Wirtschaft

Plan für das neue Heizungsgesetz"Die Grüngasquote verteuert Heizen für alle - auch Bestandskunden"

05.03.2026, 16:16 Uhr
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CDU-Fraktionschef Jens Spahn und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche haben sich mit Grünöl- und Grüngasquote im Entwurf für das Gebäudemodernisierungsgesetz verewigt. (Foto: picture alliance/dpa)

Der Ölpreis steigt, der Gaspreis explodiert. Der Iran-Krieg ist ein weiterer Grund, sich ernsthaft mit einer Wärmepumpe auseinanderzusetzen. Ein anderer ist das Gebäudemodernisierungsgesetz von Union und SPD. Der Entwurf enthält zwei Ansätze, die das Heizen mit Öl und Gas teurer machen würden als das bisherige Heizungsgesetz: Biotreppe und Grüngasquote. Wirtschaftsinstitute und auch die Bundesregierung selbst warnen vor Mehrkosten von bis zu 700 Euro im Jahr. "Uns bereiten die Pläne wenig Bauchschmerzen", sagt Kerstin Stratmann vom Fachverband Gebäudeenergie im Podcast das "Klima-Labor von ntv". Ihr zufolge hat die Wärmepumpe Heizungsbauer, Handwerk und auch Immobilienwirtschaft bereits von sich überzeugt. "Sie ist die beste und wirtschaftlichste Lösung. Daran wird die Abschaffung des Heizungsgesetzes nichts ändern."

ntv.de: Ist der Iran-Krieg der letzte Beweis dafür, dass Deutschland auch beim Heizen vom Erdgas wegkommen muss?

Kerstin Stratmann: Ja. Der Preis für Heizöl ist um 20 Prozent gestiegen. Beim Gas gab es den größten Preissprung seit 2023. Die Märkte haben reagiert. Das ist hoffentlich einigen Menschen noch mal deutlich geworden. Manchmal bedarf es geopolitischer Schlaglichter, um die Strategie anzupassen und zu schauen, ob der Kompass in die richtige Richtung zeigt. Bei den Reformen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) und des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) deuten einige Berichte darauf hin, dass das nicht der Fall ist. Und wenn die Politik ihren Kurs nicht korrigiert, sollte das jeder selbst für seinen Heizungskeller tun.

Erwarten Sie, dass die schwarz-rote Koalition beim Entwurf für das Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) nach dem Beginn des Iran-Kriegs nachsteuert?

Ich spreche für die Elektrotechnik, nicht für die Gaswirtschaft, aber einige haben wahrscheinlich wahrgenommen, dass die Gasspeicher nur noch zu 20 Prozent gefüllt sind. Wird es noch einmal kalt, könnte es teuer werden. So verstehe ich zumindest unsere Wirtschaftsministerin: Der Iran-Konflikt ist keine Frage der Knappheit, sondern des Preises.

Die Situation weist einige Parallelen zur Energiekrise auf. Robert Habeck hat den russischen Angriff auf die Ukraine als Wirtschaftsminister zum Anlass genommen, das Heizungsgesetz zu entwerfen. Für ihn war klar: Gas ist keine sichere Versorgungslösung. Der Plan ist nur teilweise aufgegangen. Wären die Menschen dieses Mal offener für die Wärmepumpe?

Sie sind es schon. Die Wärmepumpe ist die beste und wirtschaftlichste Lösung. Daran wird die Abschaffung des Heizungsgesetzes nichts ändern. Uns bereiten die Pläne wenig Bauchschmerzen. Aus dem Bundeskanzleramt hört man auch, dass Partnerschaften überdacht werden sollten und Europa mehr Wert auf Eigenständigkeit und Resilienz legen müsse. Diesen sicherheitspolitischen Weg kann Europa nur mit einer Versorgung auf Basis der heimischen erneuerbaren Energien beschreiten. Das kommt im Wirtschaftsministerium bestimmt auch noch an.

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Kerstin Stratmann ist Geschäftsführerin des ZVEI-Fachverbands Gebäudeenergie. (Foto: ZVEI)

Woran machen Sie fest, dass die elektrische Lösung ankommt?

Die Wärmepumpe hat im vergangenen Jahr die Gasheizung überholt und war erstmals die am stärksten nachgefragte Heizungstechnologie - nicht nur im Neubau. Auch die Handwerker und Heizungsbauer lassen sich vermehrt darauf ein. Die sind immer besser an der Wärmepumpe geschult und können somit besser beraten.

Also empfehlen?

Genau. Der gesamte Industriezweig hat nach der Energiekrise und dem Wärmepumpengipfel mit Robert Habeck viel Geld in Produktionskapazitäten investiert und das Handwerk eine wahnsinnige Schulungsoffensive gestartet. Das trägt jetzt Früchte. Handwerker sind für viele Kunden die erste Anlaufstelle als Beratung. Wir sehen: Die Wärmepumpe wird viel häufiger empfohlen.

