etwas.

Zunächst mal geht es um die Frage, wie groß der Sensor der Kamera sein soll. Der ist eine der wichtigsten Komponenten der Kamera, da dieser das Foto aufzeichnet. Drei Sensorgrößen bieten sich besonders für Foto-Enthusiasten an: Vollformat, die größte Variante sowie APS-C und Micro Four Thirds (MFT), die jeweils deutlich kleiner sind. Grundsätzlich gilt die Faustregel: Je größer, desto besser. Doch da fängt die Diskussion schon an, denn das heißt nicht unbedingt, dass der größte Sensor für jeden die beste Wahl ist. Wer eine Kamera mit einem großen Sensor nutzt, braucht auch große Objektive – das treibt dann schnell Gewicht und Preis nach oben. Wechselobjektive gibt es für alle diese Formate. Sie machen den Fotografen etwa mit Ultraweitwinkel- oder Telezooms flexibler. Bei APS-C- und MFT-Kameras gibt es aber auch Modelle mit fest eingebauten Objektiven.

Beim größten für Hobbyfotografen infrage kommenden Sensor spricht man vom Vollformat, weil er voll dem alten Kleinbild-Format des 35-Millimeter-Films entspricht. Mit einer Vollformat-Kamera fotografiert man also ähnlich wie zu analogen Zeiten. Bei manchen Marken, beispielsweise bei Nikon und Canon, kann man sogar viele alte Objektive aus der analogen Zeit weiternutzen.

Es gibt allerdings einen gewichtigen Unterschied: Da die Kamerabodys mit Technik vollgestopft sind, wiegen diese mitunter deutlich mehr als zu früheren Zeiten. Selbst wenn man zu einem der leichteren Apparate greift, wiegen die Objektive schnell 500 Gramm oder gar ein Kilo. Etwas Gewicht lässt sich mit spiegellosen Systemen sparen (siehe Kasten: Mirrorless) Dafür bekommt man optimale Bildqualität, Bedienbarkeit auf Profi-Niveau und exzellenten Autofokus. Vor allem aber bekommt man es viel leichter hin, dass sich die fotografierten Objekte von ihrer Umgebung abheben.

Wow-Effekt dank geringer Schärfentiefe

Dieser Wow-Effekt bei Fotos stellt sich oft erst genau dann ein, wenn man hinter einer porträtierten Person keine Schubkarre, Gartenschlauch und Mülltonne sieht, sondern einfach nur einen verschwommenen, cremigen Hintergrund. (Siehe Kasten: Schärfentiefe). Das ist der Kino-Effekt, der vielen Bildern das gewisse Etwas verleiht. Man erreicht ihn, in dem man die Blende am Objektiv weit öffnet, etwa auf f/1,8. Das ist mit einer Vollformat-Kamera am einfachsten zu erreichen. Auch bei schlechten Lichtverhältnissen ist das Vollformat im Vorteil. Da der Sensor dank seiner Größe deutlich mehr Licht auffangen kann, fällt das gefürchtete Bildrauschen am geringsten aus. Auch der Dynamikumfang, also die Fähigkeit, möglichst viele Helligkeits- beziehungsweise Dunkelheitsabstufungen darzustellen, ist beim Vollformat am größten.

Daher ist es kein Wunder, dass dieses Format unter Profi-Fotografen sehr verbreitet ist. Platzhirsche in diesem Marktsegment sind Canon und Nikon. Konkurrenz kommt von Pentax und Sony, wobei Letztere mit leichteren und handlicheren spiegellosen Bodys punkten (siehe Kasten: Mirrorless). Die hohe Qualität hat nicht nur ihr Gewicht, sondern auch ihren Preis. Ein entsprechendes Gehäuse kostet neu mindestens 1000 Euro, Top-Modelle locker das Doppelte und Dreifache. Bei den Objektiven sieht es ähnlich aus. Allerdings gibt es mittlerweile einen lebhaften Gebrauchthandel im Internet - wer keine Neuware benötigt, kann mitunter Hunderte Euro sparen.

