Wirtschaft

Ohne Container kein Nachschub Kik und Rossmann fehlt die Ware aus Asien

Wegen des Container-Chaos auf den Weltmeeren laufen die Lager großer Händler leer. Für viele sei die Lage dramatisch, warnen die Chefs von Kik und Rossmann. Waren aus Asien zu bekommen, werde immer schwieriger. Kunden müssten sich auf Versorgungsengpässe und höhere Preise einstellen.

Die chaotischen Zustände in den globalen Lieferketten kommen zunehmend im Alltag der Verbraucher an. "Wir haben große Schwierigkeiten, Frachtkapazitäten für unsere Bestellungen auf den Schiffen zu bekommen", zitiert das "Handelsblatt" den Chef des Textildiscounters Kik, Patrick Zahn. "In der wichtigsten Zeit des Jahres fehlt uns die Ware."

Angesichts dramatisch geschrumpfter Frachtkapazitäten wird der Kampf um Container immer härter. Die Folge: die Versorgung hierzulande stockt. Mit den knappen Kapazitäten auf den Weltmeeren klettern die Frachtraten. Die steigenden Preise weiterzugeben, sei nicht mehr zu vermeiden, warnt der Kik-Chef. Die Textilhandelskette bezieht einen Großteil seines Sortiments aus Asien. "Das ist ein Angriff auf mein Geschäftsmodell", so Zahn.

Viele Händler sind in einer brenzligen Situation. "Die Knappheit der Frachtkapazitäten und der Container hat deutliche Auswirkungen auf den deutschen Handel", sagt auch Raoul Roßmann, Chef der Drogeriekette Rossmann, gegenüber dem "Handelsblatt". "Es wird immer schwieriger, die Waren aus Asien pünktlich in die Läden zu bekommen." Rossmann habe "das Glück, dass nur ein geringer Anteil unseres Sortiments aus Asien kommt", leere Regale seien deshalb nicht zu befürchten, ergänzt er gegenüber ntv. Aber auch Raoul Roßmann ist überzeugt, dass der starke Anstieg bei den Frachtkosten aber "auf jeden Fall zu Preiserhöhungen im Handel führen" wird.

Bestellte Waren werden nicht mitgenommen

Große Probleme haben vor allem diejenigen, die sich keine langfristigen Transportkapazitäten gesichert haben. Auf dem Sportmarkt ist ein 40-Fuß-Standardcontainer heute viermal so teuer wie vor einem Jahr. Tendenz steigend. Das Rennen um die wenigen vorhandenen Container bleibt eng, auch für die, die mehr zahlen können. "Wir erleben auch, dass unsere Waren trotz Vereinbarungen nicht mitgenommen werden, weil ein anderer Kunde bereit ist, mehr zu zahlen", berichtet Kik-Chef Zahn. Auch andere Unternehmer sind alarmiert. "Wir werden Mega-Preissteigerungen bekommen", sagt auch Marcus Diekmann, Geschäftsführer des Fahrradhändlers Rose Bikes.

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Verbraucher werden künftig tiefer in die Tasche greifen müssen. Die Teuerungsrate dürfte in diesem Jahr mit 2,6 Prozent so hoch ausfallen wie seit 2008 nicht mehr, sagt etwa das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel voraus. Durch Sondereffekte wie die Wiederanhebung der zeitweise gesenkten Mehrwertsteuer und die Einführung der CO2-Steuer könnte bei der Inflationsrate in einzelnen Monaten sogar eine Vier vor dem Komma stehen. "Wir werden uns an höhere Teuerungsraten gewöhnen müssen, selbst wenn die Sondereffekte der Pandemie vorbei sind", so IfW-Präsident Gabriel Felbermayr.

Im Juni klagten bereits rund 92 Prozent der deutschen Betriebe laut einer Umfrage des Münchner Ifo-Instituts über Preissteigerungen bei Material und Vorprodukten. "In der Textilbranche und bei der Möbelherstellung lag der Anteil sogar bei 100 Prozent." Gummi- und Kunststoffwaren waren mit 99,4 Prozent kaum schwächer betroffen. "Beim Stahl und auch beim Schnittholz sowie anderen holzbasierten Grundstoffen gibt es Lieferengpässe und damit einhergehend teils dramatische Preisbewegungen", so Ifo-Experte Felix Leiss. Was knapp ist, wird teurer. Für Verbraucher keine guten Aussichten.

Quelle: ntv.de, ddi

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