Wirtschaft

Energie-Agentur wünscht Klarheit"Katherina Reiche möchte keine Transparenz schaffen - das nehmen wir hin"

17.05.2026, 08:42 Uhr DSC8670-Edit-3-7Interview: Christian Herrman, Clara Pfeffer
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Von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hat die Dena keine Transparenz erhalten. (Foto: picture alliance / dts-Agentur)

Die Deutsche Energie-Agentur beschäftigt rund 700 Menschen. Doch der Bund muss sparen. Ein Vorschlag aus der Unionsfraktion lautet: Schafft das Bundesunternehmen ab. Die Aufgaben können doch die Ministerien übernehmen - können sie nicht, warnt Corinna Enders. Die Dena-Chefin bezeichnet ihr Unternehmen im Podcast "Das Klima-Labor von ntv" als "Scharnier zwischen Politik und Praxis", das die Kommunen etwa beim "Klein-Klein der Wärmeplanung" unterstützt. "Viele haben weder die finanziellen noch die personellen Ressourcen, um das selbst zu erledigen." Doch für die erfolgreiche Umsetzung benötigen Energieberater, Installateure und Heizungsbauer Planbarkeit und Verlässlichkeit.

ntv.de: Was macht die Deutsche Energie-Agentur, kurz: Dena?

Corinna Enders: Vielfältige Aufgaben. Wir sind ein Bundesunternehmen mit Gesellschaftsvertrag. Der gibt uns vor, in welchem Rahmen wir handeln dürfen. Unser Gesellschaftszweck ist: Wir unterstützen die Bundesregierung bei ihren energie- und klimapolitischen Zielen.

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Die Dena übernimmt Aufgaben, die die Ministerien nicht leisten können, sagt Dena-Chefin Corinna Enders. (Foto: Hoffotografen)

Woran arbeiten Ihre rund 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?

Aktuell sind wir allein mit rund 100 Projekten im Auftrag der Bundesregierung beschäftigt. Oft müssen dafür die Meinungen aller Beteiligten eingeholt werden. Wir fungieren als projektgebundene Geschäftsstelle und organisieren den Austausch und sammeln Meinungen ein - zum Beispiel, wenn es um die Zukunft der CO2-Abspeicherung und des CO2-Transports geht. Andere Projekte stehen mehr in der Öffentlichkeit, etwa das Kompetenzzentrum Kommunale Wärmewende (KWW). Das ist in Halle (Saale) angesiedelt und unterstützt die Kommunen bei der kommunalen Wärmeplanung mit Leitfäden, Veranstaltungen vor Ort sowie mit Informationen und Factsheets.

Wie eine Unternehmensberatung, die bei der Umsetzung von Projekten hilft?

Wir stehen als Ansprechpartner zur Verfügung und versuchen, die Kommunen miteinander zu verknüpfen. Es gibt 10.700 Kommunen in Deutschland. Jede steht vor der Herausforderung "Wärmeplanung".

Wenn die Kommunen nicht weiterwissen, ist die Empfehlung: Ruf doch mal bei der Dena an.

Genau. Bei uns können sie sich erkundigen.

Der Bund muss sparen. Der stellvertretende Fraktionschef der Union, Sepp Müller, hat deshalb vorgeschlagen, die Dena aufzulösen. Wissen Sie, warum er es auf Sie abgesehen hat?

Das haben wir uns auch gefragt. Erst recht, weil er aus Sachsen-Anhalt kommt und damit in einem Wahljahr die Abschaffung von 70 Arbeitsplätzen in Halle (Saale) fordert. Aber das weiß nur er. Uns ist vollkommen klar, dass der Staat seine Ausgaben senken muss und nicht alles subventionieren kann. Im Falle der Dena muss man aber auch sagen: Wir stehen nicht unmittelbar im Haushalt. Das Geld wird von den Ministerien verwaltet. Die entscheiden, welche Projekte sie unterstützen möchten. Aber Sepp Müller hat auch gesagt, dass die Ministerien die ganze Expertise selbst besitzen …

Besitzen sie nicht?

Doch, sehr große sogar - für ministerielle Aufgaben. Wir erarbeiten aber Leitfäden, um Kommunen beim Klein-Klein der Wärmeplanung zu unterstützen. Das ist doch keine Aufgabe für ein Ministerium.

