Wirtschaft

Geplatzte Fusion Deutsche Bank und Coba brauchen Plan B

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Trotz der geplatzten Fusion dürften bei Deutsche Bank und Coba Jobs wegfallen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die geplante Bankenehe ist gescheitert, doch die wirtschaftlichen Probleme von Deutscher Bank und Commerzbank sind damit nicht gelöst. Den Geldhäusern bleiben nur wenig attraktive Optionen. Der gefürchtete Jobabbau wird trotzdem kommen.

Paukenschlag in Frankfurt: Deutsche Bank und Commerzbank haben ihre geplante Fusion abgeblasen. Nach der anhaltenden Kritik von Belegschaft, Aktionären und Politikern kommt die Entscheidung nicht überraschend. Nach gründlicher Prüfung sei man zum Schluss gekommen, "dass ein Zusammenschluss keinen ausreichenden Mehrwert bieten würde - auch mit Blick auf die Umsetzungsrisiken, Restrukturierungskosten und Kapitalanforderungen", teilten beide Banken wortgleich mit. Die Fusion wäre "nicht im Interesse der Aktionäre beider Unternehmen sowie anderer Interessengruppen" gewesen, hieß es zudem von der Commerzbank.

Zwar ist nun Aufatmen zu hören. Die Gefahren durch die Fusion "wären immens gewesen", sagt Gerhard Schick, Vorstand der Bürgerbewegung Finanzwende, die Absage sei daher eine "gute Nachricht für die deutsche Bevölkerung". Für FDP-Vize Michael Theurer war sie von vornherein "zum Scheitern verurteilt". Ein Zusammenschluss wäre "in der momentanen Situation ökonomisch nicht sinnvoll", gibt auch der Bankenverband BdB zu bedenken. Und auch Finanzminister Olaf Scholz zeigt Verständnis: "Solche Kooperationen machen nur Sinn, wenn sie sich betriebswirtschaftlich rechnen und auf ein belastbares Geschäftsmodell zusteuern".

Doch genau das ist bei beiden Banken immer noch nicht in Sicht. Selbst die überraschend guten Zahlen der Deutschen Bank im ersten Quartal ändern daran nichts. Auch wenn die Aktienkurse erstmal steigen: Der wirtschaftliche Druck hat durch die geplatzten Fusionsgespräche noch zugenommen. An der Börse wird die Commerzbank mit gerade noch einem Drittel ihres Buchwerts gehandelt, die Deutsche Bank sogar nur mit einem Viertel dessen, was sie auf dem Papier wert ist. Die Bundesbank bemüht sich deshalb, Zweifel an ihrer Stabilität zu zerstreuen: Beide Banken seien "solide" und "stabil", "das galt vor und während der Gespräche und ist auch jetzt uneingeschränkt der Fall", teilte der für die Bankenaufsicht zuständige Vorstand Joachim Wuermeling mit.

Die Geldhäuser bleiben weiter unter Sparzwang und Kostendruck. "Wir liegen gut im Plan, unser Kostenziel von 21,8 Milliarden Euro für das Gesamtjahr zu erreichen", betont Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing in seinem Brief an die Mitarbeiter: Im klassischen Kreditgeschäft verdienen sie wegen der anhaltenden Niedrigzinsen nicht genug. Im Investmentbanking sind sie keine Konkurrenz für die übermächtigen US-Finanzriesen. Nach der gescheiterten Ehe müssen Commerzbank und Deutsche Bank schnellstens sagen, wie es weitergehen soll. Auch in allen Alternativszenarien dürfte der befürchtete Stellenkahlschlag bei beiden Banken nicht ausbleiben.

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Jobabbau über die Resterampe

Am deutlichsten sagt das kurz nach der geplatzten Fusion OECD-Chef José Gurria. "Egal, wer mit wem fusioniert, egal, wer wen kauft: Bitte denken Sie nicht, dass die Rationalisierung von Arbeitsplätzen nicht stattfinden wird, nur weil die Fusion nicht stattfindet. Sie ist unvermeidbar." Auch die Bundesbank drängt beide Institute dazu, die "eingeschlagenen Restrukturierungsanstrengungen konsequent weiterzuverfolgen".

Die Deutsche Bank hat ihren Plan B in dieser Woche bereits durchsickern lassen. Altlasten, die sie abstoßen will, sollen womöglich in eine Bad Bank verschoben werden, berichten Insider. In den Geschäftsbereichen, die auf der Resterampe landen, dürften beim Verkauf oder bei der Abwicklung reichlich Jobs verloren gehen.

Auch beim zweiten Ersatzprojekt, das hinter den Kulissen bereits geplant wird, ist es so. Noch während der nun geplatzten Gespräche mit der Commerzbank hat die Deutsche Bank offenbar Kontakt zur UBS aufgenommen, um die Fusion ihrer bereits börsennotierten Vermögensverwaltung DWS mit der Schweizer Großbank zu sondieren. Bei einer Zusammenlegung dürften durch den Wegfall von Doppelstrukturen auch hier unweigerlich Arbeitsplätze abgebaut werden.

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Europäischer statt nationaler Champion?

Ausgestanden ist die Gefahr für die Angestellten also längst nicht, auch wenn Verdi-Chef Frank Bsirske sichtlich erleichtert feststellt, dass die gescheiterte Fusion "zehntausende von Arbeitsplätzen gefährdet" hätte. Denn Finanzminister Scholz hat sein Ziel, einen nationalen Finanz-Champion zu schmieden, trotz der geplatzten Bankenehe offenbar noch nicht aufgegeben. Die global agierende deutsche Industrie brauche "konkurrenzfähige Kreditinstitute, die sie in aller Welt begleiten können", beharrt Scholz.

Die Konsolidierung kommt nun womöglich aber unter europäischem statt deutschem Vorzeichen. Denn dem Vernehmen nach stehen bei der Commerzbank eine Reihe ausländischer Konkurrenten Schlange. Vor Ostern klopfte die niederländische ING an. Sie köderte den Finanzminister mit politischen Geschenken: Bei einer Fusion könne man womöglich sogar die Zentrale nach Frankfurt verlegen. Italiens größte Bank Unicredit hat schon seit Jahren Interesse an der Coba und steht Gewehr bei Fuß, nun wo die Gespräche geplatzt sind.

Bei einem Zusammengehen wären in beiden Fällen allerdings wohl weniger Jobs bedroht, als bei der geplatzten Fusion mit der Deutschen Bank, die laut Gewerkschaften bis zu 30.000 Stellen gekostet hätte. Das liegt vor allem daran, dass sich die Geschäfte der Commerzbank und ihrer potenziellen ausländischen Käufer weniger überlappen: Die ING ist in Deutschland bislang eine reine Direktbank ohne eigene Niederlassungen, die deutsche Unicredit-Tochter Hypovereinsbank ist vor allem in Süddeutschland und rund um Hamburg stark vertreten. Wie bei jeder Fusion dürfte es aber auch in diesem Szenario unweigerlich einen Jobabbau geben. Eine Umwälzung der deutschen Bankenlandschaft ist also trotz der geplatzten Ehe zwischen Deutscher Bank und Commerzbank nur eine Frage der Zeit.

Quelle: n-tv.de

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