Wirtschaft

Die Luft wird dünner Irland nähert sich der Rezession

Der Rückgang der irischen Wirtschaftsleistung lässt Sorgen über den Zustand der Staatsfinanzen wieder aufflammen. Der Druck auf die Regierung wächst – doch der Handlungsspielraum schrumpft.

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Irlands Premier Brian Cowen.

(Foto: REUTERS)

Rückschlag für das Euro-Sorgenkind Irland: Die Wirtschaft ist im Frühjahr überraschend wieder geschrumpft, nachdem im ersten Vierteljahr die Rezession überwunden schien.

Im zweiten Quartal sank das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zu den ersten drei Monaten des Jahres um 1,2 Prozent, wie das irische Statistikamt mitteilte. Die Nachricht überraschte, denn Analysten hatten im Schnitt mit einem Anstieg von 0,5 Prozent gerechnet.

Unmittelbar nach Bekanntwerden der Daten stieg die Renditespanne (Spread) zwischen irischen und deutschen Staatsanleihen mit 10-jähriger Laufzeit auf ein neues Hoch von 4,32 Prozentpunkten. "Die Zahlen sind eine große Enttäuschung und werden den Druck auf die Spreads weiter erhöhen, da sie bei Investoren Zweifel über die Fähigkeit Irlands hervorrufen werden, seine Haushaltsziele zu erreichen", meinte Alan McQuaid, Chefökonom bei Bloxham Stockbrokers.

Die Probleme wachsen

"Das macht die Dinge schwieriger, und ich denke, die Regierung wird über mehr Einsparungen nachdenken, als ursprünglich geplant waren", sagte Stephen Taylor von Dolmen Stockbrokers. Finanzminister Brian Lenihan betonte, sein Land werde am Sparkurs festhalten. Ungeachtet des Rückschlags dürfe man auch nicht vom Ziel abrücken, das Haushaltsdefizit bis 2014 wieder unter die Marke von drei Prozent zu drosseln. Die jüngste Verschlechterung der Kreditkonditionen bezeichnete er als ernsthaften Grund zur Sorge. Vor allem die ausufernden Kosten der Bankenrettung hatten zuletzt die Zinsen für Irland in die Höhe getrieben.

Dazu kommt die nun anhaltende Schwäche der Wirtschaft. Irland hatte sich erst im ersten Quartal aus der Rezession gelöst, die seit dem Schlussquartal 2007 andauerte. Die Wirtschaftsleistung legte aber mit 2,2 Prozent nicht so stark zu wie ursprünglich erwartet.

Im laufenden Jahr könnte das Haushaltsdefizit auf ein Viertel der Wirtschaftsleistung oder mehr steigen. Grund sind die hohen Kosten, die mit der Stilllegung der Bank Anglo Irish verbunden sind. Irische Regierungsvertreter betonen jedoch, dass es sich um einen Einmaleffekt handle, der vor allem mit den Berechnungs-Grundlagen der europäische Statistikbehörde zu tun habe. Die Kosten selbst sollten auf die kommenden 15 Jahre verteilt werden. Details zu den genauen Kosten und zum Zeitplan sollen in der kommenden Woche vorgelegt werden.

Die dunkle Seite des Sparens

Vor diesem Hintergrund steckt Irland steht Irland in der Zwickmühle: Um den Haushalt zu sanieren, hat die Regierung einen drastischen Sparkurs eingeleitet. Das bremst allerdings die wirtschaftliche Erholung. Das geringere Wirtschaftswachstum erschwert nun die Haushaltskonsolidierung der Regierung  - und zwar von zwei Seiten:  Zum einen steigen damit allgemein die Ausgaben etwa für die Arbeitslosenunterstützung und andere Sozialleistungen, zum anderen sinken in der Regel die Einnahmen, etwa aus der Unternehmenssteuer.

Die Regierung steht deshalb nach Meinung von einigen Beobachtern unter erhöhtem Druck, im Haushaltsplan, der am 7. Dezember vorgestellt werden soll, neue Einsparungen vorzunehmen. Doch genau das könnte die Probleme verschärfen, statt sie zu lindern.

Quelle: n-tv.de, rts/DJ

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