Ist das GMG eine Gefahr für das Handwerk und die Heizungsbranche?

Die größte Gefahr beim Heizungstausch sind verunsicherte Kunden, die nicht auf die Betriebskosten achten, sondern zur günstigsten Technologie greifen: Das ist die Gasheizung. Über die gesamte Lebensdauer ist sie aber viel teurer als die Wärmepumpe. Die laute Debatte nach der Vorstellung der Reformpläne zeigt allerdings, dass das Bewusstsein für dieses Thema groß ist. Jens Spahn möchte Wahlfreiheit im Heizungskeller schaffen? Okay. Als Vertretung von strombasierten Technologien sagen wir selbstbewusst: Wir haben die beste Technologie. Das werden die Kunden auch lernen.

Dann ist die Reform gar nicht verkehrt? Die Union wollte damit gewisse politische Aufreger auflösen. Man muss anerkennen, dass es einen unglaublichen Widerstand gegen das Heizungsgesetz gab. Viele Menschen haben damals gesagt: Moment mal, meine Heizung? Meine Entscheidung!

Wir hätten das bisherige Gebäudeenergiegesetz gerne beibehalten und haben nicht damit gerechnet, dass die Reformpläne so radikal ausfallen. Es war der CDU offenbar wichtig, die 65-Prozent-Erneuerbare-Regelung zu streichen. Wenn die Reform aber sauber und mit ebenso klaren wie transparenten Vorgaben umgesetzt wird und den Investitionsrahmen für die kommenden Jahre nicht anzweifelt, muss sie nicht schädlich für unsere Branche sein. Das können wir bisher aber nicht einschätzen. Fest steht, dass neue Ansätze wie Grüngasquote und Biotreppe größere Kostensteigerungen bei Gas- und Ölheizungen verursachen werden als das Heizungsgesetz. Das ist eine große Gefahr für Mieter. Es gibt aber auch einen Lichtblick.

Wo finde ich das "Klima-Labor"?

Dieses Interview ist eigentlich ein Podcast, den Sie sich anhören können: "Das Klima-Labor von ntv" finden Sie auf ntv.de und überall, wo es Podcasts gibt: RTL+, Amazon Music, Apple Podcasts, Spotify, RSS-Feed.

Sie haben eine Frage an uns? Schreiben Sie E-Mail an klimalabor@ntv.de.

Nämlich?

Die Förderung bleibt stabil. Das ist das klare Signal: Greifen Sie zur Wärmepumpe.

Was kosten Gaskessel und Wärmepumpe aktuell?

Das hängt vom Gebäude ab. Im Einfamilienhaus zahlt man für eine neue Gasheizung zwischen 9000 und 15.000 Euro. Eine Wärmepumpe kostet 18.000 bis 30.000 Euro. Deswegen wird sie gefördert.

Wie viel gibt es maximal?

Die Grundförderung beträgt 30 Prozent. Dazu kommen ein Klimabonus, wenn man besonders schnell handelt, und ein Einkommensbonus für Haushaltseinkommen unter 40.000 Euro. Einen Effizienzbonus gibt es auch. Maximal werden 70 Prozent der Wärmepumpe gefördert. Damit ist sie in der Anschaffung oft immer noch teurer als die Gasheizung, aber sie nähert sich an.

Und anders als bei der Gasheizung kommen keine weiteren Aufschläge wie Biotreppe, Grüngasquote oder CO2-Preis hinzu.

Die Eckpunkte für das neue Gesetz sehen zwei neue Faktoren oder Quoten vor. Erstens, die Biotreppe. Ab 2029 müssen Gasheizungen zu 10 Prozent mit Gas betrieben werden, das defossilisiert wurde. Das können diverse grüne Wasserstoffprodukte sein. Das halte ich für unwahrscheinlich. In den meisten Fällen würde man wahrscheinlich Biomethan beimischen. Diese Biogastarife existieren bereits: Sie sind 25 Prozent teurer als der Standardtarif.

Die schwarz-rote Koalition sagt selbst, dass Einfamilienhausbesitzer mit Gasheizung durch die Biotreppe mit Mehrkosten von 196 Euro im Jahr rechnen müssen. Heizen mit Öl wird 276 Euro teurer.

Die Biotreppe gibt es bereits im aktuellen Gesetz. Da waren die Stufen allerdings höher: Wir wären 2029 mit 15 Prozent gestartet. Für 2035 und 2040 waren weitere Treppenstufen eingeplant. Jetzt starten wir mit 10 Prozent. Die weiteren Schritte sind unbekannt.

Wenn man den Gebäudebereich ernsthaft dekarbonisieren möchte, müssen sie größer werden.

Ja. Der Gebäudebereich verfehlt seine Klimaziele, obwohl die Klimawirkung der aktuell geplanten Biotreppe bereits in die Prognose einfließt. Wenn man das Startlevel senkt, wird die Prognose schlechter.

Was ist der zweite Kostenfaktor?