APS-C und MFT kompakter und günstiger

Für viele Einsteiger ist aber das sogenannte APS-C-Format interessanter. Dabei ist der Sensor weniger als halb so groß (gut 40 Prozent) wie beim Vollformat. Das hat verschiedene Vorteile: Zunächst einmal ist es dadurch möglich, kleinere und leichtere Gehäuse zu bauen. Auch die Objektive schrumpfen auf kompaktere Größe, da sie eine geringere Sensorfläche abdecken müssen. Kleine Einsteiger-Gehäuse gibt es mit Linse schon für 300 bis 400 Euro. Auch die Objektive liegen in dieser Preisklasse oder auch darunter.

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Micro-Four-Thirds-Kameras wie dieses Modell von Olympus gibt es klein und kompakt für Einsteiger, doch auch größere Modelle für Profis wie die Olympus E-M1 Mk. II oder die Lumix GH5 sind im Angebot.

(Foto: imago/AFLO)

Dafür muss man in diesem Format Abstriche bei schlechtem Licht, Dynamik-Umfang und Schärfentiefe-Möglichkeiten hinnehmen. Kurz gesagt ist es aus technischen Gründen so, dass man bei einer APS-C-Kamera die Blende weiter öffnen muss, um die gleiche geringe Schärfentiefe wie beim Vollformat zu erhalten. Will man etwa wie im obigen Beispiel ein Porträt mit Blende 1,8 aufnehmen, bräuchte man an APS-C ein Objektiv, das sich bis Blende 1,2 öffnen lässt. (Siehe Kasten "Crop-Faktor"). Die sind aber selten und teuer. Es handelt sich hier aber um Grenzbereiche, auf die viele Hobbyfotografen auch verzichten können. Fuji setzt mit seiner exzellenten, aber teuren X-Serie (zum Beispiel die Modelle XE-3 oder XT-2) voll auf APS-C und hat auch Objektive mit Blende 1,2 im Angebot. Auch Nikon, Canon, Pentax und Sony bieten solche Kameras in allen Preisklassen an. Die Qualität stimmt bei allen diesen Marken. Letztlich entscheidet, wie gut die Kamera in der Hand liegt, wie intuitiv das Bedienkonzept ist und wie sehr sie das Haben-wollen-Verlangen auslöst.

Vor- und Nachteile des APS-C-Formats gelten verstärkt für Kameras mit Micro-Four-Thirds-Sensoren. Der ist noch einmal kleiner und weist 60 Prozent der Größe eines APS-C-Sensors auf. Olympus und Panasonic verbauen diese Sensoren etwa in den Serien OM-D, E-M, PEN und Lumix. Das heißt, die Performance in schlechtem Licht ist etwas schwächer, ebenso der Dynamik-Umfang und die Schärfentiefe-Möglichkeiten. Die beiden Hersteller bauen allerdings sehr hochwertige Objektive, sodass die Unterschiede oft gar nicht ins Gewicht fallen und selbst Profis bei vergleichbaren Motiven kaum einen Unterschied sehen. Überdies sind Panasonic-Objektive an Olympus-Gehäusen und umgekehrt nutzbar. Und Smartphones und andere kleine Knipsen übertrumpfen sie locker, spätestens sobald die Verhältnisse etwas schwieriger werden. Beim Gewicht ist das MFT-System in diesem Vergleich klar im Vorteil, eine Kamera mit drei Objektiven wiegt kaum mehr als ein Kilo.

Für (Wieder-)Einsteiger sind also APS-C und MFT die interessantesten Varianten im oberen Marktsegment. Letztlich muss aber jeder selbst für sich herausfinden, welches System ihm besser liegt. Da hilft nur in die Hand nehmen und ausprobieren. Man stellt vielleicht fest, dass einem MFT doch zu klein ist oder APS-C viel zu groß. Alles entscheidend ist die Wahl der Kamera sowieso nicht. Denn leider gilt auch im 21. Jahrhundert noch immer: Das Bild macht der Fotograf, nicht die Kamera. Viel wichtiger als Low-Light-Performance, Dynamikumfang und Schärfentiefe ist das Auge des Menschen hinterm Sucher. Nur wer den entscheidenden Moment wahrnimmt, kann ihn festhalten - die hier vorgestellten Systeme sind aber allesamt gute Werkzeuge, um das zu schaffen.

Quelle: n-tv.de

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