Es fehlen die FachkräfteKI-Weltspitze? Deutschland tritt laut Studie auf der Stelle

Beim Thema Künstliche Intelligenz soll Deutschland weltweit ganz vorn mitspielen. Bundeskanzler Friedrich Merz möchte dafür eng mit dem Chip-Giganten Nvidia zusammenarbeiten. Eine aktuelle Studie zeigt, wo Deutschland im globalen Vergleich steht.
Japan und Südkorea haben einer Studie zufolge bei der Anwendung von Künstlicher Intelligenz (KI) aufgeholt und sind in die Weltspitze vorgerückt. Deutschland tritt dagegen auf der Stelle. Das teilte die Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group (BCG) mit. Die Bundesrepublik habe aber großes Potenzial, vor allem mit KI in der Industrie. Allerdings fehlen die dafür notwendigen Fachkräfte.
Japan punktet laut BCG mit einer innovationsfreundlichen Regulierung, umfangreichen Investitionen internationaler Technologiekonzerne und einer starken Robotik-Industrie. Südkorea habe gezielt in eigene KI-Modelle und Rechenkapazitäten investiert. Beide Staaten hätten seit 2024 die Voraussetzungen für den Einsatz von KI deutlich verbessert. "Es reicht nicht aus, KI auf politischer Ebene zur Priorität zu erklären", sagte BCG-Experte Andrej Levin. "Entscheidend ist, wie schnell daraus Investitionen, Infrastruktur und konkrete Anwendungen entstehen."
Insgesamt haben sich seit 2024 acht Länder so deutlich verbessert, dass sie in eine höhere Klasse vorgerückt sind. In der Weltspitze sind neben den Aufsteigern Japan und Südkorea weiterhin die USA, China, Großbritannien, Kanada und Singapur. Deutschland bleibt gleich und gehört nicht zu den weltweit führenden KI-Standorten. BCG hat für die Studie insgesamt 79 Staaten unter die Lupe genommen.
Fachkräfte: Deutschland muss aufholen
Die Entwicklung besonders leistungsfähiger KI-Modelle ist laut Studie weiterhin stark auf die USA und China konzentriert. "Deutschland muss nicht jedes KI-Modell selbst entwickeln, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein", so Levin. "Die große Chance liegt darin, Künstliche Intelligenz dort einzusetzen, wo wir bereits über industrielle Kompetenz und jahrzehntelanges Prozesswissen verfügen."
Gute Voraussetzungen dafür gebe es in den Industriezweigen Automobil, Chemie, Biotechnologie und Medizintechnik. "Mit der Weiterentwicklung sogenannter Physical AI, also KI-Systemen zur Steuerung von Maschinen, Robotern und Fahrzeugen, könnten künftig auch industrielle Bereiche wie Produktion und Logistik stärker von KI-bedingten Veränderungen erfasst werden." Rund 65 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung entfallen laut BCG-Analyse auf Branchen mit mittlerem oder hohem KI-Veränderungspotenzial. Nötig seien nun qualifizierte Fachkräfte, Investitionen und der Zugang zu leistungsfähiger Recheninfrastruktur.
"Insbesondere bei der Verfügbarkeit spezialisierter KI-Fachkräfte besteht hierzulande gegenüber den führenden Volkswirtschaften Nachholbedarf", warnte BCG. "In Sachen Risikokapital und Finanzierung von KI-Unternehmen weist Deutschland jedoch im internationalen Vergleich Stärken auf." Kanzler Merz rührt derzeit kräftig die Werbetrommel, um private Investoren nach Deutschland zu locken. Man sei für Investitionen bereit, betont er.
Erst am Montag haben die Bundesregierung und der US-Technologiekonzern Nvidia eine engere Zusammenarbeit vereinbart, um die industrielle Nutzung von KI hierzulande massiv voranzutreiben. Zudem will der Bund bis 2030 die deutschen Rechenzentrumskapazitäten verdoppeln und die Rechenkapazitäten für KI und Supercomputer vervierfachen.