Wirtschaft

Trotz niedriger Inflation EZB bleibt bei Politik der ruhigen Hand

Die anhaltend niedrige Teuerungsrate in der Eurozone bereitet der EZB derzeit keine große Sorge. Direktoriumsmitglied Coeure bekräftigt den Kurs der Notenbank, die Binnennachfrage im Währungsraum zu unterstützen.

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Keine Anzeichen für neue Deflationsgefahr.

(Foto: dpa)

Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht sich trotz anhaltend niedriger Inflation nicht unter Zugzwang. Die Entscheidungen der Notenbank würden sich nach und nach auf die Kreditvergabe und die Realwirtschaft auswirken, wenn auch nur langsam, sagte Direktoriumsmitglied Benoit Coeure der "Börsen-Zeitung". "Deswegen wollen wir an einer Politik der ruhigen Hand festhalten", sagte Coeure. Angesichts der Schwäche der chinesischen Wirtschaft und der Abwertung des Yuan rief der Notenbanker zudem dazu auf, die Binnennachfrage im Euro-Raum zu unterstützen.

Die EZB und die nationalen Notenbanken pumpen seit März über ein großangelegtes Anleihen-Kaufprogramm Woche für Woche Milliarden in das Finanzsystem, um die sehr niedrige Inflation anzuheizen. Im Juli lag die Teuerung wie schon im Juni lediglich bei 0,2 Prozent. Ziel der Währungshüter ist aber eine Inflationsrate von mittelfristig knapp zwei Prozent.

Die EZB wäre nur dann gezwungen, zu handeln, wenn sich die wirtschaftliche Situation grundlegend verändere oder die langfristigen Anleiherenditen stark stiegen, sagte Coeure. Auf die Frage, ob erneut aufkeimende Deflationssorgen übertrieben seien, sagte er: "In den Daten findet sich nichts, was solche Einschätzungen stützt."

Abwertung in China als Mahnung

Die jüngste Abwertung der chinesischen Landeswährung wertete der EZB-Direktor als Symptom für die Abkühlung der Konjunktur in der Volksrepublik. "In der Eurozone sollten wir das aber als Mahnung verstehen, wie wichtig eine starke Binnennachfrage ist", sagte Coeure. Es wäre unvernünftig, das langfristige Wachstumsmodell in der Euro-Zone allein auf den Export aufzubauen. Vielmehr solle die Binnennachfrage durch private Investitionen gestärkt werden.

Das neue Wechselkurs-Regime in China wertete Coeure als Schritt hin zu einem stärker marktbestimmten System. "Das ist generell gut, es stärkt die Widerstandsfähigkeit der globalen Wirtschaft und deckt sich mit Empfehlungen der G20", sagte der Notenbanker. Chinas Zentralbank (POBC) orientiert sich beim täglichen Festlegen des Leitkurses nun am Vortages-Schlusskurs. Davor legte die PBOC einen Mittelkurs zum Dollar nach Kriterien fest, die nur sie kannte. Die Abwertung des Yuan hatte in den vergangenen Tagen die Finanzmärkte weltweit aufgewühlt.

Hellas-Kapitalkontrollen von Lage der Banken abhängig

Coeure sieht keinen Spielraum, die Kapitalkontrollen in Griechenland substanziell zu lockern, solange nicht klar sei, wie und wann die Banken rekapitalisiert würden. Die EZB werde darüber beraten, ob sie die griechischen Anleihen trotz ihres Ramschstatus als Sicherheiten akzeptiere, sobald das Hilfsprogramm auf "dem richtigen Weg" sei. Eine erste Programm-Überprüfung durch die Geldgeber sei dafür aber nicht notwendig. "Es ist möglich, dass wir früher handeln."

Quelle: ntv.de, wne/rts