Wirtschaft

Tarifstreit mit Bahn GDL will vorerst auf Streik verzichten

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GDL-Chef Claus Weselsky will nicht nur für Lokführer und Zugbegleiter einen Tarifvertrag aushandeln, sondern für alle Mitglieder.

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild)

Die Fronten zwischen der Bahn und der Lokführer-Gewerkschaft im Tarifstreit sind auch nach dem fünftägigen Streik weiter verhärtet. Der Konzern will zwar verhandeln, aber ohne neues Angebot. GDL-Chef Weselsky reicht das nicht. Einen vierten Streik schließt er trotzdem aus - vorerst.

Die Deutsche Bahn hat nach dem Ende der dritten Streikrunde der GDL die Lokführergewerkschaft erneut zu einer Rückkehr an den Verhandlungstisch aufgerufen. "Wir sind fest davon überzeugt, dass wir am Verhandlungstisch eine Lösung erreichen können", sagte eine Bahn-Sprecherin. Sie verwies darauf, dass ein Angebot des Konzerns auf dem Tisch liege, das "bereits wesentliche Forderungen der Gewerkschaft" erfülle - dieses Angebot hatte die GDL in der vergangenen Woche allerdings als nicht annehmbar zurückgewiesen. "Die GDL muss endlich ihre Blockade aufgeben und mit uns verhandeln", erklärte die Sprecherin weiter. "Wir sind dazu jederzeit bereit."

GDL-Chef Claus Weselsky betonte im MDR hingegen, die Forderung der Gewerkschaft, einen Tarifvertrag für alle ihre Mitglieder abzuschließen, sei legitim. Dazu gehörten auch Fahrdienstleiter und Werkstattmitarbeiter. "Solange uns die Deutsche Bahn begrenzen will auf Lokführer und Zugbegleiter, werden wir nicht in den Verhandlungsmodus einrücken können", sagte er. Die Bahn hatte allerdings mit der größeren und konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) bereits 2020 einen Sanierungstarifvertrag geschlossen.

Der GDL-Streik hatte am vergangenen Donnerstag im Personenverkehr begonnen und bis Dienstagmorgen angedauert. Es war bereits die dritte Arbeitsniederlegung im laufenden Tarifkonflikt - und die bislang längste. Hintergrund der Auseinandersetzung ist neben Gehaltserhöhungen auch die Position der Gewerkschaft GDL innerhalb der Bahn.

Zugverkehr laut Bahn wieder normalisiert

Gestern noch hatte sich Weselsky bei einer Kundgebung kämpferisch geäußert mit: "Nach dem Streik ist vor dem Streik." Doch heute betonte er im MDR-Radio, zumindest vorerst keine weiteren Streiks anzukündigen. Zum Ende eines Streiks solle nicht schon mit dem nächsten gedroht werden, sagte er. "Man muss natürlich der anderen Seite auch ein stückweit etwas Zeit geben und Gelegenheit, sich zu korrigieren", sagte Weselsky. Er denke, "dass das immer noch möglich ist". Er setze auf eine Lösung. Hier sei auch der Bund als Eigentümer gefordert. "Hier werden Steuermillionen verbrannt für nichts", sagte Weselsky. Gleichwohl seien die Beschäftigten weiter für Arbeitskampfmaßnahmen bereit, wenn die Bahn sich nicht bewege. "Sie wissen, dass wir die Streiks rechtzeitig ankündigen."

Der Zugverkehr hat sich derweil nach Angaben der Deutschen Bahn nahezu vollständig normalisiert. "Im Fernverkehr fahren bis auf wenige Ausnahmen wieder alle Züge planmäßig", teilte der Konzern mit. Die S-Bahnen in den Regionen Berlin, Hamburg, München, Stuttgart und Frankfurt liefen seit dem Vormittag uneingeschränkt. Auch der Regionalverkehr in bevölkerungsreichen Flächenländern wie Nordrhein-Westfalen, Bayern, Hessen und Baden-Württemberg stehe wieder vollständig zur Verfügung. Wie bei der vorigen Streikrunde vor rund zwei Wochen hatte die Bahn schon am letzten Streiktag begonnen, Personal und Fahrzeuge dorthin zu befördern, wie sie zum regulären Betriebsstart gebraucht wurden.

Streik-Schwerpunkte im Osten und in den Metropolen

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Laut dem aktuellsten Lagebericht der Bahn beteiligten sich an den mehr als fünf Tagen insgesamt mehr als 10.800 Beschäftigte am Streik. Bei rund 7600 davon handelte es sich demnach um Lokführerinnen und Lokführer. Insgesamt gibt es davon bei der Bahn laut Konzern rund 18.700. Die GDL nannte bis zum frühen Nachmittag keine eigenen Zahlen. Die Zahl der Streikenden reichte aus, um einen Großteil des Güter- und Personenverkehrs stark einzuschränken. Im Fernverkehr mussten über das Wochenende 70 Prozent aller Fernzüge gestrichen werden.

Hunderttausende Reisende mussten über das Wochenende mit Zugausfällen und Verspätungen kämpfen. Im Regional- und S-Bahnverkehr fielen 60 Prozent des Angebots aus, mit regional größeren Schwankungen. Der Streik-Schwerpunkt hatte laut Bahn erneut in Ostdeutschland und den Metropolen gelegen. Es war der bislang längste Arbeitskampf in der laufenden Tarifrunde.

Quelle: ntv.de, joh/AFP

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