Wirtschaft

Bau und Handel tragen Konjunktur Industrie so skeptisch wie in Finanzkrise

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Die deutsche Industrie ist derzeit äußerst missmutig.

(Foto: imago images / Christian Ditsch)

Die DIHK spricht von einem Alarmsignal. Die deutschen Industrieunternehmen haben so geringe Geschäftserwartungen wie seit einem Jahrzehnt nicht. Vor allem die Exporteure sind pessimistisch. Zudem lähmt die schwierige Suche nach Fachkräften.

Die deutsche Industrie wird angesichts der Abkühlung der Weltwirtschaft immer pessimistischer. "Beim Auslandsgeschäft sind die Erwartungen so niedrig wie seit zehn Jahren nicht mehr", sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer. Er sprach von einem "Alarmsignal". Vor einem Jahrzehnt hatte die internationale Finanzkrise die Wirtschaft massiv belastet.

Zumindest der Einzelhandel und die Baubranche blickten weiter auf gute Geschäfte, erläuterte Schweitzer. "Beide Wirtschaftszweige tragen derzeit die deutsche Konjunktur." Der Konsumklima-Index der GfK für Juni sank allerdings leicht auf 10,1 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit gut zwei Jahren.

Der DIHK hat in seiner Frühjahresumfrage Antworten von mehr als 25.000 Unternehmen bekommen. Daraufhin senkte der Verband seine Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes in diesem Jahr auf 0,6 Prozent. Zu Jahresbeginn hatte er noch 0,9 Prozent erwartet. 2018 legte die Wirtschaftsleistung um 1,4 Prozent zu.

Die Industriebetriebe spürten den Handelsstreit und die Brexit-Unsicherheit. Das nehme der Weltwirtschaft den Wind aus den Segeln, konstatierte der DIHK. Noch liege die Investitionsneigung über dem langjährigen Durchschnitt.

"Besonders die exportorientierten Industrieunternehmen fahren ihre Investitionsplanungen aber zurück." Der Mangel an Fachpersonal bremse zudem vor allem bei Gesundheitsdienstleistern und im IT-Bereich den Beschäftigungsaufbau. Er bleibe das größte Risiko für viele Unternehmen.

Aus Sicht des DIHK ist nun die Politik gefordert: "Der Ausbau bei Verkehrs- und IT-Infrastruktur muss hierzulande schneller erfolgen", forderte Schweitzer. Zudem müsse es einen Abbau der Bürokratie geben. "Die letzte Steuerreform liegt schon mehr als eine Dekade zurück."

Einer Umfrage zufolge sind CDU-nahe Unternehmen unzufrieden mit der Arbeit der großen Koalition. Laut Wirtschaftsrat der CDU sind nur elf Prozent mit der Energie- und Digitalisierungspolitik einverstanden. 97 Prozent sind der Ansicht, dass die Bundesregierung den Ausbau des schnellen Internets beschleunigen sollte. Am besten schneidet noch die Haushaltspolitik (48 Prozent) ab, bei der die große Mehrheit der befragten Firmen für ein Festhalten an der Schuldenbremse eintritt. Die Europawahl habe gezeigt, dass sich "teure Wahlgeschenke" für die SPD nicht auszahlten, sagte der Präsident des Wirtschaftsrates, Werner Bahlsen.

Quelle: n-tv.de, jwu/rts

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