Wirtschaft

Vor der EZB-Zinssitzung Inflation steigt leicht

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(Foto: picture alliance / dpa)

In Deutschland legen die Preise wieder einen Tick schneller zu. Doch die Sorgen vor einer Deflation im Euroraum sind damit nicht verschwunden. Denn ein entscheidender Indikator deutet auf sinkende Preise hin.

Die Teuerung hat sich hierzulande etwas beschleunigt. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich im November um 1,3 Prozent zum Vorjahresmonat, nachdem die Teuerungsrate im Oktober noch bei 1,2 Prozent gelegen hatte. Hauptgrund für die insgesamt recht niedrige Inflationsrate ist dem Statistischem Bundesamt zufolge die sinkenden Preise für Benzin, Diesel und Öl. Auch der Preisanstieg bei Nahrungsmitteln war mit 3,2 Prozent nicht mehr so deutlich wie in den Vormonaten. Berechnet nach der Methode für den europäischen Vergleich (HVPI) stieg die Inflation auf 1,6 Prozent, nachdem sie im Oktober noch 1,2 Prozent betragen hatte.

Einige Ökonomen gehen davon aus, dass sich die Deutschen wieder an höhere Teuerungsraten gewöhnen müssen. "Der Preisauftrieb nimmt in der Tendenz allmählich zu", meinte Commerzbank-Experte Johannes Werner. Ein Grund dafür sind steigende Löhne. Die höheren Personalkosten dürften die Unternehmen versuchen, an ihre Kunden weiterzugeben. "Da die Energiepreise weiter fallen, wird die Inflationsrate insgesamt aber auch im nächsten Jahr unter zwei liegen", sagte Werner. Die Wirtschaftsweisen rechnen für 2014 mit einer durchschnittlichen Rate von 1,9 Prozent, nach 1,5 Prozent im zu Ende gehenden Jahr.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte Anfang November den Leitzins auf ein neues historisches Tief von 0,25 Prozent gesenkt und dies vor allem mit der extrem niedrigen Inflation begründet. Im Euroraum hatte sie im Oktober bei lediglich 0,7 Prozent gelegen. Die EZB sieht Preisstabilität bei der Marke von nahe, aber unterhalb von zwei Prozent gewahrt. Preisstabilität ist ein Hauptziel der Geldpolitik der Zentralbank. Sie entscheidet am kommenden Donnerstag erneut über ihren Leitzins, der aber nicht angetastet werden dürfte.

Geldmenge wächst langsamer

Der erste Anstieg der Inflationsrate in Deutschland seit Juli dürfte die Sorge vor einer Deflation im Euroraum dämpfen. Die EZB will mit ihrer Politik des billigen Geldes unter anderem erreichen, dass die Gefahr eines Preisverfalls auf breiter Front erst gar nicht aufkeimt.

Mittelfristig deutet allerdings ein entscheidender Indikator auf eine weitere Verringerung des Preisdrucks hin: Das Geldmengenwachstum in der Eurozone hatte sich im Oktober deutlicher als erwartet abgeschwächt und liegt unter dem Zielwert der Zentralbank.

Nach Angaben der EZB wuchs die Geldmenge M3 im Vergleich zum Vorjahresmonat nur noch um 1,4 Prozent. Im September hatte das Plus noch bei 2 Prozent gelegen. Der Referenzwert der EZB für ein inflationsneutrales M3-Wachstum beträgt indes 4,5 Prozent. Das sinkende Geldmengenwachstum spiegelte sich auch in einer schwachen Kreditvergabe, die ihr Vorjahresniveau um ein Prozent unterschritt. Diese Entwicklung ist sowohl Ergebnis des sehr schwachen Wirtschaftswachstums, das die Kreditnachfrage beeinträchtigt, als auch der sehr hohen Kreditzinsen in Südeuropa und der vielen faulen Kredite in den dortigen Bankbilanzen. Eine über längere Zeit sinkende Kreditvergabe kann eine Deflation auslösen.

"Zwar hat die EZB gerade ihren Hauptrefinanzierungssatz gesenkt, aber wegen der sinkenden Kreditversorgung wird der Druck auf die EZB, mehr zu tun, wachsen", sagte ING-Volkswirt Peter Vanden Houte. Er erwartet daher, dass die Diskussion über spezielle Maßnahmen zur Ankurbelung der Kreditvergabe bei der nächsten EZB-Ratssitzung wieder Fahrt aufnehmen wird. An eine weitere Zinssenkung glaubt Vanden Houte vorerst aber nicht.
Alexander Krüger, Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe, zweifelt aber daran, dass die EZB tatsächlich von Deflationsangst umgetrieben wird. "Wenn man Deflationssorgen hat, dann darf die Nullinie bei den Zinsen eigentlich keine Hürde sein, dann muss man auch in die Vollen gehen", sagte er.

Quelle: n-tv.de, jga/rts/dpa/DJ

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