Wirtschaft

"Jahrhundert-Anleihe" Griechenland denkt nach

Ungewöhnliche Umstände erfordern ungewöhnliche Maßnahmen: Griechenland erwägt eine 100 Jahre laufende Staatsanleihe als Option im Kampf gegen die hohe Verschuldung. Als Vorbild gilt dabei Mexiko. Nach Angaben eines Banker sind die Finanzierungskosten für Athen "fürchterlich". Wichtiger sei aber die Vermeidung der Zahlungsunfähigkeit.

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Seit Monaten am Rande der Zahlungsunfähigkeit.

(Foto: dpa)

Im Kampf gegen die hohe Verschuldung denkt Griechenland über die Ausgabe einer Staatsanleihe mit einer Laufzeit von 100 Jahren nach. Würde sie dieses Jahr platziert, wäre die Rückzahlung im Jahr 2111. Das heißt, wer die Anleihe kauft, erlebt die Auszahlung nicht mehr.

Dies sei eine der untersuchten Optionen, sagte einer der Banker, die den Mittelmeer-Anrainer beraten, der Thomson Reuters-Fachpublikation IFR. BNP Paribas, Deutsche Bank, HSBC und Lazard sollen der Regierung von Ministerpräsident Giorgos Papandreou dabei helfen, die Schulden-Probleme des Landes in den Griff zu bekommen.   

Mexiko hat im August erfolgreich einen "Jahrhundert-Bond" platziert und damit einige Banker auf die Idee gebracht, ähnliches in Griechenland zu versuchen. Das lateinamerikanische Land hat mit der Emission im August bereits zum zweiten Mal binnen eines Jahres Anleihen mit dieser ultralangen Laufzeit im Volumen von einer Milliarde Dollar verkauft.

"Die Finanzierungskosten für Griechenland werden fürchterlich sein, aber wichtiger ist, dass die Zahlungsunfähigkeit vermieden wird", sagte RBS-Zinsstratege Tim Jagger. Die Prämien für Kreditausfall-Versicherungen (Credit Default Swaps/CDS) signalisieren derzeit eine 94-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass Griechenland innerhalb der kommenden fünf Jahre zahlungsunfähig wird.        

Dem Banker zufolge würde eine griechische "Jahrhundert-Anleihe" nach dem Vorbild der sogenannten "Brady Bonds" aufgebaut. Diese nach dem ehemaligen US-Finanzminister Nicholas Brady benannten Papiere dienten in den 1980er Jahren der Refinanzierung einiger zahlungsunfähiger Staaten in Lateinamerika und hatten meist eine Laufzeit zwischen zehn und 30 Jahren.

Troika-Arbeit unter schwierigen Bedingungen 

Begleitet von Protesten haben die Experten von EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) ihre Arbeit in Athen fortgesetzt. Die sogenannte Troika besuchte das Transportministerium, um über das brenzlige Thema Öffnung von Berufsständen im Verkehrswesen zu beraten, wie es aus Ministeriumskreisen hieß. Lastwagen- und Taxibesitzer sperren sich gegen die Öffnung ihres Berufes und sorgen mit Streiks immer wieder für Verkehrschaos in Athen.

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Mitarbeiter der Troika auf dem Weg zur Arbeit.

(Foto: dpa)

Vor dem Ministerium versammelten sich rund 50 Staatsbedienstete und blockierten den Eingang. Sie protestierten damit gegen bevorstehende Entlassungen im staatlichen Bereich. Der Streit mit den Taxieignern dauert mittlerweile fast drei Monaten an. Im Juli hatten die Taxifahrer 19 Tage lang gestreikt. Auch am Vortag demonstrierten sie vor dem griechischen Parlament. Zuvor hatten sie abermals zwei Tage lang die Arbeit niedergelegt: "Wir werden nicht nachgeben. Es wird Blut fließen", skandierten die Demonstranten.

Die Troika prüft unter anderem, wieso die staatlichen öffentlichen Verkehrsmittel in Athen immer noch Defizite in Höhe von rund 150 Millionen Euro im Jahr produzieren. Die Geldgeber erwarten den Bericht der Experten aus Athen. Geben sie kein grünes Licht für die nächste Tranche der Finanzhilfe in Höhe von acht Milliarden Euro, ist Griechenland Mitte Oktober zahlungsunfähig. Die Entscheidung soll am 13. Oktober fallen.

Finnland-Lösung in Sicht

Eine wertvolle Einigung zeichnet sich auf dem Weg dahin ab. Nach Einschätzung der Bunderegierung steht die Euro-Gruppe vor einer Einigung, um die Bedenken Finnlands gegen weitere Griechenland-Hilfen aus dem Weg zu räumen. Er sei optimistisch, dass dieses Problem "kurz vor einer Lösung steht", sagte der Sprecher des Bundesfinanzministeriums, Martin Kotthaus, in Berlin.

Vielleicht könnte eine Einigung bereits an diesem Montag beim Treffen der Euro-Finanzminister in Luxemburg verkündet werden. Finnland fordert als einziges Euroland beim zweiten Griechenland-Hilfspaket zusätzliche Garantien. Einer Sonderregelung für die Finnen müssen alle 17 Euro-Länder zustimmen.

Quelle: n-tv.de, rts/dpa