Wirtschaft

Neue Anleihe Griechenland fragt erneut den Markt

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(Foto: REUTERS)

Der Test im April verläuft beinahe überwältigend: Angesichts der weiter niedrigen Zinsen will sich Griechenland erneut am Anleihemarkt finanzieren. Und die Chancen stehen erneut gut.

Griechenland wagt sich zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit an den Kapitalmarkt. Dem Euro-Krisenland war erst im April nach vier Jahren Abwesenheit ein Comeback mit einer Milliarden-Anleihe gelungen. Nun kündigte das Finanzministerium einen Drei-Jahres-Bond an. Dieser solle in naher Zukunft platziert werden - sobald die Marktbedingungen dies zuließen.

Vorgesehen ist nun die Aufnahme von mindestens 500 Millionen Euro. Einige Marktteilnehmer glauben, dass das Emissionsvolumen der geplanten dreijährigen Anleihe sogar bis zu 3 Milliarden Euro umfassen könnte. Die Anleihe wird im syndizierten Verfahren voraussichtlich am Donnerstag begeben. Die Emission des neues Bonds wird von fünf Konsortialbanken begleitet: Bank of America Merrill Lynch, Citigroup, Deutsche Bank, Goldman Sachs und JP Morgan. Diese teilten mit, die Rendite der neuen Anleihe werde voraussichtlich zwischen 3,5 und 3,625 Prozent liegen.

Große Nachfrage im April

"Griechenland profitiert von seinem wachsenden Primärüberschuss", sagt Alberto Gallo von der Royal Bank of Scotland. Das Land verzeichne ferner mehr internationale Investitionen, die Beschäftigtenzahl steige, und das Wirtschaftswachstum ziehe allmählich an, fügte er hinzu.

Im April war das Land mit einer fünfjährigen Anleihe an den Kapitalmarkt zurückgekehrt. Die Rendite betrug damals 4,95 Prozent. Das Interesse der Anleger war groß, wie die beteiligten Banken berichteten. Bei einem Emissionsvolumen von 3 Milliarden Euro seien Gebote über etwa 20 Milliarden Euro eingegangen.

Niedrigzinsen locken ins Abenteuer

Griechenland profitiert indessen auch davon, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen in der Eurozone niedrig hält, um die Wirtschaft der Region in Gang zu bringen. Im vergangenen Monat hat die EZB den Leitzins auf das Rekordtief von 0,15 Prozent gesenkt und zudem negative Einlagezinsen eingeführt.

In der Folge sanken die Renditen europäischer Staatsanleihen. Die Rendite zehnjähriger spanischer Anleihen fiel im Juni auf das Rekordtief von 2,58 Prozent. Zehnjährige italienische Anleihen rentierten am Montag bei rekordniedrigen 2,70 Prozent. Selbst die Rendite zehnjähriger griechischer Anleihen kam vergangenen Monat deutlich auf 5,53 Prozent zurück. Im Jahr 2012 hatten griechische Anleihen zeitweise mit über 30 Prozent rentiert.

Stabiler Ausblick

Ungeachtet dessen bleiben einige Anleger weiterhin skeptisch: Fundamental habe Griechenland nur wenige Fortschritte gemacht, sagt Ben Bennet von Legal & General Investment Management in London. Es seien allein die hohe Liquidität und der Renditehunger der Anleger, die dem Land Zugang zum Markt verschafften. "Das zeigt nur, wie verrückt und verantwortungslos die Lage auf dem Markt derzeit ist."

Die drei großen Ratingagenturen bescheinigen Griechenland derzeit eine Bonität unterhalb des Investment-Grade-Segments bei stabilem Ausblick. Bei Moody's hat das Land die Note Caa3, Standard & Poor's bewertet Griechenland mit B-, Fitch gibt ihm die Note B.

Griechenland war im Zuge der Euro-Schuldenkrise 2010 und 2012 mit massiven Hilfspaketen von seinen Euro-Partnern und dem Internationalem Währungsfonds (IWF) vor dem finanziellen Kollaps gerettet worden. Erst zu Wochenbeginn hatten die Finanzminister der Eurogruppe den Weg freigemacht für die Überweisung einer weiteren Milliarde Euro an Hilfsgeldern, nachdem das Land eine Reihe von Auflagen erfüllt hatte.

Der Sparkurs der Regierung stößt bei vielen Griechen auf Kritik. Mit einem 24-stündigen Streik protestierten am Mittwoch Staatsbedienstete gegen die von den internationalen Geldgebern geforderten Entlassungen. Die Gewerkschaften kämpfen seit langem gegen Pläne, die Zahl der 600.000 Arbeitsplätze im Öffentlichen Dienst zu reduzieren.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/DJ

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