Wo welches Rohr langlaufen und welche Größe die Wärmepumpe haben sollte?

Nein. Wir identifizieren die Akteure, die man an der Wärmewende beteiligen muss, und tragen die Daten zusammen. Wie funktioniert das bisherige System? Wo ist der Verbrauch besonders groß? Wer kann bei der Umsetzung helfen? Welche Dienstleister sind vorhanden? Dafür gibt es ein eigenes Verzeichnis. Viele Kommunen haben weder die finanziellen noch die personellen Ressourcen, um das selbst zu erledigen. Wir haben dagegen ein großes Netzwerk, arbeiten mit Unternehmen, aber auch der Wissenschaft und Energieberatern vor Ort zusammen. Wir sind ein Scharnier zwischen Politik und Praxis. Die Wärmewende kann nicht von oben bestimmt werden.

Wo finde ich das "Klima-Labor"?

Dieses Interview ist eigentlich ein Podcast, den Sie sich anhören können: "Das Klima-Labor von ntv" finden Sie auf ntv.de und überall, wo es Podcasts gibt: RTL+, Amazon Music, Apple Podcasts, Spotify, RSS-Feed.

Sie haben eine Frage an uns? Schreiben Sie E-Mail an klimalabor@ntv.de.

Findet man die notwendigen Angaben für die Datensammlung überhaupt? Deutschland ist kein digitaler Vorreiter …

Im Grund ja. Man muss aber wissen, wo man sie findet. Im Gebäudebereich können oft Schornsteinfeger oder auch Handwerker helfen. Aber auch wenn Daten gesammelt wurden, wurden sie nicht gezielt zusammengeführt oder es ist unklar, wie man sie verarbeitet. Das wird demnächst durch europäische Vorschriften gefördert, aber das ist in vielen Bereichen ein Problem. Ohne gesicherte Datengrundlage weiß man nicht, welches Haus noch wie stark gedämmt werden muss, um den Energiebedarf zu senken.

Sind wir bei der Wärmeplanung im Blindflug unterwegs?

Nein. Aber die Herausforderungen sind groß. Ende Juni läuft die Frist für die Planung der großen Kommunen aus. Die sind auf einem guten Weg. Die kleineren Kommunen kommen auch voran, aber dort ist die Planung schwieriger. Wie erwähnt fehlen oft finanzielle und personelle Ressourcen und manchmal auch das spezielle Wissen.

Haben Sie den Eindruck, dass die Umsetzung durch die schwarz-rote Bundesregierung schwieriger geworden ist? Aktuell wird an den Zielen der Klimaneutralität gerüttelt.

Wir haben ein Klimaschutzgesetz. Darin ist festgelegt: Klimaneutralität bis 2045. Wir haben durch das Pariser Klimaschutzabkommen völkerrechtliche Verpflichtungen. Wir haben europarechtliche Verpflichtungen. Wir haben ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das diese Vorgaben bestätigt. Wir haben ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, das besagt: Die aktuellen Maßnahmen reichen nicht aus. Insofern ist klar, dass wir den eingeschlagenen Weg weitergehen müssen. Aber natürlich ist es angebracht, Dinge zu hinterfragen. Ich finde es gut, dass das Wirtschaftsministerium mit dem Energiewende-Monitoring eine Bestandsaufnahme gemacht und geschaut hat, wo man nachjustieren kann.

Ein Problem ist doch aber: Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hält sich als Auftraggeberin des Berichts selbst nicht an die Empfehlungen der Gutachter.

Der Zehn-Punkte-Plan des Wirtschaftsministeriums stimmt nicht in allen Punkten mit dem Ergebnis des Monitoring-Berichts überein. Das ist das Recht eines Ministeriums, aber ich hätte mir mehr Transparenz gewünscht, wie diese Abweichungen entstanden sind. Diese Transparenz haben wir aber nicht bekommen. Das müssen wir so hinnehmen.

Wo stehen wir denn momentan bei der Energiewende und der klimaneutralen Energieversorgung?

