Wirtschaft

Quittung für Cetinkaya-Rauswurf Fitch stuft Türkei nach Erdogan-Dekret herab

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Teure Lebensmittel, düsterer Wirtschaftsausblick: Wohin steuert die Türkei unter Erdogan?

(Foto: REUTERS)

Das Urteil der Bonitätsexperten der Ratingagentur Fitch fällt eindeutig aus: Die Absetzung des obersten türkischen Währungshüters Cetinkaya dürfte die Lage in dem Land alles andere als verbessern. Auch Beobachter in Ankara sprechen von einer Krisenstimmung.

Die Ratingagentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit der Türkei eine Woche nach dem Rauswurf des Zentralbankchefs heruntergestuft. Die Bonität des Landes werde ab sofort nur noch mit "BB-" bewertet, teilte Fitch am Freitagabend nach US-Börsenschluss mit.

Türkische Lira / Euro
Türkische Lira / Euro ,15

Der Ausblick bleibe "negativ", hieß es. Weitere Herabstufungen in den kommenden Monaten seien möglich. Mit diesem Schritt rutscht die Türkei tiefer in den sogenannten Ramschbereich, in dem Anlagen als hochspekulativ gelten und den viele langfristig interessierten Investoren weitgehend meiden. Über kurz oder lang sind damit auch türkische Arbeitsplätze in Gefahr.

Die Abberufung von Murat Cetinkaya zeige, dass die Unabhängigkeit von Institutionen in Gefahr sei und schade der Glaubwürdigkeit, begründete Fitch den Schritt. Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte Cetinkaya überraschend am 6. Juli abberufen. Dieser sei nicht den Anweisungen gefolgt, begründete Ankara den Schritt.

Geldpolitik auf Bestellung?

Erdogan forderte zuletzt einen kompletten Umbau der Zentralbank. Andernfalls könne die Türkei in ernsthafte Schwierigkeiten geraten. Der türkische Staatspräsident hatte wiederholt Druck auf die Notenbank ausgeübt und sie immer wieder erfolglos zu einer Lockerung der Geldpolitik aufgefordert.

Die Leitzinsen liegen in der Türkei bereits seit September 2018 bei 24 Prozent. Der Präsident verlangt niedrigere Zinsen, um die inzwischen in einer Rezession steckende Wirtschaft anzukurbeln. Zugleich macht sich Erdogan auch durch eine auf Konfrontation angelegte Außenpolitik zunehmend selbst zum Unsicherheitsfaktor.

Mit dem wichtigen Bündnis- und Handelspartner USA etwa liegt die türkische Regierung im Streit um die Ausstattung des Nato-Landes mit russischen Luftabwehrraketen vom Typ S-400. Die türkische Wirtschaft muss in diesem Zusammenhang mit scharfen US-Sanktionen rechnen. Unabhängig davon riskiert die Türkei derzeit auch Spannungen mit den griechischen Nachbarn, indem türkische Stellen die Suche nach Erdgas-Vorkommen im Meer vor Zypern vorantreiben.

An den Märkten wirken die politischen und konjunkturellen Unsicherheitsfaktoren verheerend auf die Zuversicht der Anleger. Während sich die übrigen europäischen Börsen vor dem Wochenende dank guter US-Vorgaben weitgehend stabil bis freundlich entwickelten, ging es mit dem türkischen Aktienmarkt deutlich nach unten.

Türkische Börse rutscht ins Minus

Belastet wurde die Stimmung von den drohenden Sanktionen der USA gegen die Türkei im Streit um russische Luftabwehrraketen, bestätigte ein Marktbeobachter. Der türkische Leitindex BIST-100 gab im Freitagshandel um 2,3 Prozent nach. Auch die türkische Lira verlor weiter an Stärke.

Die US-Regierung lehnt das Rüstungsgeschäft ab, weil das russische System im Nato-Luftraum möglicherweise sensible Daten über Kampfflugzeuge aus amerikanischer Produktion abgreifen und an Russland übermitteln kann. Im vergangenen Jahr hatten US-Sanktionen wegen eines in der Türkei festgehaltenen US-Pastors die türkische Wirtschaft und Währung schwer belastet.

Da die Türkei derzeit Gasbohrungen vor der Küste des EU-Mitglieds Zypern durchführt, drohen auch Sanktionen durch die EU. Denn Zypern wie auch die EU halten die Bohrungen für illegal. "Der Türkei stehen sehr schwere Zeiten bevor", warnte Analyst Nihat Ali Ozcan von Tepav in Ankara.

Quelle: n-tv.de, mmo/rts/DJ

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