Wirtschaft

Nur 185.000 neue WohnungenIfo: Deutscher Wohnungsbau auf 15-Jahres-Tief

23.07.2026, 14:51 Uhr
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Zwischen Genehmigung und Fertigstellung kann eine lange Zeit vergehen. (Foto: picture alliance / Rene Traut Fotografie)

Deutschland fehlen etwa 1,4 Millionen Wohnungen, schätzen Experten. Dieses Jahr wird laut Prognose des Ifo-Instituts nicht zur Entspannung der Lage beitragen. Die Aussichten für den Wohnungsbau sind dunkel. Die Münchner Ökonomen sehen mehrere Gründe dafür.

Der deutsche Wohnungsbau stürzt 2026 einer Prognose des Ifo-Instituts zufolge auf ein 15-Jahres-Tief. Nur noch 185.000 Einheiten dürften fertiggestellt werden, sagten die Münchner Ökonomen voraus. Das wäre der niedrigste Wert seit 2011 und deutlich weniger als im vergangenen Jahr mit 206.600 Wohnungen. Erst 2027 soll wieder etwas mehr gebaut werden: Dann könnten es 195.000 Einheiten sein. "Die Aussichten für den Wohnungsbau in Deutschland hatten sich bis zum Februar zwar etwas aufgehellt", sagte Ifo-Branchenexperte Ludwig Dorffmeister. "Der Iran-Krieg und die anziehende Bauinflation dürften den Projektentwicklern und Häuslebauern das Leben aber wieder erschweren."

Bis 2028 dürften die Fertigstellungen mit 210.000 Einheiten die Zahl von 2025 erstmals wieder leicht überschreiten, wie aus den Prognosen der Forschergruppe Euroconstruct hervorgeht, zu der das Ifo-Institut gehört. "Zu den Gründen für die sehr langsame Erholung zählt auch die lange Zeitspanne zwischen Genehmigung und Fertigstellung, die sich seit Beginn dieses Jahrzehnts um etwa ein halbes Jahr auf 27 Monate vergrößert hat", sagte Dorffmeister.

Experten schätzen, dass in Deutschland rund 1,4 Millionen Wohnungen fehlen. Besonders angespannt ist die Lage in Großstädten. Die Bundesregierung will mit dem sogenannten Bauturbo gegensteuern. Damit wird es Kommunen erlaubt, schneller nachzuverdichten, aufzustocken, zu erweitern und umzunutzen. Zudem sollen Rekordmittel in den sozialen Wohnungsbau fließen. Auch sollen Baustandards gesenkt werden.

Trotz Zuwachs bei Baugenehmigungen

"Die Errichtung von Wohnraum ist einfach viel zu teuer, weil die Preise für Bauleistungen in den vergangenen Jahren stark gestiegen sind", sagte Ifo-Experte Dorffmeister. Die Zinsen seien eigentlich nicht besonders hoch. Allerdings fehle nunmehr der Effekt, dass die über viele Jahre extrem niedrigen Zinsen die hohe Kostenbelastung beim Bau ausgleichen konnten. Weitere Probleme wie fehlendes Bauland, hohe Grundstücks- und Transaktionskosten wie etwa die Grunderwerbsteuer vervollständigten das negative Bild.

Dennoch steigt die Zahl der Baugenehmigungen seit einem Jahr kontinuierlich. Allein im Mai legte sie um 24,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 21.000 Wohnungen zu. Das war nicht nur das zwölfte Plus in Folge, sondern zugleich der größte Zuwachs seit September 2025. Diese hohen Steigerungsraten müssten aber vorsichtig interpretiert werden, da diese Vorhaben noch vor dem Iran-Krieg initiiert worden seien, sagte Dorffmeister. Gleichwohl sind auch diese absoluten Werte nicht besonders hoch. Zudem würden immer mehr Genehmigungen erlöschen und viele schon genehmigte Vorhaben gar nicht angefangen, weil die Bauherren zögerten.

Für den europäischen Wohnungsbau rechnet die Expertengruppe mit einer moderaten Ausweitung der Bauaktivitäten bis 2028. Gemäß der Prognose klettert die Fertigstellungszahl in den Jahren 2026 und 2027 auf 1,44 beziehungsweise 1,51 Millionen Wohneinheiten. Für 2028 rechnen die Bauexperten mit einem Fertigstellungsvolumen von 1,57 Millionen Einheiten. "In Ländern wie Spanien, Frankreich und Großbritannien dürften in den kommenden Jahren deutlich mehr Wohnungen fertig werden, während es für Deutschland und Italien allenfalls leicht nach oben geht", sagte Dorffmeister.

Quelle: ntv.de, raf/rts

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