Wirtschaft

Flüchtiger Ex-Chef von Renault Ghosn stellt Kooperationsbedingungen

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Carlos Ghosn sagt, er sei bereit, alle Fragen des französischen Ermittlungsrichters zu beantworten.

(Foto: picture alliance/dpa)

Im Dezember 2019 flüchtet der ehemalige Renault-Chef Carlos Ghosn unter bemerkenswerten Umständen in den Libanon, um einem Prozess in Japan wegen Veruntreuung zu entgehen. Nun will der 66-Jährige mit den französischen Ermittlern kooperieren - zu seinen Bedingungen.

Carlos Ghosn hat der französischen Justiz vorgeschlagen, ihn an seinem Aufenthaltsort Beirut im Libanon zu befragen. "Es gibt ein technisches Hindernis", sagte er der französischen Zeitung "Le Parisien". "Mein Pass ist in den Händen des Generalstaatsanwalts im Libanon, da Japan einen internationalen Haftbefehl gegen mich ausgestellt hat". Auch wenn Frankreich kein Auslieferungsabkommen mit Japan habe, könne ihm niemand versichern, dass die Reise nach Frankreich "ohne Unterbrechungen und unfallfrei" vonstattengehe. Seine "Sicherheit" und "Bewegungsfreiheit" müssten garantiert sein. Deshalb sei er der Vorladung eines Untersuchungsrichters im Pariser Vorort Nanterre am 13. Juli nicht gefolgt.

Ghosn war im November 2018 in Tokio unter anderem wegen Verstoßes gegen Börsenauflagen festgenommen und angeklagt worden. Im April 2019 wurde der Architekt des französisch-japanischen Autobündnisses Renault-Nissan-Mitsubishi unter strengen Auflagen auf Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen. Ghosn floh dann Ende Dezember unter dubiosen Umständen in einem Privatjet unter anderem über die Türkei nach Beirut. Er soll in einer Kiste versteckt gewesen sein, die am Flughafen als Gepäck für Musikinstrumente deklariert war und nicht durchleuchtet wurde. Ghosn hatte die Vorwürfe gegen ihn in Japan mehrfach zurückgewiesen.

Der 66-Jährige sagte, er sei bereit, alle Fragen des französischen Ermittlungsrichters zu beantworten. Die französische Justiz hatte schon vor längerem bestätigt, eine mutmaßliche Veruntreuung von Geldern bei Renault durch Ghosn zu untersuchen. Dabei geht es um Vorwürfe des Missbrauchs von Unternehmenseigentum, Vertrauensbruch und Verschleierung beim französischen Autobauer.

Die Autoallianz von Renault und Nissan geriet nach dem Ghosn-Skandal in eine Krise - Renault will weltweit 15.000 Jobs abbauen und viel sparen. Die derzeitigen Geschäftsergebnisse von Renault und Nissan bezeichnete Ghosn als "jämmerlich". Für den Herbst verspricht der gebürtige Brasilianer die Veröffentlichung eines Enthüllungsbuches.

Quelle: jrh/dpa/AFP

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