Wir haben viel erreicht und sind in einigen Bereichen weiter, als wir uns das noch vor 15 Jahren hätten vorstellen können. Aber die Energiewende ist komplex. Wir stecken mittendrin. Im Strombereich stehen wir bereits bei knapp 60 Prozent Erneuerbaren. 2030 wollen wir bei 80 Prozent stehen. Das kann gut erreicht werden. Der Netzausbau hinkt hinterher. Im Vergleich zu 2021 hat sich die Zahl der Genehmigungen allerdings verfünffacht. Auch dort passiert viel. Dann gibt es Dinge wie den Gebäudesektor. Dort werden die Ziele bisher Jahr für Jahr deutlich verfehlt.

Im Gebäudebereich soll mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz etwas getan werden. Allerdings geht es aus Sicht vieler Beobachter mit Grüngasquote und Biotreppe in die falsche Richtung …

Wir als Dena haben die 65-Prozent-Regelung befürwortet, weil Ordnungsrecht Klarheit schaffen kann. Diese Regelung ist nicht mehr Bestandteil des Gesetzesentwurfs. Aber das Gesetz ist noch nicht in Kraft getreten. Es sind einige Fragen offen. Diesen Prozess werden wir konstruktiv begleiten. Positiv ist: Die Förderung für den Heizungstausch bleibt erhalten. Der soziale Ausgleich ist auch wichtig.

Sie meinen die Kostenbremse für Mieter?

Ja. Die wird dabei helfen, dass auch Vermieter energiepolitisch richtige Entscheidungen treffen. Letztlich war der Union die Entscheidungsfreiheit in der Heizfrage enorm wichtig. Das bedeutet, dass Eigentümerinnen und Eigentümer künftig mehr Verantwortung tragen. Umso wichtiger wird eine gute Energieberatung, um aufzuzeigen: Welche Kostenentwicklung ist bei den Brennstoffen zu erwarten? Wie ist es um die Verfügbarkeit von Energieträgern wie Biomethan bestellt? Es geht ja nicht nur um den Kauf einer Heizung.

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Sie waren gerade beim Jahrestag der Energieberater. Wie wurden die Pläne der schwarz-roten Koalition dort aufgenommen?

Es gibt einen starken Wunsch nach Planbarkeit und Verlässlichkeit. Die Branche hat viel zu tun und wird von Ungewissheit gebremst. Bei dem Kongress waren viele Heizungsanlagenbauer anwesend. Die freuen sich, wenn sie durchstarten können. Die Energieberater selbst müssen schauen, wie die Förderung für Energieeffizienz und Sanierung ausgestaltet wird. Das ist noch nicht entschieden. Man hat aber gespürt: Alle stehen hinter der Wärmewende - und es ist nicht zu unterschätzen, welchen Beitrag diese Experten dafür leisten. Das ist übrigens auch eines unserer Projekte: die Energieeffizienzexperten-Liste. Dort listen wir alle qualifizierten Energieberater auf. Vor zweieinhalb Jahren gab es knapp 15.000 Einträge, inzwischen sind es 25.000.

In der Branche entstehen Jobs.

Ja. Der Bedarf ist groß. Das zeigt aber auch, wie viele Verbraucher, Bürgerinnen und Bürger ihre ganz eigene Energie- und Wärmewende planen. Das kann man nicht positiv genug hervorheben. Und obwohl die Wärmepumpe in den vergangenen Jahren teilweise verteufelt wurde, steigt der Absatz. Die Menschen treffen also offensichtlich vernünftige Entscheidungen.

Mit Corinna Enders sprachen Clara Pfeffer und Christian Herrmann. Das Gespräch wurde zur besseren Verständlichkeit gekürzt und geglättet. Das komplette Gespräch können Sie sich im Podcast "Das Klima-Labor von ntv" anhören.

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Was hilft wirklich gegen den Klimawandel? Funktioniert Klimaschutz auch ohne Jobabbau und wütende Bevölkerung? Das "Klima-Labor von ntv" ist der Podcast, in dem Clara Pfeffer und Christian Herrmann Ideen, Lösungen und Behauptungen der unterschiedlichsten Akteure auf Herz und Nieren prüfen.



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Das Klima-Labor von ntv: Jeden Donnerstag eine halbe Stunde, die informiert, Spaß macht und aufräumt - ohne Streit, in ausführlichen Gesprächen mit führenden Köpfen aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft.



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Quelle: ntv.de

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