Wirtschaft

Ifo-Studie belegt Leistungsdelle Heil rückt vom Anspruch auf Homeoffice ab

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Arbeitnehmer bewerten ihre Produktivität im Homeoffice viel positiver als die Arbeitgeber.

(Foto: picture alliance/dpa)

Eine Ifo-Studie belegt, dass Arbeitgeber das Homeoffice viel weniger schätzen als Arbeitnehmer. Bundesarbeitsminister Heil würde die Heimarbeit gerne auch nach der Corona-Krise mit Rechtsanspruch verankern. Diese Idee gibt er nun auf, weil der Widerstand der Union zu groß ist.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil geht bei seinen Plänen für einen Rechtsanspruch auf Homeoffice auf die Union zu. Er sei bereit, den Anspruch auf 24 Tage im Jahr zurückzustellen, sagte der SPD-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Er plädiere aber dafür, zumindest einen modernen Rahmen für mobile Arbeit zu beschließen. "Es geht mir darum, dass wir weiterkommen." Er wolle den Beschäftigten rechtlich den Rücken stärken, die mobil arbeiten wollten, sagte der SPD-Politiker.

Heil hatte einen Gesetzentwurf Anfang Oktober vorgelegt. Kritik kam vom Koalitionspartner Union und aus der Wirtschaft. In der Coronavirus-Krise haben viele Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz nach Hause verlegt. Einer Befragung zufolge wollen rund zwei Drittel auch nach der Krise einige Tage pro Woche im Homeoffice arbeiten. Aus Sicht der Union muss dies nicht zwingend per Gesetz geregelt werden, sondern vor Ort von den Arbeitgebern.

Ifo-Umfrage: Firmen sehen Homeoffice negativer

Deutschlands Firmen sehen einer neuen Umfrage zufolge das Homeoffice weit weniger positiv als viele Arbeitnehmer. Demnach bemerkt nur eine kleine Minderheit von 5,7 Prozent der Unternehmen eine Steigerung der Produktivität beim mobilen Arbeiten. Dagegen meldeten 30,4 Prozent der Firmen unveränderte und 27 Prozent sogar gesunkene Produktivität ihrer Belegschaften. Das Münchner Ifo-Institut befragte im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen im Oktober dazu 1097 Unternehmen.

"Die Erklärung für die geringere Produktivität mag auch darin liegen, dass Unternehmen ein sozialer Ort sind", sagte Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung. "Der persönliche Kontakt der Mitarbeiter untereinander schafft eine Dynamik und Innovationskraft, die auch Videokonferenzen nicht ersetzen können."

Die Frage, ob die Tätigkeit im Heimbüro die Produktivität steigert oder nicht, ist ein politischer Zankapfel. Im Sommer hatte die Krankenkasse DAK nach der Befragung von 7000 Arbeitnehmern mitgeteilt, dass eine Mehrheit von 56 Prozent sich selbst im Homeoffice produktiver einschätze. Die DAK-Studie dient der SPD als Schützenhilfe für ihre Forderung eines gesetzlich verankerten Rechts auf Homeoffice. Auch aus anderen Ländern gibt es Studien und Umfragen zu dem Thema, mit widersprüchlichen Ergebnissen. Laut Ifo-Umfrage sehen vor allem kleine Firmen die Arbeit im Homeoffice skeptisch. Nur 2,9 Prozent der Unternehmen mit bis zu neun Mitarbeitern berichteten von steigender Produktivität. Bei den Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern waren es 8 Prozent.

Quelle: ntv.de, mau/dpa