Wirtschaft

Nach der Air-Berlin-Pleite Geht Erbmasse an Lufthansa und Easyjet?

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Air Berlin soll "im Kern" zerschlagen werden.

(Foto: dpa)

Bei der Aufteilung von Air-Berlin-Teilen wird die Lufthansa eine wichtige Rolle spielen. Auch der britische Billigflieger Easyjet soll einen Teil des Kuchens bekommen. Das passt Ryanair gar nicht. Die Iren reichen Beschwerden bei den Kartellbehörden ein.

Eine Komplettübernahme der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin durch die Lufthansa wird nach Informationen der "Welt" nicht möglich sein. Neben der Lufthansa solle auch die britische Billigfluggesellschaft Easyjet einen Teil von Air Berlin übernehmen, berichtet das Blatt unter Berufung auf Informationen aus Branchenkreisen.

Das Bundeskartellamt sei vorab informiert worden und habe die EU-Kommission in diesem Zusammenhang kontaktiert, heißt es in dem Bericht weiter. Insider gingen davon aus, dass die Brüsseler Wettbewerbsbehörde über die Zukunft von Air Berlin entscheiden werde.

"Im Kern" solle Air Berlin zerschlagen werden, sagte ein Branchenkenner demnach. Es hänge vom Ausgang der kartellrechtlichen Verhandlungen ab, welche Teile und Strecken genau an die beiden Airlines gehen.

Eine Übernahme von Air-Berlin-Teilen durch die Lufthansa müsse in jedem Fall fusionskontrollrechtlich gründlich geprüft werden, sagte der Bonner Jurist Daniel Zimmer, der bis 2016 Chef der Monopolkommission war, der "Welt". Zimmers Vorgänger Justus Haucap fürchtet Folgen für die Kunden: "Wenn die Lufthansa zusätzliche Start- und Landerechte an begehrten Flugplätzen wie Düsseldorf oder Frankfurt erlangen würde, wäre mit erheblichen Preissteigerungen zu rechnen", sagte Haucap.

Ryanair reicht Beschwerde ein

Derweil geht der irische Billigflieger Ryanair gegen die Staatshilfen für die Air Berlin vor und legt Beschwerde bei den Kartellbehörden ein. Der Insolvenzantrag sei mit dem Ziel arrangiert worden, dass die Deutsche Lufthansa eine schuldenfreie Air Berlin übernehmen könne, erklärte Ryanair. Dies verstoße gegen deutsche und EU-Wettbewerbsregeln. Reisende müssten künftig höhere Preise für Tickets zahlen, warnte Ryanair. Deshalb würden Bundeskartellamt und EU-Kommission aufgefordert, umgehend Schritte zu unternehmen.

"Hierbei werden die Air-Berlin-Anteile unter Ausschluss der größten Wettbewerber zerstückelt und sowohl die Wettbewerbsregeln der EU als auch die Bestimmungen zu staatlichen Beihilfen ignoriert", heißt es in einer Ryanair-Pressemitteilung.

"Angesichts der Tatsache, dass die deutsche Regierung unmittelbar in diesen Verhandlungen involviert ist, scheint es unwahrscheinlich, dass das Bundeskartellamt aktiv wird. Unter diesen Voraussetzungen und in Anbetracht des Ausmaßes der Umverteilung von Marktanteilen und daraus resultierenden Implikationen für den europäischen Markt, ist es umso wichtiger, dass die Europäische Kommission unverzüglich und entschieden handelt."

Die Bundesregierung springt mit einem 150 Millionen Euro schweren Kredit der KfW ein. Sie sorgt dafür, dass Air Berlin die nächsten drei Monate überbrücken kann und die Maschinen nicht am Boden bleiben müssen. Das Geld soll bis Ende November reichen.

Quelle: n-tv.de, wne/AFP/rts

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