Wirtschaft

Razzia im Diesel-Skandal Ermittler durchsuchen Büros bei Opel

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Besuch von den Diesel-Fahndern: Das Kraftfahrtbundesamt vermutet Betrug bei Opel.

(Foto: dpa)

Opel bekommt im Zusammenhang mit dem Diesel-Skandal unangekündigten Polizeibesuch: Wie das hessische Landeskriminalamt bestätigt, durchsuchen Fahnder auch die Zentrale des Herstellers. Es geht um einen konkreten Betrugsverdacht.

Neue Wendung im Abgas-Skandal der deutschen Autoindustrie: Ermittler der Polizei suchen im Rahmen einer Razzia bei Opel nach Hinweisen auf weitere Manipulationsfälle. Auf Anweisung der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main rückten Beamte des Landeskriminalamts Hessen an den Opel-Standorten in Rüsselsheim und Kaiserslautern an, um, wie es heißt, einem konkreten Betrugsverdacht nachzugehen. Opel bestätigte den Besuch der Fahnder, sprach aber lediglich von "Untersuchungen" zum "Thema Emissionen". Das Unternehmen kooperiere mit den Behörden, teilte ein Opel-Sprecher mit. Der Autobauer bekräftige, dass die Fahrzeuge geltenden Vorschriften entsprächen.

Die deutsche Traditionsmarke Opel, die seit der Übernahme im Vorjahr unter dem Dach des französischen Automobilkonzern PSA arbeitet, soll Medienberichten zufolge Tausende Autos mit einer möglicherweise unzulässigen Software zur Beeinflussung der Abgaswerte ausgestattet haben. Auslöser der Durchsuchungsaktionen ist nach Informationen der "Bild"-Zeitung eine Anzeige des Kraftfahrtbundesamtes.

Die Zulassungsbehörde entdeckte demnach Unregelmäßigkeiten bei Opel-Fahrzeugen mit neuen Euro-6-Motoren. Dem Vernehmen nach geht es um die Modelle Insignia, Zafira und Cascada aus den Baujahren 2012, 2014 und 2017. Betroffen sein sollen nur 95.000 Fahrzeuge.

Der Besuch der Fahnder bei Opel ist nicht die erste derartige Aktion im deutschen Autobau. Neu sind die Verdachtsmomente bei Opel nicht: Bereits im Juli hatte das Bundesverkehrsministerium "eine amtliche Anhörung gegen Opel" wegen drei Fahrzeugmodellen bestätigt. Berichten zufolge soll der Grund - wie bereits bei den übrigen betroffenen Herstellern - ein Verdacht von Manipulationen bei der Abgasreinigung gewesen sein. Im Rahmen der "Anhörung" sollte sich Opel damals zur Funktionsweise einer Abschalteinrichtung äußern.

Zulässiger Motorschutz oder Betrug?

Im Kern geht es um Betrug bei den Abgaswerten, um trotz überhöhten Schadstoffausstoßes im Regelbetrieb eine Zulassung durch das Kraftfahrtbundesamt zu erhalten. Mit den fraglichen Abschalteinrichtungen kann die Reinigung von Abgasen in bestimmten Fahrsituationen oder -bedingungen wie etwa niedrigeren Temperaturen oder Drehzahlen verringert werden. Damit könnten Hersteller die Abgaswerte auf dem Prüfstand künstlich gedrückt haben, lautet der Vorwurf.

"Vor dem Ergebnis dieser Anhörung kann zur Unzulässigkeit der Abschalteinrichtung noch nichts abschließend gesagt werden", hatte ein Ministeriumssprecher im Juli erklärt. Autobauer begründen den Einbau von Abschalteinrichtungen in die software-basierte Motor-Steuerung mit dem sogenannten Motorschutz vor allem bei Kälte oder Hitze.

Bei vielen Modellen gibt es aber Zweifel daran, ob dies wirklich notwendig ist. Wenn die Abgasreinigung nicht richtig arbeitet, stoßen die Diesel mehr gesundheitsschädliche Stickoxide aus. Da Luft-Grenzwerte in vielen Städten überschritten sind, drohen Fahrverbote für Dieselautos.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa