Wirtschaft

Peking verlängert Lizenz Google bleibt in China

Google atmet auf: Die chinesische Regierung verlängert die Lizenz des Internetgiganten. Daran ändert auch der Streit um die Internetzensur nichts, denn unliebsame Inhalte können Chinesen durch Google zwar finden, aber nicht lesen.

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Peking verlängert die Lizenz von Google.

(Foto: REUTERS)

Das Zittern für Google in China ist vorerst vorbei: Die Regierung in Peking hat die Betreiberlizenz des Internetkonzerns erneuert. "Wir bieten unseren Nutzern in China weiterhin die Websuche und lokale Produkte an", teilte Google in einem Firmenblog mit. Die Lizenz muss jedes Jahr verlängert werden, seit gut einer Woche hatten die Behörden die Erneuerung geprüft. Google liegt mit Peking wegen der Internetzensur im Streit.

Durch die Neuzulassung vermeidet der US-Internet-Konzern, dass die Suchmaschine in dem weltweit größten Internetmarkt mit 384 Mio. Nutzern abgeschaltet wird. Vergangene Woche hatte Google bereits mitgeteilt, nicht mehr wie seit März automatisch Nutzer der chinesischen Google-Seite auf die unzensierte Hongkonger Seite umzuleiten und sich um eine Erneuerung der Lizenz in der Volksrepublik zu bemühen.

Streit um Zensur

Der Konzern beugt sich nach einer Hackerattacke nicht mehr den üblichen Zensurbestimmungen. Seit März wurden die Suchanfragen auf der chinesischen Website google.cn automatisch auf die unzensierte Hongkonger Adresse google.com.hk weitergeleitet.

Dort sehen die chinesischen Nutzer immerhin die Überschriften aller Suchergebnisse, auch wenn die Behörden unliebsame Inhalte wie Informationen über Tibet oder das Blutvergießen auf dem Platz des Himmlischen Friedens blockieren. Die Hongkonger Seite liefert bei politisch sensiblen Themen also kaum mehr Informationen als die chinesische Suchmaschine - einige Seiten, wie beispielsweise von Dissidenten oder verbotenen Organisationen werden angeboten, lassen sich jedoch nicht öffnen. Nutzer bekommen dadurch allerdings einen Eindruck, ich welchem Ausmaß Peking zensiert.

Vergangene Woche setzte Google diese automatische Weiterleitung aus. Die Chinesen müssen jetzt selbst auf einen Link zur Hongkong-Website klicken. Die Änderung war offenbar ein Entgegenkommen an die chinesischen Behörden. Die Google-Lizenz für China läuft im Prinzip bis 2012, sie muss aber jedes Jahr erneuert werden.

Hackerangriffe aus China

Der Streit zwischen Google und Peking war nach Hackerangriffen auf Google und andere US-Unternehmen eskaliert. In den USA wurde vermutet, dass die chinesische Regierung hinter den Attacken stecken könnte. Unter anderem hatten die Hacker versucht, E-Mail-Konten von Regimegegnern zu knacken.

Im Januar hatte Google mit der Ankündigung reagiert, Chinas staatlich vorgeschriebene Zensur der Suchergebnisse nicht länger hinnehmen zu wollen und sich notfalls aus dem Land zurückzuziehen. Zugleich beklagte Google Hacker-Angriffe aus China. Im März führte Google dann die Umleitung ein.

Die Vorwürfe hatten das Verhältnis zwischen den USA und China deutlich belastet. Zuletzt ließen die Spannungen wieder nach.

Analysten gehen davon aus, dass die Entscheidung des Konzerns, nicht mehr automatisch umzuleiten, zur Bereitschaft der Regierung beitrug, Google einen Fuß auf dem chinesischen Markt zu lassen. Die Amerikaner hätten dadurch gezeigt, dass sie zu Kompromissen bereit seien und Gesicht zeigen könnten, sagte Branchenkenner Edward Yu von Analysys International. Die Anleger des chinesischen Suchmaschinen-Marktführers Baidu zeigten sich von der Entscheidung der Regierung enttäuscht. Vorbörslich fielen die in New York gelisteten Anteilsscheine um mehr als vier Prozent. Die Papiere von Google legten hingegen um mehr als drei Prozent zu.

Neben politisch unerwünschten Internetseiten sind in China auch populäre Netzwerke wie Facebook, Twitter oder YouTube geblockt.

Quelle: ntv.de, jga/rts/dpa/AFP

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