Wirtschaft

Interview mit Christian Apelt "Heilsame Effekte"

Der Euro steht unter Druck. Der Fall Griechenland wird zur Belastungsprobe. n-tv.de sprach mit Christian Apelt, Devisenstratege bei der Hessischen Landesbank, über die Träume von der Leitwährung, einen fairen Euro-Kurs und den chinesischen Einfluss auf das weltweite Währungssystem.

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Geschäftsaufgabe in Athen: Griechenlands Wirtschaft stehen harte Jahre bevor.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

n-tv.de: Welchen Einfluss hat das Haushaltsdesaster Griechenlands für den Euro als Währung?

Christian Apelt: Der Euro ist bereits seit gut zwei Monaten unter Druck. Das ist nicht nur der Faktor Griechenland, der da eine Rolle spielt. Im Grunde ist Griechenland ein eher kleines, unbedeutendes Land in der Euro-Zone. Griechenland ist dennoch ein wichtiger Faktor, weil es nicht das einzige Land innerhalb der Währungsunion mit Haushaltsproblemen ist. Es ist im gewissen Sinne die Spitze des Eisberges. Es besteht die Gefahr, dass sich die Malaise auch auf andere Länder auswirken könnte. Deshalb berührt der Vorfall auch den Euro.

Angst vor einer Kettenreaktion?

Gewissermaßen. Man kann das an den Märkten zu einem gewissen Grad schon festmachen. Die Risikoprämien für diese Länder sind ebenfalls angestiegen, wenn auch noch nicht so hoch wie für Griechenland. Aber es gibt schon Ansätze zu einem Dominoeffekt, weil auch diese Länder ein hohes Haushaltsdefizit haben.

Ist der Dämpfer für den Euro nicht sogar ein bisschen heilsam? Schließlich hat der hohe Kurs unsere Außenwirtschaft belastet.

Das hat sicher auch heilsame Effekte für die gesamte Euro-Zone. Zum einen war der Euro deutlich überbewertet, ist auch zum derzeitigen Kurs noch leicht über einem fairen Wert. Neben Deutschland könnten auch Länder wie Spanien und Griechenland von einem niedrigeren Kurs profitieren. Für uns ist das ein netter Nebeneffekt, für die ganze Euro-Zone ist das aber durchaus wichtig.

Mit Spanien und Portugal haben wir ja noch zwei weitere Länder mit enormem Haushaltsdefizit und hoher Staatsverschuldung. Was passiert, wenn eines dieser Länder kippt?

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Christian Apelt ist Devisenstratege bei der Hessischen Landesbank.

Spanien ist von der wirtschaftlichen Bedeutung her gesehen wesentlich wichtiger als Griechenland. In Spanien finden wir aber eine etwas andere Ausgangslage vor. Bis zur Finanzkrise haben wir dort eine deutlich geringere Staatsverschuldung als in Griechenland. In der Krise ist sie deutlich angestiegen. Das Problem ist die Wirtschaftslage dort. Der Immobilienmarkt ist eingebrochen. Die Gesamtwirtschaft leidet und erholt sich auch wesentlich schwächer als die Euro-Zone. Diese ökonomischen Probleme lasten auch auf dem spanischen Haushalt. Konsolidierungsbemühungen gibt es, von daher sieht die Lage in Spanien nicht ganz so kritisch aus. Aber Risiken gibt es.

Was bedeutet die aktuelle Krise des Euro auf lange Sicht für die Währung? Ein Ende der politischen Träume von einer Leitwährung?

Man sieht, dass die Wahrnehmung in der Politik etwas einseitig war. Andere Währungen wie der Dollar haben auch Probleme. Aber beim Euro gibt es eben ganz spezielle Voraussetzungen. Deshalb ist er in der derzeitigen Phase nicht dazu geeignet, die Nachfolge des Dollar anzutreten. Er ist immer noch ein schwächerer Konkurrent. Als Reservewährung findet er seinen Platz, aber die große Aufholjagd wird es nicht geben. Dazu müsste die Euro-Zone ihre hausgemachten Probleme lösen.

Welchen Wert halten Sie denn derzeit für eine faire Bewertung des Euro?

Geht man nach dem Begriff der Kaufkraftparität, sprich der Vergleich von Warenkörben in den USA und in Europa, dann läge man mit einem fairen Wert bei 1,20 Dollar. Zieht man Zinssätze und weitere Faktoren hinzu, dann läge der Wert etwas höher, bei 1,30 oder 1,35 etwa. Eine faire Bewertung würde also etwa bei 1,30 Dollar liegen. Damit könnten wir in Europa ganz gut leben. Das gilt aber nur für die derzeitige Phase. Die Amerikaner haben beispielsweise auch kein Interesse daran, dass der Dollar zu stark wird. Denn auch die haben noch gewisse Defizite im Außenhandel.

Welche Rolle spielen denn die Chinesen im Weltwährungssystem?

China spielt gesamtwirtschaftlich, aber auch gerade an den Devisenmärkten eine große Rolle. Das Land ist der größten Besitzer an Devisenreserven überhaupt. Der Grund dafür ist, dass China seine Währung fixiert hat. Das bedeutet, dass sie am Devisenmarkt agieren und ihre Währung künstlich niedrig halten. Folglich müssen sie Devisenreserven horten, in erster Linie US-Dollar. Änderungen an dieser Politik wären wünschenswert, sind aber nicht absehbar. Was Griechenland angeht: Die Wünsche nach einem chinesischen Einstieg zeigt vielleicht eher die Verzweiflung. Der Markt hat das auch eher als negatives Zeichen interpretiert.

Würde eine veränderte Wechselkurspolitik der Chinesen dem Euro helfen?

Das hätte auf jeden Fall Auswirkungen auf das Euro-Dollar-Verhältnis.

Positive oder negative?

Es gibt verschiedene Effekte. Zunächst mal, denkbar einfach, wenn die Chinesen weniger Dollar kaufen, wäre das gut für den Euro. Auf der anderen Seite haben die Amerikaner immer noch ein Leistungsbilanzdefizit, was tendenziell den Dollar belastet. Das Hauptproblem ist aber nicht der Wechselkurs Euro-Dollar, sondern der Kurs des Dollar gegenüber dem chinesischen Yuan. Wenn der Dollar abgewertet werden würde, dann hätte das positive Effekte auf den US-Außenhandel. Das wiederum würde dem Dollar gegenüber dem Euro helfen. Insgesamt ist es aber schwer abzuschätzen und jede Aussage wäre spekulativ.

Mit Christian Apelt sprach Markus Mechnich

Quelle: n-tv.de

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