Wirtschaft

Kommunen droht Millionenverlust Bafin leitet Insolvenz der Greensill Bank ein

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Die Bremer Greensill Bank hatte Kunden mit ungewöhnlich hohen Zinsen gelockt - doch jetzt kommen sie nicht mehr an ihr Geld.

(Foto: picture alliance/dpa)

Das Schicksal der Greensill Bank scheint besiegelt zu sein: Die Finanzaufsicht Bafin hat einen Insolvenzantrag gestellt. Private Sparer sind abgesichert, die Millionen der Kommunen wären im Fall einer Pleite weg. Kritiker der Bafin sehen Parallelen zum Wirecard-Skandal.

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat gestern Abend für die in Turbulenzen geratene Greensill Bank einen Insolvenzantrag gestellt. Das teilte eine Sprecherin des Amtsgerichts Bremen auf Anfrage mit. "Bei uns ist gestern Abend ein Antrag von der Bafin auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens bezüglich der Greensill Bank AG eingegangen", sagte die Sprecherin.

Der Antrag werde nun geprüft. Ob es noch heute eine Entscheidung geben wird, blieb zunächst unklar. Das Gericht will über den weiteren Verlauf informieren. Die Bafin hatte die Bremer Tochter des britisch-australischen Finanzkonglomerats Greensill Anfang März bereits für den Kundenverkehr geschlossen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Greensill Bank AG, die Bafin hatte Strafanzeige gestellt. Dem Vernehmen nach geht es um den Vorwurf der Bilanzfälschung.

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Mehr als 25 Kommunen wie die Stadt Monheim am Rhein haben Millionen bei der Bank angelegt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bislang kam es noch nie vor, dass ein Institut nach einem Moratorium auf Dauer wieder am Markt aktiv war. Sparer kommen seit der Schließung durch die Finanzaufsicht nicht mehr an ihr Geld, aber müssen nicht um ihr Erspartes fürchten: Der Entschädigungsfonds der privaten Banken und die gesetzliche Einlagensicherung springen für ihre Einlagen ein. Nach Informationen aus Finanzkreisen dürften das etwa 3,1 Milliarden Euro sein.

Die Gelder von professionellen Anlegern wie etwa Bund, Ländern, Kommunen oder bankähnlichen Kunden unterliegen allerdings seit Oktober 2017 nicht mehr der Entschädigungseinrichtung. Zahlreiche Kommunen, die bei der Bank teilweise zweistellige Millionenbeträge angelegt haben, dürften deshalb leer ausgehen. Dazu gehören nach Angaben des Portals tagesgeldvergleich.net unter anderem das Land Thüringen, die Stadt Monheim am Rhein und die hessische Stadt Eschborn. Insidern zufolge steht bei diesen Kunden insgesamt etwa eine halbe Milliarde Euro im Feuer.

Bank seit Anfang 2019 im Visier der Bafin

Der Fall wirft Fragen auf, ähnlich wie bei dem milliardenschweren Wirecard-Bilanzbetrug. Die Finanzaufsichtsbehörde steht jetzt erneut in der Kritik, nicht früher auf die Probleme bei der Greensill Bank hingewiesen zu haben. Laut Bundesfinanzministerium, dem die Bafin unterstellt ist, hat die Behörde das Bremer Geldhaus schon seit über zwei Jahren im Visier. Anfang 2021 setzte sie dort einen Sonderbeauftragten ein. Seit Januar 2019 ließ sie sich monatlich über Bilanzdaten von der Bank unterrichten, wie aus einer Antwort des Ministeriums an die Grünen-Finanzpolitikerin Lisa Paus hervorging.

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Die Behörde sei jedoch in der entscheidenden Phase den Ereignissen hinterhergelaufen, kritisierte Paus. "Sie hat sich seit 2019 regelmäßig informieren lassen, aber nicht eingegriffen", sagte Paus. "Die Aufsicht muss genauso dynamisch sein wie der Finanzmarkt und die Entwicklung in den Banken."

Vergangene Woche hatte die "Wirtschaftswoche" berichtet, dass die Bafin auch gegen den Abschlussprüfer der Bank vorgehe. Wegen möglicher Mängel bei der Abschlussprüfung durch die Stuttgarter Gesellschaft Ebner Stolz wolle die Aufsicht ein Verfahren bei der zuständigen Aufsichtskommission Apas anregen, hieß es. Ebner Stolz habe den Abschluss der Greensill Bank für 2019 testiert. Die Bafin äußerte sich nicht zu dem Bericht. Die Apas bestätigte, die Finanzaufsicht habe ihr eine Mitteilung "mit Bezug zur Greensill Bank AG übermittelt".

Quelle: ntv.de, joh/dpa/rts/AFP

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