Wirtschaft

Hoffnungen auf Sommergeschäft 737-Max-Probleme schmälern Tui-Gewinn

Nach zwei Abstürzen von 737-Max-Modellen bleiben die Maschinen am Boden. Das setzt nicht nur Boeing, sondern auch Tui zu. Der Reiseveranstalter meldet im ersten Quartal Gewinn-Einbußen. Dagegen kann der Konzern von der Insolvenz eines Rivalen profitieren.

Das anhaltende Flugverbot für Boeings Mittelstreckenjet 737 Max macht dem weltgrößten Reisekonzern Tui weiter zu schaffen. "Wir erwarten in diesem Geschäftsjahr keine Auslieferung der Max-Jets mehr", sagte Tui-Chef Fritz Joussen bei der Vorlage der Quartalszahlen vor der Hauptversammlung in Hannover. Allerdings erwartet er nach der Insolvenz des Rivalen Thomas Cook jetzt einen kräftig wachsenden Reiseabsatz für den Sommer. "Der Reisemarkt in Deutschland und Großbritannien wird voraussichtlich schrumpfen, aber wir werden Marktanteile gewinnen", sagte Joussen. "Die Buchungszahlen entwickelten sich zu Beginn des Geschäftsjahres 2020 außerordentlich gut", teilte Tui mit.

In Großbritannien sei der buchungsstärkste Monat in der Unternehmensgeschichte verzeichnet worden. Die starken Buchungen, Kostensenkungen sowie Ausgleichzahlungen von Boeing würden den höheren Aufwand durch das Flugverbot teilweise ausgleichen. An der Börse waren die Aktien von Tui heiß begehrt. Die Papiere schossen um 10,4 Prozent auf 11,16 Euro nach oben.

Tui geht nun wegen des Flugverbots von einer zusätzlichen Belastung von 220 bis 245 Millionen Euro statt der zuvor erwarteten 220 bis 270 Millionen Euro aus.

Für das laufende Geschäftsjahr bis Ende September erwartet der Manager ein Umsatzplus im hohen einstelligen Prozentbereich. Der um Sonderposten bereinigte operative Gewinn (bereinigtes Ebit) soll zwischen 850 Millionen und 1,05 Milliarden Euro liegen. Zuvor hatte das untere Ende der Spanne bei 960 Millionen Euro gelegen.

Im ersten Quartal per Ende Dezember rutschte das bereinigte EBIT, die zentrale operative Kennziffer des Konzerns, auf minus 147 Millionen Euro ab nach einem Verlust von 83 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Miete von Ersatzflugzeugen sorgen für Verluste

Im ersten Geschäftsquartal bis Ende Dezember wuchs der saisontypische operative Verlust (bereinigtes Ebit) bei Tui im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 77 Prozent auf rund 147 Millionen Euro. Unter dem Strich verringerte sich der Nettoverlust allerdings um fast acht Prozent auf 129 Millionen Euro. Der Umsatz legte um 7,7 Prozent auf 3,85 Milliarden Euro zu.

Nach zwei Abstürzen von 737-MAX-Maschinen mit insgesamt 346 Toten muss das Modell des amerikanischen Flugzeugbauers am Boden bleiben. Es ist nicht zu erwarten, dass das Flugzeug bis Mitte 2020 wieder in Betrieb genommen werden kann. Die gesamte Branche ächzt unter den Belastungen. Boeing brockte das Debakel zum ersten Mal seit mehr als 20 Jahren rote Zahlen ein.

Quelle: ntv.de, ibu/DJ/dpa/rts