Wirtschaft
Neuzugänge auf der ILA: Die Lufthansa ist mit einer 747-8 von Boeing in den neuen Firmenfarben nach Berlin geflogen.
Neuzugänge auf der ILA: Die Lufthansa ist mit einer 747-8 von Boeing in den neuen Firmenfarben nach Berlin geflogen.(Foto: dpa)
Samstag, 28. April 2018

Audi kooperiert mit Airbus: Flugtaxis elektrisieren die ILA

Auf der Berliner Luftfahrtmesse entstehen ganz neue Allianzen: Über die Branchengrenzen hinweg geben der Flugzeugbauer Airbus und die VW-Marke Audi den Start eines kombinierten Transportdienstes bekannt. Staatsministerin Bär stellt eine Testphase für Flugtaxis in Aussicht.

Der Autobauer Audi und der Luftfahrtkonzern Airbus wollen gemeinsam einen Limousinen- und Helikopter-Dienst anbieten. Die Kooperation beginne in diesem Sommer im brasilianischen Sao Paulo und in Mexico City, teilten die beiden Unternehmen anlässlich der Luftfahrtmesse ILA in Berlin-Schönefeld mit.

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Airbus ist mit seinem Helikopter-Dienst Voom in beiden Städten bereits präsent. Der Fahrdienst von Audi soll Kunden künftig ohne Zeitverluste von und zum Helikopter bringen. Den integrierten Transport mit dem Auto und durch die Luft könnten Kunden bis eine Stunde vor dem gewünschten Abflug buchen, erklärte ein Sprecher. Man wolle den überlasteten städtischen Transportsystemen "den Himmel als dritte Dimension" hinzufügen.

Die Erschließung des Luftraums für den innerstädtischen Nahverkehr zählt neben dem Aufstieg der Drohnen und dem Trend zur Digitalisierung zu den großen Themen der diesjährigen Luftfahrtausstellung. Die "Berlin Air Show" ist noch bis Sonntag für das Publikum geöffnet. In den Messehallen am Rand des in Bau befindlichen Hauptstadtflughafens BER können sich Besucher über die neuesten Entwicklungen im Flugzeugbau und in der Raumfahrt informieren.

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Dabei könnten autonom fliegende Lufttaxis womöglich bald schon auch in Deutschland starten. "Wir von der deutschen Regierung prüfen, unter welchen Bedingungen wir in Deutschland eine Testphase ermöglichen können", kündigte Digital-Staatsministerin Dorothee Bär bei ihrem Besuch auf der ILA an. Dabei werde die Balance gehalten zwischen Sicherheitsaspekten und Datenschutz auf der einen Seite und den vielversprechenden Marktperspektiven auf der anderen Seite, versprach sie. Weltweit arbeiten nach Branchenangaben bereits etwa 50 verschiedene Unternehmen an der Markteinführung von Lufttaxis.

"Die Nutzung des innerstädtischen Luftraums ist wichtig, wenn man individuelle Mobilität in unseren Innenstädten erhalten will", betonte Bär. Sie verwies darauf, dass die Zahl der Megacities mit mehr als zehn Millionen Einwohnern weltweit steigt. Städte wie Dubai und Singapur wollen einen Teil ihrer Verkehrsbelastung bereits in die Luft verlegen. "Es wird mehr Gelegenheiten in anderen asiatischen oder in amerikanischen Städten geben", sagte Bär bei einer Diskussionsveranstaltung mit deutschen Lufttaxi-Entwicklern.

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Mit Blick auf Europa nannte sie als Schlüsselherausforderung, Wege für die Regulierung und Zertifizierung der neuen Luftfahrzeuge festzuschreiben. Bär erklärte zudem, sie hoffe sehr bald schon in ein Lufttaxi steigen zu können. An einer ersten Testphase in Deutschland könnte womöglich auch die Konzeptstudie eines "CityAirbus" beteiligt sein.

Ein erstes Modell aus den Werkstätten der Helikopter-Tochter von Airbus ist auf der ILA im "Future Lab" zu sehen. Insgesamt acht je 140 Kilowatt leistende Elektromotoren sollen den autonom fliegenden Hubschrauber in der Luft halten, auf 120 Kilometer pro Stunde beschleunigen und jeweils vier Insassen an Ziele innerhalb einer Metropole tragen. Bereits Ende dieses Jahres soll das Fluggerät in Donauwörth zu seinem Erstflug starten.

"Unglaublich gute Chancen"

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Die Fortschritte auf dem Gebiet der unbemannten Flugsysteme wecken auch bei Händlern und Logistikern große Hoffnungen. Experten gehen davon aus, dass sich erste Effekte bald schon auch am Arbeitsmarkt zeigen dürften. "Unglaublich gute Chancen" sieht etwa Professor Stefan Levedag vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) für Berufseinsteiger in all jenen Bereichen der Luftfahrt, die sich mit Drohnen und ihrer Steuerung beschäftigen.

Bei einer Podiumsveranstaltung des ILA "CareerCenters" sagte Levedag, das gelte nicht nur für die Herstellung des Fluggeräts und der für ihren Betrieb nötigen Technologien, sondern auch für Fachleute, die das Regelwerk erstellen müssten, unter dem sich Drohnen im Luftraum bewegten.

Jan-Hendrik Boelens von Volocopter, einer der Herstellerfirmen aus dem jungen Segment der Flugtaxi-Entwickler, erklärte, zwar sei es schon heute möglich in Deutschland mit Flugtaxis zu operieren, aber noch müssten immer Piloten mitfliegen. Er rechnete mit möglichem Planbetrieb auch in Städten in zwei bis drei Jahren. "Studenten haben hier sehr gute Chancen", bestätigte Boelens.

Der technische Unterschied zwischen Luftverkehr mit und ohne Pilot verringere sich stetig, bestätigte Alexander Köthe von der TU Berlin. Der Unterschied liege mittlerweile eigentlich nur noch "in dem, was der Passagier wahrnimmt". Eine große Herausforderung etwa beim Flugtaxi sei es, die psychologische Barriere beim Passagier zu überwinden.

Vor diesem Hintergrund sehen Branchenkenner die ersten kommerziellen Anwendungsfälle daher auch eher in der Logistik. "Das Verhältnis von Transportmittel und Transportgut ist bei der Drohne wirtschaftlicher als bei den meisten anderen Verkehrsträgern", fasste Köthe die Lage zusammen. Levedag dämpfte zugleich Befürchtungen, der unbemannte Luftverkehr könne kurzfristig Arbeitsplätze gefährden. Stattdessen, sagt er, kämen ständig neue Anwendungsbereiche dazu. "Konkurrenz sehe ich relativ wenig."

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Quelle: n-tv.de