Das ist die Grüngasquote: Ab 2028 muss dem Gas zusätzlich mindestens ein Prozent defossilisiertes Gas beigemischt werden. Für Ölheizungen gilt die Quote auch. Das ist das grüne Heizöl von Herrn Spahn.

Kommt die Grüngas- oder die Grünölquote auf die Biotreppe drauf?

Jein. Die Biotreppe gilt für neue Gas- oder Ölheizungen. Ab 2029 muss man diesen speziellen Biotarif beziehen. Die Grüngasquote ist eine Vorgabe für die Anbieter der Brennstoffe. Die Gaswirtschaft muss dafür sorgen, dass ihre Standardtarife ab 2028 ein Prozent Biobeimischung enthalten. Somit ist die Grüngasquote eine Teuerung für alle, die mit Gas oder Öl heizen: Eigenheimbesitzer, aber auch Mieterinnen und Mieter. Auch dann, wenn die Gasheizung bereits zehn Jahre oder noch älter ist. Diese Vorgabe für den Bestand gibt es im GEG nicht. Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) rechnet nur durch die Grüngasquote mit Mehrkosten von 350 Euro für einen Zwei-Personen-Haushalt ab Mitte der 2030er Jahre. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) kommt sogar auf 450 Euro jährlich.

Und dazu kommt noch der CO2-Preis durch den europäischen Emissionshandel ...

Genau. Die Einführung des ETS-2 fürs Heizen ist vergangenes Jahr auf 2028 verschoben worden. Deutschland nutzt aber bereits ein nationales System: Wer eine Tonne CO2 ausstößt, muss dieses Jahr zwischen 55 und 65 Euro zahlen - jährlich steigend. Wo sich der europäische Preis anfangs einpendeln wird, können wir nicht sagen. In den 2030er Jahren wird er sicherlich bei mehr als 100 Euro für eine Tonne CO2 liegen.

Als Eigenbesitzer hat man es selbst in der Hand, ob man diese Preisaufschläge akzeptieren möchte oder lieber zur Wärmepumpe greift. Als Mieterin nicht. Sieht der Plan für das GMG einen Anreiz für Vermieter vor, die Gasheizung nicht laufen zu lassen und die Kosten für Biotreppe, Grüngasquote und ETS einfach weiterzureichen?

Nein, in den Eckpunkten nicht. Das GEG enthält dafür aber auch keine Regelungen. Das CO2-Kostenaufteilungsgesetz schreibt allerdings vor, dass Vermieter abhängig vom energetischen Zustand des Gebäudes anteilig CO2-Kosten tragen müssen. Ich kann mir vorstellen, dass die SPD eine ähnliche Regelung für den Einbau einer fossilen Heizung in das GMG reinverhandeln wird.

Wie werden die Pläne von Vermietern aufgenommen?

Im Mehrfamilienhaus mit Gasetagenheizung, das Eigentümergemeinschaften oder kleinen Vermietern gehört, fällt uns die Überzeugungsarbeit für Wärmepumpen am schwersten. Dort geht die Tendenz zum günstigen Heizungstausch statt zur umfangreichen Modernisierung. Ich kann mir vorstellen, dass man sich dort weiter für die Gasheizung entscheidet und sich selbst oder die Mieter in eine Kostenfalle treibt. Die Immobilienwirtschaft hat ihre Investitionspläne gemacht. Die setzt auf die Wärmepumpe oder die Anbindung ans Fernwärmenetz. Wir hören: Diese Pläne werden nicht mehr angefasst.

Haben Sie einen Tipp für Mieterinnen und Mieter außer Umziehen?

Für Mieter bleiben wenig Möglichkeiten. Es gibt kein Recht auf eine Gebäudemodernisierung. Die Kosten der Sanierung würden aber auch auf die Miete umgelegt. Wenn der Vermieter nicht mitspielt, bleibt letztlich nur: Heizung entlüften, auf den Verbrauch achten und mit einem Balkonkraftwerk selbst an der Energiewende mitwirken.

Mit Kerstin Stratmann sprachen Clara Pfeffer und Christian Herrmann. Das Gespräch wurde zur besseren Verständlichkeit gekürzt und geglättet. Das komplette Gespräch können Sie sich im Podcast "Das Klima-Labor von ntv" anhören.

Klima-Labor von ntv

Was hilft wirklich gegen den Klimawandel? Funktioniert Klimaschutz auch ohne Jobabbau und wütende Bevölkerung? Das "Klima-Labor von ntv" ist der Podcast, in dem Clara Pfeffer und Christian Herrmann Ideen, Lösungen und Behauptungen der unterschiedlichsten Akteure auf Herz und Nieren prüfen.



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Das Klima-Labor von ntv: Jeden Donnerstag eine halbe Stunde, die informiert, Spaß macht und aufräumt - ohne Streit, in ausführlichen Gesprächen mit führenden Köpfen aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft.



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Quelle: ntv.de

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