Wirtschaft

Rekordverlust der Nationalbank Die Quittung für die Franken-Wette

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Die geplatzte Frankenwette der Schweizer Nationalbank hat ihr den größten Verlust aller Zeiten beschert.

(Foto: picture alliance / dpa)

30 Milliarden Franken Miese in drei Monaten: Der Rekordverlust der Schweizer Nationalbank ist der letzte Beweis, dass die hochriskante Franken-Wette der Währungshüter spektakulär geplatzt ist. Ein Sturm der Entrüstung könnte folgen.

Die Schweizer Nationalbank (SNB) hat dank dem massiv gestiegenen Franken in den ersten drei Monaten des Jahres einen Verlust von 30 Milliarden Franken eingefahren. Es ist der größte Quartalsverlust, den die Notenbank jemals verkraften musste. Der Rekordeinbruch zeigt, wie schwer die Euro-Krise auch die Schweiz belastet. Und wie riskant die Krisenpolitik der Notenbanker ist. n-tv.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

Woher kommen die Verluste?

Schuld an dem riesigen Verlust ist die Geld- und Wechselkurspolitik der SNB. Sie hat in der Euro-Krise ab 2010 gigantische Reserven aufgebaut, um den Schweizer Franken künstlich zu schwächen. Der Gewinn der Notenbank schwankt mit dem Wert dieser Reserven. Fällt etwa der Goldpreis, wie im zweiten Quartal 2013, schlägt sich das bei der Notenbank nieder: Damals machte die SNB einen Verlust von 18,5 Milliarden Franken.

Euro / Schweizer Franken
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Noch entscheidender für den Gewinn ist der Wert der Devisen, die die SNB anhäuft. Ab 2010 hat die SNB massiv Franken gedruckt und damit Euro, Dollar und Yen und andere Währungen gekauft, um den Franken gegenüber diesen Devisen abzuwerten. So hat sie gigantische Reserven von rund 511 Milliarden Franken in Euro, Dollar und anderen Währungen angehäuft - mehr als fünfmal so viel wie noch Anfang 2010. Da der Schweizer Franken seit Jahresbeginn sprunghaft gestiegen und Euro, Dollar und Yen gegenüber der Schweizer Währung damit spiegelbildlich gefallen sind, sind die riesigen Devisenbestände nun plötzlich viel weniger wert.

Mit der künstlichen Abwertung des Franken wollte die SNB die Schweiz vor der Eurokrise beschützen. Ab 2010 flüchteten wegen der Schuldenkrise in Europa immer mehr Investoren in die Schweiz. Der Schweizer Franken wertete daher stark auf. Das machte die Schweizer Exporte immer teurer. Die SNB kündigte daher im September 2011 an, unbegrenzt Franken zu drucken und in fremden Währungen anzulegen, um den Kurs künstlich bei mindestens 1,20 Franken je Euro zu halten. Doch als die Risiken zu groß wurden, knickte die SNB ein: Inzwischen entsprechen die Devisenreserven 80 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Am 15. Januar kündigte sie an, den Mini-Kurs nicht länger zu verteidigen. Der Franken schoss in die Höhe und brockte ihr den riesigen Verlust ein.

Was bedeuten die Verluste?

Heftige Gewinnschwankungen sind bei einer Zentralbank nichts Ungewöhnliches: Schon 2010 machte die SNB einen Verlust von rund 21 Milliarden Franken. 2014 erzielte sie dagegen einen Gewinn von 38 Milliarden Franken. Gewinne zu machen ist nicht ihre oberste Aufgabe. Sie verfolgt politische Ziele: Mit der Frankenschwemme wollte sie die Schweizer Wirtschaft retten. Denn die hängt zu 50 Prozent von den Exporten ab und leidet daher auf Dauer unter einem zu starken Franken.

Deshalb hat die SNB wie ein riesiger Hedgefonds auf einen niedrigen Franken gesetzt. Um ihre Entschlossenheit zu demonstrieren und Anleger davon abzuhalten, immer mehr Geld in die Schweiz zu schaffen, führte sie sogar negative Zinsen ein. Sie kaufte zusätzlich zu Gold und Devisen sogar ausländische Aktien. Doch all das nützte nichts. Sie hat sich mit nahezu der Wirtschaftsleistung eines ganzen Jahres verzockt. Nun schicken ihr die Märkte die Rechnung. Die Verluste sind die Quittung für ihre geplatzte Frankenwette, mit der sie die Eurokrise besiegen wollte.

Was sind die Folgen?

Gewinne einer Zentralbank sind normalerweise wenig von Bedeutung. Sie entstehen quasi als Nebenwirkung der Geld- und Wechselkurspolitik der Währungshüter und werden an den Staat ausgeschüttet, der die Notenbank trägt. In der Schweiz gibt es aber eine Besonderheit: Auch Privatanleger halten Anteile an der SNB. Sie ist als Aktiengesellschaft organisiert und wird an der Börse gehandelt. 60 Prozent der Anteile gehört den Schweizer Kantonen und Kantonalbanken, 40 Prozent Privatinvestoren.

Großbanken wie die Credit Suisse und UBS haben Geld in die SNB gesteckt, ebenso wie mehr als 2100 andere Privatinvestoren. Den Aktionären dürften die drohenden Verluste nicht egal sein. Denn normalerweise sind ihre Papiere eine sichere Sache. Eine Pleite ist ausgeschlossen, die SNB schüttet Jahr für Jahr Milliarden aus, solange die Finanzlage es zulässt.

Besonders die Kantone brauchen das Geld. Viele sind hochverschuldet und schreiben rote Zahlen. Das Desaster dürfte nun diejenigen auf den Plan rufen, die die gigantische Franken-Wette von Anfang an kritisiert haben. Auch die Notenbank selbst war sich des Risikos bewusst. "Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir Verluste machen. Aber das Risiko, nichts zu tun, war höher", hatte SNB-Chef Thomas Jordan gesagt.

Quelle: ntv.de

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