Wirtschaft

Russische Abhängigkeit beenden Eon stoppt Gas-Einkauf bei Gazprom

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An seiner Beteiligung an der Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 1 hält Eon fest.

(Foto: picture alliance/dpa/Mona Wenisch)

Der Energiekonzern geht auf Distanz zu seinem russischen Partner Gazprom. Aufgrund des Ukraine-Krieges will das Unternehmen keine neuen Erdgasmengen mehr einkaufen. Konzernchef Birnbaum mahnt, die Abhängigkeit von Russland langfristig zu beenden. Kurzfristig hingegen sei das nicht möglich.

Der Energiekonzern Eon geht auf Distanz zu seinem langjährigen russischen Gas-Partner Gazprom und warnt vor Abschreibungen auf seinen milliardenschweren Anteil an der Pipeline Nord Stream 1. Wegen des Kriegs in der Ukraine habe Eon den Einkauf neuer Erdgasmengen bei Gazprom gestoppt, sagte Konzernchef Leonhard Birnbaum auf der Bilanzpressekonferenz in Essen. Deutschland müsse langfristig seine Energieabhängigkeit von Russland beenden. "Daran führt kein Weg vorbei."

Kurzfristig könne Deutschland aber nicht auf russisches Gas verzichten. Deshalb sei es gut, dass die Bundesregierung Rufen standhalte, Gasimporte aus Russland kurzfristig zu stoppen, kommentierte Birnbaum. "Denn das würde Deutschland und Europa schwer treffen."

Der frühere Eon-Konzern und seine Vorgängergesellschaften wie Eon Ruhrgas hatten über Jahrzehnte enge Beziehungen zu Russland. Für Eon gehöre der russische Markt zwar nicht mehr zu den Zielregionen, erläuterte Birnbaum. "Aber klar ist: Sollte es über einen mehr oder weniger langen Zeitraum zu einer physischen Verknappung der Energieimporte kommen, wird dies auch für uns Folgen haben." Die derzeitige Gemengelage mache die Geschäfte nicht einfacher.

An seiner Beteiligung an der Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 1 hält Eon fest, auch wenn es hier laut Geschäftsbericht ein Bewertungsrisiko gibt. Das Paket von 15,5 Prozent liegt beim Eon Pensionsfonds und steht mit einem Wert von 1,2 Milliarden Euro in den Büchern. "Eine Veräußerung, ein Ausstieg, ist im Moment überhaupt nicht möglich. Das Asset ist im Moment nicht verkäuflich. Es gibt keinen Markt dafür", erläuterte Birnbaum. "Wem würde geholfen, wenn wir das Asset dem russischen Mehrheitsaktionär überschreiben würden?"

Durch die Doppelröhre von Gazprom strömt seit über zehn Jahren Gas. Nach dem vorläufigen Aus der neuen, eigentlich fertig gebauten Schwester-Pipeline Nord Stream 2 könnte auch Nord Stream 1 Ungemach durch Sanktionen des Westens gegen Russland drohen. Russlands Vize-Ministerpräsident Alexander Nowak hat bereits mit einem Stopp der Erdgasversorgung über diese Pipeline gedroht.

Atomkraftwerke werden stillgelegt

Im laufenden Jahr erwartet Eon wegen des Ausstiegs aus der Atomenergie einen Rückgang beim operativen Ergebnis. Ende 2022 soll im Zuge der Energiewende das letzte Atomkraftwerk in Deutschland stillgelegt werden. Im vergangenen Jahr waren die Meiler besonders hoch ausgelastet, profitierten von den gestiegenen Strompreisen und erzielten einen operativen Gewinn von 1,6 Milliarden Euro. Nächstes Jahr wird Eon ohne AKW-Beiträge auskommen müssen. Deshalb rechnet der Konzern mit einem Rückgang des bereinigten Ebitda auf 7,6 bis 7,8 Milliarden Euro, nachdem es 2021 um eine Milliarde Euro auf 7,9 Milliarden Euro geklettert war.

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Vor allem das Geschäft mit Kundenlösungen legte zu, bei dem der Konzern von der Umstrukturierung des britischen Vertriebsgeschäfts profitierte. Zudem steigerte die Sparte Future Energy Home, die Solaranlagen und Batteriespeicher vertreibt, die Zahl der installierten Anlagen um ein Viertel auf 125.000.

Die Aktionäre sollen für 2021 eine Dividende von 49 Cent je Aktie erhalten, 2 Cent mehr als für das Jahr davor. Die Eon-Aktien notierten 0,6 Prozent im Plus, entwickelten sich damit aber schwächer als der Gesamtmarkt, der knapp 3 Prozent zulegte. Eon-Chef Birnbaum bekräftigte die im Herbst vergangenen Jahres aufgestellten Ergebnis- und Wachstumsziele. Für das Jahr 2026 werde für das Kerngeschäft ein bereinigtes Ebitda-Ziel von rund 7,8 Milliarden Euro angepeilt. Zudem will der Konzern von 2022 bis 2026 seine Geschäfte mit Investitionen von rund 27 Milliarden Euro ausbauen. Die bisherige Dividendenpolitik von bis zu fünf Prozent Dividendenwachstum pro Jahr wird bis 2026 fortgesetzt.

Quelle: ntv.de, Tom Käckenhoff und Christoph Steitz, rts

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