Wirtschaft

Ende der Globalisierung erwartet Davos im Krisenmodus

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In Davos wird die Energie- und Lebensmittelkrise im Kontext des Klimawandels diskutiert sowie die Folgen von Inflation, niedrigem Wachstum und Schulden.

(Foto: picture alliance/KEYSTONE)

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Ukraine-Krieg, Klimawandel, Pandemiefolgen und wirtschaftlicher Abschwung in vielen Teilen der Welt - die Vielzahl der aktuellen Probleme überschattet das Weltwirtschaftsforum in Davos. Die Hyperglobalisierung, heißt es, sei am Ende, die Weltwirtschaft befindet sich wohl am Vorabend einer De-Globalisierung.

Auf den ersten Blick ist alles wie gewöhnlich: Pünktlich zum Auftakt des diesjährigen Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos gibt es Schnee und Kälte. Die Schuhhändler freuen sich schon auf leergekaufte Regale von Schneeschuhen. Die Bekleidungsgeschäfte haben ihre Bestände an dicken Jacken und Pullovern aufgestockt.

Wenn sie denn geöffnet haben. Die meisten Läden sind dicht. Noch einmal mehr als beim vergangenen Gipfel, der im Mai des letzten Jahres nach zwei Jahren Corona-Zwangspause wieder in Präsenz stattfand. Vermietet, an ausländische Konzerne und andere Organisationen. Zu todschicken Repräsentanzen und Meeting-Hubs umgebaut. Restaurants und Hotels haben ihre Preise für die kommenden Tage kräftig nach oben geschraubt. Das ist immer so, wenn Politiker und Wirtschaftsbosse Davos bevölkern. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis.

Trotzdem ist alles anders. Die Liste der Probleme, die die Weltwirtschaft belasten, ist einfach zu lang. Optimistische Prognosen sind nicht zu erwarten. Selbst der sonst so optimistische WEF-Gründer Klaus Schwab zeichnet die Zukunft in düsteren Farben. Er diagnostiziert der Weltwirtschaft eine Vertrauenserosion und eine zunehmende Fragmentierung. Die Welt befinde sich an einem "kritischen Wendepunkt".

Ernüchterung und eine neue Ehrlichkeit bricht sich Bahn. Entsprechend das diesjährige Motto des Gipfels: "Zusammenarbeit in einer fragmentierten Welt". Immerhin: Die Teilnehmerzahlen liegen wieder auf Vor-Corona-Niveau. Noch nie in der Geschichte des 1971 gegründeten Forums habe es so viele Anmeldungen wie in diesem Jahr gegeben. Man will wieder persönlich diskutieren, sich austauschen, reden. Und zu besprechen gibt es viel. Den 3000 Gästen, darunter 52 Staats- und Regierungschefs sowie hunderte Top-Manager und ihren Delegationen aus allen Teilen der Welt geht vor dem Hintergrund der vielen Fragezeichen der Fragmentierung der Gesprächsstoff bestimmt nicht aus.

Guterres und von der Leyen erwartet

Wie auch. Die Agenda ist üppig wie selten zuvor: Die Energie- und Lebensmittelkrise im Kontext des Klimawandels wird diskutiert. Wie die Folgen von Inflation, niedrigem Wachstum und Schulden. Flankiert von Themen des technologischen Wandels, künstlicher Intelligenz, Fachkräftemangel und geopolitischen Risiken.

Die Gästeliste enthält hochkarätige Namen. UNO-Generalsekretär António Guterres wird in Davos vorbeischauen. Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, EZB-Präsidentin Christine Lagarde, die finnische Ministerpräsidentin Sanna Marin, der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte, und - als einziger Vertreter der G7 - Deutschlands Bundeskanzler Olaf Scholz. Und mit ihm eine Reihe von Ministern. Auch die First Lady der Ukraine, Olena Selensky, wird am WEF sprechen. Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko kommt auch.

Wie geht es weiter nach dem befürchteten Ende der bisher bekannten Globalisierung, die in Davos über viele Jahre gefeiert wurde? Niemand wird das aktuell voraussagen mögen. Optimistische Prognosen dürfte es kaum geben. Umso spannender werden die Erklärungsversuche der in Davos diskutierenden Akteure sein.

Dass die Verantwortlichen wieder in großer Zahl persönlich miteinander sprechen, während sich die Weltwirtschaft de-globalisiert, wie es viele Experten derzeit erwarten, ist wahrscheinlich die wichtigste und optimistischste Botschaft, die vom diesjährigen Treffen in Davos ausgeht.

Quelle: ntv.de

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