Wirtschaft

Bloß kein neues "Fusions-Abenteuer" Deutsche Börse schaut nach vorn

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Klappt das noch? Der Traum von der Mega-Fusion steht kurz vor dem Scheitern.

(Foto: Reuters)

Die Chancen auf eine Fusion der beiden Handelsplatzbetreiber Nyse Euronext und Deutsche Börse stehen schlecht. Während die Deutschen schon für die Zeit danach planen, klammert sich Nyse-Chef Niederauer an seine letzte Hoffnung: Die Kraft der Überzeugung.

Die Deutsche Börse will sich im Fall eines endgültigen Scheiterns der geplanten Megafusion mit der US-Börse Nyse Euronext auf andere Projekte konzentrieren.

"Regional werden wir vor allem versuchen, im asiatischen Raum über Joint-Ventures noch stärker Fuß zu fassen", sagte ein Sprecher der Wirtschaftszeitung "Euro am Sonntag". Ein Nein aus Brüssel wäre für den Börsenbetreiber demnach leicht zu verkraften.

"Wir sind aus einer Position der Stärke in dieses Fusionsprojekt gestartet, haben nach wie vor ein stabiles Geschäftsumfeld und eine hohe Eigenkapitalrendite, so dass wir für den Fall einer Ablehnung aus Brüssel nicht händeringend nach einem Plan B suchen oder uns in ein neues Fusions-Abenteuer stürzen müssen."

Die Deutsche Börse will diesen Angaben zufolge die eigene Position im Markt auch über eine Ausweitung der Produktpalette beispielsweise auf dem Gebiet der Agrarderivate stärker stärken.

Ein Wunder für Mr. Niederauer

Während der deutsche Partner schon für eine Zukunft ohne Fusion plant, kämpft die New Yorker Börsengesellschaft Nyse Euronext weiter um den geplante Zusammenschluss mit der Deutschen Börse.

"Ich habe immer noch Hoffnung, aber wenn man realistisch ist, haben wir eine Chance von 10 oder 20 Prozent", sagte Nyse-Chef am Rand einer Veranstaltung zum Weltwirtschaftsforum in Davos. Niederauer ist in der Schweiz, um in letzter Minute für den Milliardenzusammenschluss zu werben, der aller Voraussicht nach in der kommenden Woche von der EU-Kommission untersagt werden wird. Er habe in den vergangenen Tagen bei einer Reihe von EU-Kommissaren und Politikern für die Fusion geworben. "Ich glaube nicht, dass sie tot ist, sie ist sogar lebendiger als noch vor drei Tagen", sagte er.

Die EU-Kommission will am kommenden Mittwoch über die Fusion entscheiden, die Ablehnung steht im Raum. Die bislang aufgelaufenen Fusionskosten bezifferte der Frankfurter Börsenbetreiber dem Bericht zufolge auf 100 bis 120 Mio. Euro.

Nyse und Deutsche Börse wollen die EU-Kommissare und die Öffentlichkeit von ihrer Sichtweise überzeugen, dass die zuständigen EU-Beamten bei der Prüfung des Zusammenschlusses eine falsche Marktdefinition zugrundegelegt hätten. Sie kritisieren, dass die Beamten von EU-Wettbewerbskommissar bei der Prüfung des Deals den außerbörslichen Derivatemarkt (OTC) ausgeklammert haben. Zudem müsse der weltweite und nicht nur der europäische Derivate-Markt betrachtet werden.

Niederauer sagte, er finde mit seiner Argumentation durchaus Anklang bei seinen Gesprächspartnern. "Ist das genug, um den Trend zu drehen? Ich weiß es nicht. Ich glaube, wir werden es am 1. Februar wissen." Seine Chancen stehen allerdings wohl schlechter als bislang bekannt: EU-Kreisen zufolge haben sich 25 der 27 Kommissare der Meinung von Wettbewerbskommissar Almunia angeschlossen und wollen für eine Blockade stimmen.

Quelle: ntv.de, dpa/rts

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