Wirtschaft
Klimaeffekte im Lebensmittelmarkt: Der Sommer 2018 treibt den Preis für Butter nach oben.
Klimaeffekte im Lebensmittelmarkt: Der Sommer 2018 treibt den Preis für Butter nach oben.(Foto: picture alliance/dpa)
Freitag, 07. September 2018

Extremwetter erreicht Kühlregal: Dürre lässt Butterpreise steigen

Die Auswirkungen der Trockenheit können Verbraucher derzeit auch im Supermarkt verfolgen. In den Kühlregalen zieht der Verkaufspreis für Butter an. Bald schon könnte die 2-Euro-Marke fallen - falls die Kunden nicht vorher ausweichen.

Die Butterpreise nehmen in Deutschland wieder Kurs auf das zuletzt im vergangenen Herbst erreichte Rekordniveau. Mit einem Wert von 1,95 Euro für das 250-Gramm-Päckchen nähert sich der Butterpreis bei Supermärkten und Discountern nach Beobachtungen von Experten derzeit dem seit mindestens 50 Jahren noch nicht überschrittenen Allzeithoch von 1,99 Euro. Der Handel werde versuchen, ein Überschreiten der Schwelle von zwei Euro zu vermeiden, sagte der Handelsfachmann Matthias Queck.

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Interessant werde dann die Frage, so Queck, ob die Verbraucher anfingen, auf die noch deutlich günstigere Margarine auszuweichen. Während der Butterpreis zurzeit stark schwanke, seien die Margarinepreise weitgehend unverändert.

Mit Blick auf die Lage in der Landwirtschaft gehen Experten derzeit von weiter steigenden Butterpreisen aus, berichtete die "Wirtschaftswoche". Grund sei eine geringere Milchleistung der Kühe aufgrund der Dürre. Damit könnte sich der ungewöhnlich niederschlagsarme und heiße Sommer direkt auf die Preisentwicklung im Lebensmittelhandel auswirken.

Unter den Folgen der monatelangen Dürre leiden Landwirte in ganz Europa. In Deutschland mussten vor allem die Bauern in Nord- und Ostdeutschland Einbußen bei der Ernte von Heu und Getreide hinnehmen. Um Höfen in Existenznot zu helfen, will die Bundesregierung den Bauern mit bis zu 170 Millionen Euro beiseite springen, dazu kommen Mittel der Länder in gleicher Höhe.

EU-Hilfen werden geprüft

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Landwirte mit schweren Einbußen wegen der Dürre können auf staatliche Nothilfen von bis zu 340 Millionen Euro zählen. Angesichts von Ernteschäden "nationalen Ausmaßes" hat die Bundesregierung angekündigt, dass der Bund 150 Millionen bis 170 Millionen Euro geben will. Die andere Hälfte der Gesamtsumme sollen die Länder tragen. Bundesweit sind bis zu 10.000 Betriebe existenzbedrohend stark betroffen.

Die EU-Kommission prüft zudem bereits, wie auch auf europäischer Ebene Hilfen für dürregeplagte Bauern auf den Weg gebracht werden können. Einem Vorschlag zufolge könnte etwa eine Lockerung der Anbauregeln helfen, rasch mehr Futter für Nutztiere zu produzieren. Zudem könnten reguläre Agrarhilfen vorzeitig ausgezahlt werden, wie es Ende August aus Brüssel hieß.

Bis Ende September soll ein entsprechendes Maßnahmenpaket mit den EU-Staaten abgestimmt und förmlich beschlossen werden. Einige Hilfsmaßnahmen hatte die EU-Kommission schon Anfang August in Aussicht gestellt. EU-Agrarkommissar Phil Hogan begrüßte zudem die Hilfsmaßnahmen auf nationaler Ebene. Er sprach von einer "extremen klimatischen Situation".

Die von der EU angekündigten Maßnahmen sollen vor allem sicherstellen, dass genügend Tierfutter zur Verfügung steht. Dafür seien Ausnahmen von bestimmten Anbauregeln vorgesehen, erklärte die Kommission. So sollten etwa Winterkulturen als Zwischenfrüchte genutzt werden dürfen und die Frist von acht Wochen für Zwischenfrüchte verkürzt werden können. Zudem sollen Landwirte bis zu 70 Prozent der ihnen zustehenden Direktzahlungen und bis zu 85 Prozent der Zahlungen für den ländlichen Raum bereits Mitte Oktober und nicht erst im Dezember bekommen können.

"Schäden werden uns lange begleiten"

Die Folgen der wochenlangen Dürre in vielen Regionen Deutschlands sind auch in den Wäldern sichtbar. In einzelnen Regionen hätten die Bäume unter der außergewöhnlichen Trockenheit Schaden genommen, wie Bundesagrarministerin Julia Klöckner erklärte. "Es ist dramatisch. Die Schäden werden uns sehr lange begleiten und auch für kommende Generationen noch spürbar sein", sagte die CDU-Politikerin bei einem Besuch der Forstbetriebsgemeinschaft Bansow Mecklenburg-Vorpommern.

Das ganze Ausmaß könne aber erst mit Verzögerung festgestellt werden, was auch vom weiteren Wetter abhänge. Nötig seien dafür verlässliche Daten. Die Situation der Wälder solle auch Thema bei der nächsten Agrarministerkonferenz von Bund und Ländern Ende September sein. Um Klima-Probleme der Wälder zu bewältigen, will Klöckner zudem einen Runden Tisch gemeinsam mit dem Umweltministerium und Verbänden einberufen. Gebraucht würden klimaresistentere Bäume und ein guter Mix aus Baumarten.

Der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates, Georg Schirmbeck, forderte finanzielle Hilfen für Waldbesitzer. Der Markt für Holz sei völlig eingebrochen. Gebraucht würden Mittel für Neu- und Nachpflanzungen, aber auch für den Bau von Holzlagerplätzen und Wegen dorthin. Schirmbeck sprach von 100 Millionen Euro jeweils von Bund und Ländern. Klöckner reagierte verhalten. Die Situation sei mit der in der Landwirtschaft nicht vergleichbar, wo Tiere sofort Futter bräuchten.

Quelle: n-tv.de