Wirtschaft

Kommt die Staatsbeteiligung? Bund und Lufthansa verhandeln über Hilfen

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Stillgelegter Airbus A-380 der Lufthansa auf einer Parkposition des Flughafens Frankfurt: Infolge der Corona-Pandemie ist der Luftverkehr weitestgehend zum Erliegen gekommen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wegen schwindender Nachfrage und strikten Reisebeschränkungen haben Fluggesellschaften weltweit ihren Betrieb auf ein Minimum begrenzt. Auch die Lufthansa hat nur noch einen Rumpfflugplan und steckt in großen finanziellen Schwierigkeiten. Nun soll der Staat helfen - eventuell mit einer Beteiligung.

Die Verhandlungen zu einer möglichen Beteiligung des deutschen Staats an der Lufthansa kommen voran. Das Unternehmen ist wegen der massiven Flugabsagen infolge der Corona-Krise in Schwierigkeiten geraten. Nach Fortschritten in den Gesprächen solle nun zügig entschieden werden, hieß es aus Regierungskreisen. Der Dax-Konzern bestätigte Verhandlungen über verschiedene Beteiligungsformen des Staates. Man sei im engen Austausch zu allen Regierungen im Heimatmarkt und anderen Stellen wie der staatlichen KfW-Bank, um die Liquidität zu sichern, sagte ein Sprecher in Frankfurt.

Lufthansa betreibt Airlines in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Belgien. Dort wird öffentlich über eine Renationalisierung der Lufthansa-Tochter Brussels Airlines nachgedacht. Der dickste Brocken im Portfolio ist die deutsche Kerngesellschaft Lufthansa, die für knapp die Hälfte des Konzernumsatzes steht. Zu Einzelheiten wollte sich der Lufthansa-Sprecher nicht äußern.

Eine Mehrheitsbeteiligung des Staates hatte Vorstandschef Carsten Spohr im Interview mit dem "Spiegel" ausgeschlossen: "Eine Verstaatlichung hat die Bundesregierung ja schon öffentlich verneint." Es komme bei einer Staatshilfe darauf an, die unternehmerische Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit zu behalten.

Derzeit nur noch fünf Prozent der sonstigen Verkehrsleistung

Wegen der Pandemie bietet der Lufthansa-Konzern derzeit nur noch rund fünf Prozent seiner sonstigen Verkehrsleistung an. Dieser Rumpfflugplan ist inzwischen wegen der anhaltenden Flugbeschränkungen bis in den Mai verlängert worden. Dazu kommen noch Charterflüge im Auftrag der Regierungen und Reiseveranstalter zur Rückholung von Touristen. Der Konzern hatte angekündigt, rund zwei Drittel seiner weltweit Beschäftigten in die Kurzarbeit schicken zu wollen. Das sind 87.000 Menschen. 2019 hatte der Konzern weltweit rund 135.000 Männer und Frauen beschäftigt.

Das Management versucht seit Krisenbeginn, das Geld des Konzerns zusammenzuhalten und die Fixkosten zu senken. Rund 700 der 760 Flugzeuge in der Konzernflotte stehen am Boden. Neben der massiven Kurzarbeit in allen Betriebsteilen wurden die Dividende gestrichen und die Managergehälter gekürzt.

Die erst seit 1997 vollständig privatisierte Lufthansa verfügte laut Spohr bei Bilanzvorlage am 19. März, einschließlich einer neuen KfW-Kreditlinie, über liquide Mittel von 5,1 Milliarden Euro. Zudem könne die Lufthansa Flugzeuge im Wert von 10 Milliarden Euro als Sicherheit bei Banken einbringen. "Unsere Bilanz ist stärker, die Eigentumsquote ist höher als bei fast allen unserer Wettbewerber", sagte Spohr. Man werde im Zweifel länger durchhalten als andere.

Flugverkehr weltweit fast zum Erliegen gekommen

Die Corona-Krise trifft die gesamte Luftverkehrs- und Reisewirtschaft hart. Der Flugverkehr ist weltweit fast zum Erliegen gekommen, Airlines wie Flughäfen suchen weltweit nach staatlichen Hilfen und entlassen massenhaft Personal. In Deutschland stehen auch der Touristikkonzern Tui und der Ferienflieger Condor im Feuer. Tui hat bereits 1,8 Milliarden Euro staatliche Hilfskredite zugesagt bekommen. Bei Condor sind weitere Staatskredite im Gespräch, wenn sich die geplante Übernahme durch die polnische Lot-Mutter PGL verzögern oder zerschlagen sollte.

Bundestag und Bundesrat hatten einen Stabilisierungsfonds beschlossen, der im Notfall auch eine vorübergehende Beteiligung des Staates an strategisch wichtigen Unternehmen vorsieht.

Quelle: ntv.de, abe/dpa