Chemiekonzern schon betroffenIW-Ökonom rechnet wegen Rhein-Niedrigwasser mit Produktionseinbußen

Im Laufe dieser Woche droht ein neuer Tiefstand des Rheins, was die Binnenschifffahrt und damit die Lieferketten bedroht. Der Chemiekonzern Covestro spürt bereits die Auswirkungen angesichts der schleppenden Rohstoffversorgung.
In Kaub in Rheinland-Pfalz wird im Laufe dieser Woche ein neuer Tiefststand des Rhein-Pegels erwartet. Damit wäre die wichtige Wasserstraße Deutschlands nicht mehr durchgängig befahrbar, sodass angesichts durchbrochener Lieferketten laut Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Produktionskürzungen drohen. "Südlich von Kaub droht jetzt ein komplettes Abschneiden der Transportwege und damit eine Zweiteilung des Rheins. Da weder Straße noch Schiene in der Lage sind, die anfallenden Güter aufzunehmen, besteht die wahrscheinlichste Reaktion der Grundstoffindustrien in einer Produktionsreduktion", sagte IW-Verkehrsexperte Thomas Puls der "Rheinischen Post". "Nördlich der Engpassstelle Kaub sind wir damit konfrontiert, dass die Schiffe weniger Ladung nehmen können", erklärte der IW-Ökonom.
Der Chemiekonzern Covestro meldet aufgrund des niedrigen Rhein-Pegels bereits erste Einschränkungen: "Aufgrund der akuten Niedrigwasserlage ist der Rohstoff- und Warenverkehr derzeit erheblich eingeschränkt. Dies wirkt sich inzwischen auch auf die Rohstoffversorgung und die Produktion einzelner Betriebe sowie die Lieferung einzelner Produkte aus", räumte ein Covestro-Sprecher ein.
Die Lockerung des Sonntagsfahrverbots für Lastwagen helfe dem Chemiekonzern kaum. "Ein Aussetzen des Lastwagen-Fahrverbots kann zwar kurzfristig helfen. Aber die Schiff-Transporte über den Rhein sind auf der Straße praktisch nicht zu kompensieren, denn ein Binnenschiff mit einer Tragfähigkeit von 1500 Tonnen ersetzt circa 60 Lastwagen. Daher lässt sich der Schiffsverkehr nicht vollständig auf die Straße verlagern", beklagte der Covestro-Sprecher.
Bei einem Spitzentreffen mit Wirtschaftsverbänden und Unternehmen hatte der neue Bundesverkehrsminister Steffen Bilger mehrere Sofortmaßnahmen angekündigt, um Lieferketten auf wichtigen Wasserstraßen wie Rhein, Donau und Elbe aufrechtzuerhalten. Mehrere Bundesländer hatten das Fahrverbot daraufhin vorübergehend aufgehoben. Dazu zählen bisher Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg sowie das Saarland.