Handelsstreit mit China und USAEU und Vietnam planen Kooperation bei seltenen Erden und Halbleitern

Vietnam ist ein wichtiger Markt für Rohstoffe, die in der Rüstungsindustrie unerlässlich sind. Bei diesen und weiteren Themen möchten EU und Hanoi enger zusammenarbeiten, ein entsprechendes Papier wird morgen unterzeichnet. Der Entwurf kritisiert indirekt die Strategien der USA, Chinas und Russlands.
Angesichts der Handelskonflikte mit den USA und China wollen die Europäische Union und Vietnam einem Dokument zufolge ihre Wirtschaftsbeziehungen ausbauen. Dabei geht es um strategisch wichtige Felder wie Rohstoffe, Halbleiter und Infrastruktur, wie aus dem achtseitigen Entwurf einer gemeinsamen Erklärung hervorgeht, den die Nachrichtenagentur Reuters einsehen konnte.
Eine finale Fassung des Papiers soll am morgigen Donnerstag bei einem Besuch von EU-Ratspräsident Antonio Costa in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi unterzeichnet werden. Die regierende Kommunistische Partei hatte am vergangenen Freitag ihren Generalsekretär To Lam, den führenden Politiker des südostasiatischen Landes, für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt. Der Europäische Rat lehnte eine Stellungnahme zu dem Dokument ab. Von der vietnamesischen Regierung war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.
Ein Schwerpunkt der geplanten Vereinbarung liegt auf der Sicherung von Rohstoffen. Vietnam verfügt über bedeutende, aber weitgehend unerschlossene Vorkommen an Seltenen Erden und Gallium. Die Regierung in Hanoi hatte Interesse am Aufbau eigener Verarbeitungskapazitäten signalisiert - ein Markt, der weltweit von China dominiert wird. Dem Entwurf zufolge wollen die EU und Vietnam Handel und Investitionen in Technologien fördern, die einen "nachhaltigen Bergbau und eine nachhaltige Verarbeitung" unterstützen. Zudem ist das Land ein wichtiger Lieferant von Wolfram, einem für die Rüstungs- und Elektronikindustrie unverzichtbaren Metall.
Als weiterer Schwerpunkt der Kooperation werden Halbleiter genannt. Vietnam ist bereits ein wichtiger Standort für das Verpacken und Testen von Chips für Konzerne wie Intel und Amkor. Anfang des Monats begann zudem der Bau der ersten Halbleiter-Produktionsanlage des Landes. Auch für den niederländischen Chipanlagen-Ausrüster ASML gewinnt das Land an Bedeutung. Zulieferer des Weltmarktführers haben Teile ihrer Produktion nach Vietnam verlagert.
Priorität hat dem Entwurf zufolge auch der Ausbau einer "vertrauenswürdigen Kommunikationsinfrastruktur", insbesondere bei 5G-Netzen und Satellitenverbindungen. Dort stehen europäische Anbieter wie Ericsson und Nokia im Wettbewerb mit chinesischen Firmen wie Huawei. Die EU erwägt in diesem Zuge den Transfer von "nicht-sensibler Technologie und Know-how". EU-Staaten sind zudem an Investitionen in die vietnamesische Infrastruktur wie Eisenbahnprojekte interessiert. Vietnam will ein landesweites Hochgeschwindigkeitsnetz aufbauen.
Der Entwurf der Erklärung enthält indirekte Kritik an den Strategien der USA, Chinas und Russlands. Er bekräftigt die Unterstützung einer "regelbasierten internationalen Ordnung" und der Welthandelsorganisation (WTO). Es wird zur Stabilität im Südchinesischen Meer aufgerufen, wo Ansprüche Chinas mit denen Vietnams kollidieren. Zudem fordert die Erklärung einen "gerechten und nachhaltigen Frieden" in der von Russland angegriffenen Ukraine. Russland ist ein enger Partner Vietnams.