Wirtschaft

Aufhebung der Reisewarnung Ab Montag ist Urlaub in Europa möglich

133035884.jpg

Immer mehr Länder öffnen ihre Grenzen für den Sommerurlaub 2020 - trotz Corona.

(Foto: picture alliance/dpa)

Fast drei Monate lang hat die Bundesregierung wegen der Corona-Pandemie vor Urlaubsreisen in alle rund 200 Länder der Welt gewarnt. Für den größten Teil der europäischen Länder ist am Montag Schluss damit. Ein Überblick, wie und wo Urlaub wieder möglich ist.

Von Montag an können Urlauber aus Deutschland wieder zu Reisen in Europa aufbrechen. Die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes als Folge der Corona-Pandemie wird voraussichtlich für 27 europäische Staaten aufgehoben. Die meisten Länder lassen Touristen inzwischen auch wieder einreisen.

Spanien als Urlaubsland Nummer eins der Bundesbürger im Ausland ist zwar erst ab 1. Juli dabei. Doch bis zu 10.900 Menschen sollen für einen Test von Montag an nach Mallorca und auf die anderen Balearen-Inseln fliegen dürfen. Polen öffnete seine Grenzen zu allen EU-Nachbarländern bereits in der Nacht zum Samstag wieder. Fast alle anderen EU-Staaten folgen an diesem Montag.

Die Grenzkontrollen bei der Einreise nach Deutschland enden ebenfalls, wie das Bundesinnenministerium mitteilte. Lediglich die lange zuvor eingeführten Kontrollen gegen irreguläre Migration an der Grenze zu Österreich bleiben bestehen. Bei den coronabedingten Kontrollen an den Grenzen hat die Bundespolizei bis zum 11. Juni rund 196.000 Zurückweisungen ausgesprochen. Diese Zahl nannte Bundesinnenminister Horst Seehofer der "Bild am Sonntag".

Flughäfen, Airlines und Reiseveranstalter haben sich auf den Neustart des Tourismus ins Ausland mit Hygiene- und Sicherheitskonzepten vorbereitet. Die Deutsche Lufthansa hat ihr Angebot erweitert. Allerdings ist eine große Reisewelle noch nicht zu erwarten, auch weil die meisten Flugreisen großer Veranstalter erst im Laufe der Woche oder Anfang Juli starten. Die Deutsche Bahn will bis Ende Juni wieder in alle Nachbarländer fahren.  

Urlaub auf eigenes Risiko

Das Bundeskabinett hatte beschlossen, die weltweite Reisewarnung für 31 europäische Länder aufzuheben, für die vier Staaten Spanien, Schweden, Norwegen und Finnland bleiben jedoch zunächst davon ausgeschlossen. Für die 27 anderen Länder gibt es amtliche Hinweise, in denen über die landesspezifischen Risiken informiert wird. Das gilt zum Beispiel für Großbritannien, wo immer noch eine 14-tägige Quarantänepflicht für alle Einreisenden gilt.

Bestehen bleibt die Reisewarnung für mehr als 160 Staaten in der ganzen Welt bis zum 31. August. Laut Bundesaußenminister Heiko Maas könnte es aber auch da noch Ausnahmen geben -  zum Beispiele für beliebte Urlaubsländer wie die Türkei, die bereits den Flugverkehr nach Deutschland wieder aufgenommen hat. Das Land am Bosporus ist das drittbeliebteste Urlaubsziel der Deutschen im Ausland nach Spanien und Italien.

Wichtig für Urlauber zu wissen: Eine Reisewarnung ist kein Reiseverbot. Urlauber können trotzdem auf eigenes Risiko unterwegs sein. Maas hat allerdings deutlich gemacht, dass es keine großangelegte Rückholaktion mehr geben werde wie im März. Veranstaltern sind bei Reisewarnungen die Hände gebunden. Sie müssen die bereits gebuchten Trips stornieren.

Begrenzte Auswahl an Flügen

Die Lufthansa wird ihr Angebot ab Montag um 34 zusätzliche deutsche wie europäische Ziele ab München sowie rund 20 Ziele ab Frankfurt ausweiten. Im Fokus stehen dabei touristische Sommerziele. 80 Maschinen wurden dafür reaktiviert. Insgesamt bleibt die Auswahl an Flügen für Reisende allerdings begrenzt. Verglichen mit Juni 2019 bieten die Fluggesellschaften 14 bis 15 Prozent der üblichen Sitzplatzkapazität an. Die Nachfrage werde auch nur schrittweise wieder zunehmen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, Matthias von Randow.

Bei Veranstalterreisen dürften am Montag vor allem die Urlauber starten, die mit dem eigenen Auto, Bussen oder der Bahn anreisen. Der erste Ferienflug in den Süden - abgesehen von dem Balearen-Test - startet beim Branchenprimus Tui kommenden Mittwoch nach Faro. Tui sieht derzeit einen Nachholeffekt. "Die ersten Pauschalreisen ab Montag nach Mallorca waren innerhalb von 36 Stunden ausverkauft. Neben den spanischen Inseln sind Griechenland, Kroatien und Portugal gefragt. Zypern liegt erstmals ebenfalls ganz vorn", heißt es beim Reisekonzern.

FTI ist am Montag mit Flügen nach Athen und Tessaloniki dabei. Weitere Ziele folgen Ende Juni/Anfang Juli. Bei DER Touristik starten die ersten Flugreisen ab Samstag (20. Juni) nach Portugal. Alltours bietet ab 1. Juli - in Nordrhein-Westfalen ab Ferienbeginn - Flugpauschalreisen in verschiedene EU-Länder an. Alltours-Chef Willi Verhuven geht davon aus, "dass wir im Sommer 50 Prozent des Vorjahresniveaus erreichen werden. Gerade die Kanaren, Griechenland, Mallorca und die Türkei sind sehr gefragt", sagte er jüngst der "Rheinischen Post".

Auch DER Touristik berichtete deutlich anziehenden Buchungen für den Sommer im Ausland. Höhere Nachfrage gebe es unter anderem für Griechenland, die Türkei, Balearen und Kanaren sowie Tunesien und den Indische Ozean.

 

Schweden-Fans müssen sich gedulden

Maas hatte am 17. März wegen der Corona-Pandemie eine Reisewarnung für Touristen für alle fast 200 Länder der Welt ausgesprochen - und damit eine kostenlose Stornierung von Reisen ermöglicht.

Zu den Ländern, für die sie nun am Montag aufgehoben wird, zählen wahrscheinlich 23 der 26 Partnerländer Deutschlands in der Europäischen Union, Großbritannien sowie drei der vier Staaten des grenzkontrollfreien Schengenraums, die nicht Mitglied in der EU sind: Island, die Schweiz und Liechtenstein. Für Spanien, Norwegen und Finnland wird die Aufhebung voraussichtlich erst später vollzogen, weil dort noch Einreisesperren gelten.

Auch für Schweden dürfte es eine Verzögerung geben. Das Auswärtige Amt weist auf seiner Internetseite darauf hin, dass das EU-Land derzeit die sogenannten Pandemiekriterien für eine Aufhebung der Warnung nicht erfülle. Schweden hatte deutlich freizügigere Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie ergriffen als der Rest Europas.

Quelle: ntv.de, ddi/dpa