Wirtschaft

Geldflut trägt Kurse nach oben Dax wird neue Höhen testen

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Das Billiggeld der Notenbanken ist ein wesentlicher Treiber der Aktienmarkt-Rally der vergangenen Jahre.

(Foto: imago images/blickwinkel)

Die Signale für die neue Handelswoche stehen auf grün. Börsianer setzen auf weitere Geldspritzen der Fed. Das sollte Rückenwind geben. Aber auch die Gefahr von Kursrückschlägen wächst. Ebenfalls im Fokus: das Brexit-Drama. Die Gespräche hätten eine "Wende zum Schlechten vollzogen", mahnt ein Analyst.

Die anhaltende Flut billigen Geldes dürfte den Börsen auch in der neuen Woche Auftrieb geben. "Die wichtigen globalen Notenbanken werden wegen der anhaltenden Corona-Pandemie ihre ultraexpansive Geldpolitik nicht aufgeben", sagt Analyst Frank Wohlgemuth von der National-Bank in Essen. "Ganz im Gegenteil: Eine weitere Lockerung ist sehr wahrscheinlich, eine Abkehr nahezu ausgeschlossen."

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In diesem Zusammenhang erwarten Börsianer von der US-Notenbank am Mittwoch entsprechende Hinweise. Deren Chef Jerome Powell hatte Ende August bereits signalisiert, dass die Federal Reserve künftig Teuerungsraten über der Zielmarke von zwei Prozent auch längerfristig tolerieren werde, um die Konjunktur zu stützen.

In den vergangenen Tagen gewann der Dax insgesamt knapp drei Prozent und steuert auf den größten Wochengewinn seit mehr als einem Monat zu. Zwar seien Aktien im historischen Vergleich teuer, sagt Michael Winkler, Chef-Anlagestratege der St. Galler Kantonalbank Deutschland. Wegen der weltweit ultra-lockeren Geldpolitik seien renditeträchtige Alternativen aber dünn gesät und auf absehbare Zeit nicht in Sicht.

Gefahr von Kursrückschlägen

Die Experten des Vermögensverwalters Amundi mahnten jedoch zur Besonnenheit. "Die alten Belastungsfaktoren bestehen weiterhin und neue sind hinzugekommen." So habe sich die Konfrontation zwischen den USA und China im Technologiebereich verschärft. Außerdem seien eine weitere Coronavirus-Welle und Rückschläge bei der Entwicklung eines Impfstoffs nicht ausgeschlossen.

Ein Risikofaktor sei außerdem der Streit über ein Gesetz, mit dem der britische Premierminister Boris Johnson Teile des Brexit-Vertrages aushebeln will. Ein Krisentreffen hierzu scheiterte. "Die Brexit-Gespräche haben eine Wende zum Schlechten vollzogen", kommentierte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. "Alle Aussagen deuten darauf hin, dass das Risiko eines 'No Deal'-Brexit deutlich gestiegen ist."

Ohne eine Einigung bis zum Jahresende droht ein ungeordneter Ausstieg Großbritanniens aus der EU, der Experten zufolge die Wirtschaft beiderseits des Ärmelkanals belasten würde. Vor diesem Hintergrund fiel der Kurs des britischen Pfund in der alten Woche zeitweise auf ein Fünfeinhalb-Monats-Tief von 1,0784 Euro.

US-Einzelhandelsumsätze und ZEW-Index

Bei den Konjunkturdaten richten Börsianer ihre Aufmerksamkeit vor allem auf die US-Einzelhandelsumsätze, die wenige Stunden vor dem Fed-Entscheid veröffentlicht werden. Da die amerikanischen Verbraucher ihre Kaufzurückhaltung von Beginn der Corona-Pandemie abgelegt hätten, rechne er für August mit einem Plus von 1,4 Prozent, prognostiziert Commerzbank-Volkswirt Bernd Weidensteiner. Der private Konsum gilt als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft.

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Einen Tag zuvor steht in Deutschland der ZEW-Index, der die Stimmung der deutschen Börsenprofis widerspiegelt, auf dem Terminplan. Experten sagen hier für September einen leichten Rückgang auf 70 Punkte von 71,5 Zählern voraus.

Am Freitag verfallen dann Futures und Optionen auf Indizes sowie Optionen auf einzelne Aktien. Zu diesem "Hexensabbat" schwanken die Aktienkurse üblicherweise stark, weil Investoren die Preise derjenigen Wertpapiere, auf die sie Derivate halten, in eine für sie günstige Richtung bewegen wollen.

Quelle: ntv.de, ddi/rts