Wirtschaft

Spezialschiffe, Kreuzfahrer und Offshore Deutschland hängt am Meer

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Kapitänsnachwuchs aus Deutschland: Offizierin Silke Muschitz fährt für die Hamburger Linienreederei Hapag-Lloyd - und hält Containerschiffe seetüchtig.

(Foto: picture alliance / dpa)

Als Exportnation sei Deutschland auf die maritime Wirtschaft angewiesen, erklärt die Kanzlerin. Damit spricht sie zwar Reedern, Hafen-Angestellten und Werftarbeitern aus der Seele, lässt drängende Probleme jedoch ungelöst. Ihr Verkehrsminister fordert allein für die Wasserstraßen mindestens 500 Mio. Euro mehr - pro Jahr.

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Klare Worte in der Eröffnungsrede: Bei der 8. Nationalen Maritimen Konferenz trifft Merkel in Kiel mit rund 800 Vertretern aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Verwaltung und von Gewerkschaften zusammen.

(Foto: dapd)

Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht in der maritimen Wirtschaft eine Schlüsselbranche für die Zukunft Deutschlands. Sie sei gerade für die Bundesrepublik als Exportnation wichtig, bekannte Merkel zum Auftakt der 8. Nationalen Maritimen Konferenz in Kiel.

Die Kanzlerin betonte in ihrer Rede die Bedeutung einer funktionierenden Infrastruktur: "Nicht nur in Kiel spricht man vom Nord-Ostsee-Kanal (NOK), sondern auch in Berlin." Konkrete Aussagen, ob im nächsten Bundeshaushalt mehr Geld für die Sanierung des maroden NOK bereitgestellt werde, machte Merkel jedoch nicht. Auch zum Zeitplan äußerte sie sich nicht.

Die Elbvertiefung sei ebenfalls sehr wichtig, betonte die CDU-Politikerin. Der Ausbau der Elbe von der Nordseemündung bis zum Hamburger Hafen ist zwar beschlossene Sache, es sind aber Klagen unter anderem von Naturschutzverbänden vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig anhängig. Merkel betonte, die chinesischen Partner verfolgten mit Argusaugen, ob und wie schnell Deutschland für die Wirtschaft existenziellen Infrastrukturmaßnahmen schaffe.

Im Gegensatz zum neuen Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven sind die Containerterminals in Hamburg längst nicht mehr für alle Frachtschiffe jederzeit zu erreichen. Der neue Tiefseehafen nördlich von Bremen Für die großen Containergiganten ist die Zufahrt zum Hamburger Hafen nicht mehr tief genug, um unabhänhig vom Wasserstand auch bei Ebbe bis unter die Ladekräne am Kai zu gelangen.

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Protestzug zum Tagungsort: An der Küste hängen tausende Jobs direkt oder indirekt am Seeverkehr.

(Foto: dpa)

Experten rechnen damit, dass sich der Trend zum Bau übergroßer Frachter unabhängig von deutschen Ausbauplänen weiter fortsetzt. Reeder und Schiffsplaner sehen sich allein schon durch die stetig steigenden Energie- und Personalkosten zu immer größeren Einheiten gezwungen: Gerade auf der Langstrecke können die neuen Riesenschiffe ihre Ladung deutlich günstiger transportieren. In einer aktuelle Studie rechnen britische Experten insgesamt mit einer drastischen Zunahme des Seeverkehrs.

"Im nationalen Interesse"

Vor diesem Hintergrund rief Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer die Umweltverbände auf, ihre Klagen gegen die Elbvertiefung zurückzunehmen. "Das ist auch im nationalen Interesse", sagte der CSU-Politiker. "Wenn der Bund, der NABU und der WWF sich dazu entschließen sollten, könnten wir zumindest mit den Bauvorarbeiten für die Elbvertiefung beginnen."

Ramsauer bekannte sich wie die Kanzlerin zum Ausbau des jahrzehntelang vernachlässigten Nord-Ostsee-Kanals. Ein Fertigstellungsdatum könne er nicht nennen. Es wäre aber nicht zu rechtfertigen, "wenn wir erst 2028 oder 2030 fertig würden, es muss schneller gehen". Sein Parlamentarischer Staatssekretär Enak Ferlemann sagte in Kiel, Sanierung und Ausbau des Kanals könnten bis etwa 2025 abgeschlossen sein.

Nadelöhr Nord-Ostsee-Kanal

Ramsauer kritisierte, dass für Erhalt und Ausbau von Wasserstraßen in Deutschland Geld fehle. Allein für den Nord-Ostsee-Kanal sei mindestens noch eine Milliarde Euro notwendig - zusätzlich zu den bewilligten 375 Mio. Euro für die fünfte Schleusenkammer in Brunsbüttel. Für den Bereich Wasserstraßen bräuchte er pro Jahr mindestens 500 Mio. Euro mehr und das über einen Zeitraum von mindestens zehn Jahren, sagte Ramsauer.

Vor Beginn der Konferenz forderten rund 800 Demonstranten - darunter Beschäftigte von Werften und Windenergiefirmen - von Merkel, ein deutliches Signal für die Arbeitsplätze der maritimen Wirtschaft im Norden zu setzen. Der Schiffsbau befindet sich in einer Krise, die Reeder haben mit existenzbedrohenden Überkapazitäten zu tun und der Ausbau der Offshore-Windenergie vor deutschen Küsten geht nicht recht voran.

Merkel sagte, die Zukunft der Werften liege im Spezialschiffbau, bei Kreuzfahrtschiffen und Offshore-Anlagen. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler bekannte sich zum Ausbau der Offshore-Windenergie. "Es ist eine Zukunftsbranche." Schon heute sei die Energieversorgung in Deutschland ohne maritime Technologie nicht denkbar.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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