Technik
(Foto: Apple)
Donnerstag, 13. September 2018

Ein Jahr nach der Vorstellung: Wo bleibt Apples AirPower?

Von Klaus Wedekind

Apple hat bei seiner iPhone-Show nicht alles gezeigt, was erwartet wurde. Rätselhaft ist vor allem, warum kein Wort über AirPower verloren wurde, das bereits vor einem Jahr angekündigt wurde.

Alle drei neuen iPhones können induktiv geladen werden. Doch über diese Eigenschaft verloren Tim Cook & Co. bei der Präsentation der Geräte kein Wort. Vermutlich wollten sie keine schlafenden Hunde wecken, denn sie hatten bereits bei der Vorstellung des iPhone X vor einem Jahr die Ladematte "AirPower" angekündigt, auf der bis zu drei Geräte gleichzeitig Strom tanken können. Hat Apple da den Mund etwas zu voll genommen?

Eigentlich ist das Unternehmen ja immer bestrebt, eine Technik erst dann umzusetzen, wenn man das besser als alle anderen machen kann. Das wäre mit AirPower absolut der Fall, denn so etwas haben auch die Hersteller nicht im Angebot, die schon seit Jahren kabellos ladbare Smartphones verkaufen. Und wie Patente im Juli gezeigt haben, ist Apple damit noch lange nicht zufrieden und plant sogar, künftig iPads, iPhones und Uhren übereinandergestapelt induktiv zu laden. Offenbar stellt die vermeintlich simple Technik Apples Ingenieure aber vor Herausforderungen, die möglicherweise zu groß sind, um sie massenmarkttauglich zu überwinden.

Komplizierter als gedacht

"Bloomberg" berichtete im Juni, eine AirPower-Matte sei weit komplizierter zu realisieren als ein herkömmliches Ladepad, was die Fertigstellung herauszögere. Unter anderem sei es für die Ingenieure eine Herausforderung, sicherzustellen, dass das Gerät nicht überhitzt. Kompliziert mache die Sache auch, dass in dem Pad mehrere Lade-Sensoren untergebracht werden müssen. Und weil dabei die verschiedenen Größen der zu ladenden Geräte berücksichtigt werden müssten, überlappten sich die Lade-Mechanismen. Obendrein hat das AirPower noch einen speziellen Apple-Chip an Bord, auf dem eine abgespeckte iOS-Version läuft, um Strom-Management und Geräte-Pairing zu regeln. Hier hätten Apples Ingenieure alle Hände voll zu tun, um die Firmware von Fehlern zu bereinigen, schrieb "Bloomberg".

Die Finanznachrichtenagentur ging vor rund drei Monaten aber noch davon aus, dass die Probleme fast alle beseitigt sind, dass AirPower kurz vor der Marktreife steht und im September in den Verkauf gehen kann - wenn alles gut geht. Offenbar liefen die Tests aber alles andere als zufriedenstellend. Denn von der Ladematte fehlt auf Apples Zubehör-Seite jede Spur. Lediglich bei den AirPods gibt es noch ein Bild der Ladematte - mit dem Hinweis, dass sie derzeit nicht erhältlich ist.

Vielleicht wird's ja noch was

Vielleicht ist AirPower aber auch schon fertig und Apple wird es im Spätherbst zusammen mit der zweiten Generation der AirPods vorstellen, die man eigentlich auch schon zusammen mit dem iPhone XS erwartet hatte. Schließlich lässt Apple jetzt bei allen Geräten den Klinke-Lightning-Adapter weg, weil Nutzer jetzt doch bitteschön auf Bluetooth-Kopfhörer umsteigen oder den Adapter bezahlen sollen. Möglicherweise kommt die Ladematte auch zusammen mit einem neuen iPad Pro oder mit einem MacBook-Air-Nachfolger? Apple hat noch ein paar Monate Zeit, schließlich hieß es im September 2017, das AirPower erscheine im Laufe dieses Jahres.

Quelle: n-tv.de